Baldingen
Die «Auferstehung» der Rose: Entstehen in der ehemaligen Beiz bald Wohnungen?

Das Restaurant Rose in Baldingen ist geschlossen, taucht aber als Sponsor auf und könnte bald neu genutzt werden. Die «Rose» erlangte nationale Berühmtheit 1969 mit dem «Minirock»-Skandal.

Rosmarie Mehlin
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Im ehemaligen Restaurant Rose könnten bald Wohnungen entstehen. (Archiv)

Im ehemaligen Restaurant Rose könnten bald Wohnungen entstehen. (Archiv)

Beat Kirchhofer

Seit bald zwei Jahren ist die Dorfbeiz geschlossen und ohne Hoffnung auf Wiedereröffnung. Und nun dies: Da findet man «Restaurant Rose Baldingen» Schwarz auf Weiss aufgeführt in bester Gesellschaft neben der Aargauischen Kantonalbank, der RVBW, der Gemeinde Ennetbaden, dem Stadtcasino Baden. Zu lesen im Programmheft von «Krock & Co.», der neuen Produktion von Theater in Baden. Offenbar leben Totgeglaubte tatsächlich länger, und sei es auch nur auf der Bühne und immerhin passenderweise in einem Krimi.

Vermietung gescheitert

Denn der Geschichte der «Rose» haftet tatsächlich ein Hauch von Krimi an. Über 100 Jahre lang hatte das Restaurant zusammen mit der Kirche St. Agatha das Herzstück des 270-Seelen-Dorfes gebildet. Über 48 Jahre hatte Martha Brusa darauf gewirtet. 1969 war der Minirock der Serviertochter dem «Blick» eine ganze Seite wert gewesen. Als sich abzeichnete, dass Wirtin Brusa in Pension geht, hatte die Gemeinde Ende 2014 die Liegenschaft erworben, die Verkleinerung der Beiz und den Einbau von Wohnungen geplant: Kostenpunkt 2,4 Millionen Franken. Zwecks Mitfinanzierung war die Gründung einer Genossenschaft geplant, die jedoch nicht zustande kam. Die Zukunftspläne rund um die Baldinger Dorfbeiz mussten begraben werden.

Nun aber ist das Restaurant Rose wundersamerweise als Sponsorin einer «Dinner Show» im Festsaal vom Badener Hotel Limmathof auferstanden. Genau genommen allerdings nicht die ganze Beiz, aber immerhin ein stattlicher Teil ihres Inventars. Dem «Krock & Co.»-Publikum – bei ausverkaufter Show sind das rund 100 Zuschauer – wird vor dem Theater an Bankett-Tischen ein Drei-Gang-Menü aufgetragen und dabei sitzt es auf «rosigen» Stühlen.

An ihrem angestammten Platz in Baldingen kommen diese definitiv nicht mehr zum Einsatz. Nach dem gescheiterten Projekt für einen Um- und Ausbau des Gebäudes waren die Räumlichkeiten der Bevölkerung und den Vereinen von Baldingen und Böbikon für Anlässe gegen eine Gebühr von 150 Franken Miete pro Tag oder Abend zur Verfügung gestellt worden.

«Dies ist inzwischen nicht mehr der Fall», sagt Gemeindeammann René Meier auf Anfrage. Die Ansprüche der Mieter seien sehr hoch gewesen. «Auch wenn die Räumlichkeiten wie im Vertrag vereinbart in ‹besenreinem Zustand› sowie ‹Thekenanlage, Küche und Kleininventar sauber gereinigt› nach Benutzung übergeben wurden, hatten die folgenden Mieter jeweils viel auszusetzen und Nachreinigung verlangt. So ist die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Gemeinde schliesslich nicht mehr aufgegangen.»

Es gibt Kaufinteressierte

Wie aber soll es mit der «Bauruine» mitten im Dorf weitergehen? «Inzwischen haben wir die Fühler ausgestreckt und sind einige infrage kommende Kaufinteressierte persönlich angegangen», so Gemeindeammann Meier. Es seien auch bereits positive Signale eingegangen, «wobei für potenzielle Käufer eindeutig der Bau von Wohnungen im Vordergrund stünde». Laut Meier wird ein allfälliger Entscheid in den kommenden zwei, drei Wochen fallen.

Seit dem 1. April 2017 zu mieten sind Räumlichkeiten im ehemaligen Schulhaus, in dem seit 2010 nicht mehr unterrichtet wird. Die zwei Schulzimmer im Untergeschoss mit einer Gesamtfläche von gegen 60 Quadratmetern können einzeln gemietet werden. Inklusiv Nebenkosten beträgt die Miete pro Quadratmeter 150 Franken.