Würenlingen
Die Altersheimbewohner haben nun ihr Kino – für die nächsten zwei Jahre

In zwei Jahren soll der Erweiterungsbau des Alters- und Pflegeheims in Würenlingen stehen. Durch den Neubau für rund 15 Millionen Franken wird sich die Bettenzahl im Altersheim von 32 Zimmern auf neu 64 Zimmer verdoppeln.

Nadja Rohner
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Die Maschinen hatten bereits Vorarbeit geleistet, sodass den Vertretern von Heimleitung, Behörden und Baufirmen sowie zwei Bewohnern der Spatenstich leicht fiel. Nadja Rohner

Die Maschinen hatten bereits Vorarbeit geleistet, sodass den Vertretern von Heimleitung, Behörden und Baufirmen sowie zwei Bewohnern der Spatenstich leicht fiel. Nadja Rohner

«Während der nächsten zwei Jahre ist dieser Platz ein Kino für die Altersheimbewohner», sagte Roland Wormser, Verwaltungsratspräsident der Würenlinger Wirna Vita AG. Er meinte damit das grosse Gelände neben dem Alters- und Pflegeheim, wo ein Erweiterungsbau entsteht. Am Dienstag war Spatenstich für das 15-Millionen-Projekt – eigentlich eine Alibiübung, denn schwere Maschinen hatten das Gelände entlang der Endingerstrasse bereits gründlich umgegraben.

Zum Spatenstich waren nicht nur Nachbarn sowie Vertreter von Behörden und Gewerbe erschienen, sondern auch einige Altersheimbewohner. Dick eingepackt in bunten, wohl handgestrickten Wolldecken lauschten sie den Ausführungen von Architekt Urs Birchmeier: «Hier, in dieser Senke, bewacht vom Kirchturm auf dem Hügel, soll ein Begegnungsort entstehen», sagte er.

So ist das Altersheim entstanden: 150-jährige Geschichte

Die Geschichte des Altersheims begann im 19. Jahrhundert. Durch die Hungersnot im ganzen Land wanderten viele Menschen aus. 1853 kehrten zwei heruntergekommene Männer reumütig nach Würenlingen zurück. Da die beiden nicht mehr Fuss fassen konnten und die Zahl der Armengenössigen zunahm, begannen die Behörden, sich nach einem Armenhaus umzusehen. Am 29. März 1857 beschloss die Gemeindeversammlung, die beiden Häuser der Gebrüder Bächli und Nager zu erwerben. Seither dienten sie der Gemeinde als Armenhaus. 1930 wurde dieses Gebäude zum Altersasyl umgebaut. In den Jahren 1991 und 1992 entstand der Neubau am Mühleweg, der nun erweitert wird. Das Alters- und Pflegeheim wird von der 2007 gegründeten Wirna Vita AG geführt. Diese ist im Besitz der Gemeinden Würenlingen, Endingen, Tegerfelden und Villigen. (az)

Gemeindeammann André Zoppi sprach davon, wie wertvoll es doch sei, dass man im Alter im Dorf bleiben könne, «bestens integriert und in der Nähe der Angehörigen». Und Enrico Meuli, Geschäftsführer der Wirna Vita AG, zeigte sich froh, dass der Bau endlich beginnen kann: «Mit dem Spatenstich kommt eine lange, intensive und manchmal nervenaufreibende Planungsphase zum Abschluss.»

Er bediente sich eines Zitats von Antoine de Saint-Exupéry: «Man kann nicht in die Zukunft schauen, aber man kann den Grund für etwas Zukünftiges legen – denn Zukunft kann man bauen».

Weil es beim Bauen immer mal zu brenzligen Situationen kommen kann, bat Seelsorger Stephan Heim um Gottes Segen für die zweijährige Bautätigkeit. Vorsichtshalber zogen die Spatenstecher dann aber doch blaue Bauhelme über, als sie sich aufmachten, um symbolisch ein bisschen Würenlinger Erde umzugraben. Auch zwei Heimbewohner, Herr Bächli und Frau Müller, durften zum Spaten greifen – liebevoll unterstützt vom Pflegepersonal.

Das bestehende Altersheim wird nicht nur durch einen Neubau erweitert, sondern auch umgebaut. So wird die Grösse des Heims von 32 auf 64 Zimmer verdoppelt. Neu wird es eine spezielle Demenzabteilung geben. Ausserdem sollen Kurzzeitaufenthalte sowie Tages- und Nachtbetreuung angeboten werden, um pflegende Angehörige zu entlasten.

Insgesamt investiert die Wirna Vita AG rund 18,5 Millionen Franken in den Neu- und Umbau. Diese werden voraussichtlich im Juli 2016 abgeschlossen sein. Auf dem Gelände an der Endingerstrasse, wo nun gebaut wird, standen bis vor kurzem noch alte Wohnhäuser. «Zu unserem Glück standen sie nicht unter Denkmalschutz», sagt Roland Wormser. Man habe alte Pläne konsultiert und entdeckt, «dass die Häuser erst Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurden».