Döttingen
«Die Aargauer haben bis zum Schluss um den Königstitel mitgekämpft»

Markus Birchmeier, selbst Eidgenosse und Präsident des Aargauer Kantonalverbandes, hat das Eidgenössische Schwingfest in Estavayer live mitverfolgt. Im Gespräch spricht er über die Bilanz seines Verbands, Nachwuchshoffnungen und wer ihn – nebst dem neuen Schwingerkönig Matthias Glarner – beeindruckt hat.

Martin Rupf
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Markus Birchmeier (l.) posiert mit dem frischgekürten Schwingerkönig Matthias Glarner und Urs Hofstetter von Radio Argovia. zvg

Markus Birchmeier (l.) posiert mit dem frischgekürten Schwingerkönig Matthias Glarner und Urs Hofstetter von Radio Argovia. zvg

Er hat 1998 in Bern und 2001 in Nyon je einen eidgenössischen Kranz gewonnen: Die Rede ist von Markus Birchmeier aus Döttingen. Der 42-Jährige besuchte dieses Wochenende – auch in seiner Funktion als Präsident des Aargauer Schwingerverbandes – das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Estavayer. Über das Abschneiden seiner Schützlinge zeigt er sich zufrieden, auch wenn mit etwas Glück mehr drin gelegen wäre.

Herr Birchmeier, Ihre Stimme tönt angeschlagen. Obwohl Sie nicht mehr aktiver Schwinger sind, dürfte das Schwingfest auch für Sie ziemlich anstrengend gewesen sein.

Markus Birchmeier: (lacht) Ja, das ist so. Wir sind am Freitagmorgen nach Estavayer gereist; am Montagmittag war ich wieder zu Hause. Ich bin so heiser, weil ich so viel mitgefiebert und mitgeschrien habe.

Persönlich: Markus Birchmeier

Markus Birchmeier ist zweifacher eidgenössischer Kranzschwinger und sechsfacher Kranzfestsieger. Der Döttinger gewann in seiner Karriere insgesamt 61 Kränze. 2006 trat das Mitglied des Schwingklubs Zurzach vom aktiven Schwingsport zurück. Seit 2013 ist er Präsident des Aargauer Schwingerverbands und somit auch im Vorstand des Nordwestschweizer Schwingverbandes. Der 42-Jährige ist Geschäftsführer der Birchmeier Bau AG mit 350 Mitarbeitern und dreifacher Familienvater. (az)

Wenig Schlaf und viel Alkohol dürften aber auch eine Rolle gespielt haben?

Natürlich haben wir uns an diesem riesigen Volksfest auch das eine oder andere Bier gegönnt. Doch es war derart heiss, dass man unbedingt darauf achten musste, nicht nur alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Und auch wenn ich nicht weiss, wann genau ich mich spät nachts jeweils schlafen legte, so sassen wir um halb acht am Morgen bereits wieder im Stadion.

Apropos Volksfest: Es gibt auch Stimmen, die die Kommerzialisierung des Schwingfestes kritisieren.

Also erstens muss man ganz klar festhalten, dass das ganze Fest absolut friedlich verlief; und das bei rund einer Viertelmillion Besucher! Zweitens begrüsse ich es, wenn sich derart viele Menschen für den Schwingsport interessieren. Denn nur so kann sich unser Sport weiterentwickeln.

Wenn wir von Sport und Weiterentwicklung sprechen: Vor drei Jahren in Burgdorf holten die Nordwestschweizer drei Kränze, dieses Jahr waren es deren fünf. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Man muss klar sehen, dass wir mit drei Kränzen vor drei Jahren unter unseren Erwartungen blieben. Für dieses Jahr haben wir uns fünf Kränze zum Ziel gesetzt, insofern sind wir zufrieden. Mit etwas mehr Glück wären aber auch zwei, drei Kränze mehr dringelegen.

Markus Birchmeier gewann in seiner Karriere insgesamt sechs Kranzfeste. 2003 liess er sich als Sieger des kantonalen Schwingfests Basel-Land in Sissach feiern.

Markus Birchmeier gewann in seiner Karriere insgesamt sechs Kranzfeste. 2003 liess er sich als Sieger des kantonalen Schwingfests Basel-Land in Sissach feiern.

Keystone

Vier Nordwestschweizer, darunter Christoph Bieri aus Untersiggenthal oder der erst 16-jährige Freiämter Lukas Döbeli, verpassten einen Kranz nur um mickrige 0,25 Punkte. Das ist bitter.

Wir waren mit einer sehr jungen Mannschaft am Start und die Aargauer haben bis zuletzt an der Spitze beziehungsweise mit Nick Alpiger und David Schmid sogar um den Königstitel mitgekämpft. Das macht mir Hoffnung, dass wir in drei Jahren in Zug nochmals zulegen können. Als Präsident des Aargauer Schwingerverbands freue ich mich vor allem darüber, dass wir vier der fünf Nordwestschweizer Kränze gewonnen habe. Ich kann mich nicht erinnern, dass es das schon mal gab.

Dürfen wir gar von einem Aargauer König träumen?

Träumen darf man. Es müsste aber sicher alles zusammenpassen, dass ein Aargauer zum König wird, weil wir nicht eine solch breite Mannschaft haben, wie etwa die Berner. Aber mit Lukas Döbeli und dem leider verletzen Michael Bächli aus Würenlingen verfügen wir über zwei hochkarätige Talente. Döbeli hat sich bereits beim Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag durchgesetzt. Wieso sollte das nicht auch bei den «Grossen» möglich sein?

Matthias Glarner heisst der neue König. Hatten Sie ihn auch auf der Rechnung? Mit bereits 30 Jahren war er ja nicht mehr gerade der Jüngste.

Er gehörte sicher zum erweiterten Favoritenkreis, hat er doch in den letzen Jahren schon einige Feste für sich entschieden. Doch weil die Berner mit Matthias Sempach, Christian Stucki und Kilian Wenger über sehr bekannte Namen verfügen, haben die Medien den Glarner Matthias fast ein bisschen vergessen.

Ist er ein würdiger König?

Absolut. Matthias hat alles in seinem Leben dem Schwingen untergeordnet. Er hat – vor allem auch im Schlussgang gegen Armon Orlik – sehr taktisch geschwungen. Man kann sagen, die Routine hat sich gegen die Jugend durchgesetzt.

Der frischgekürte Schwingerkönig 2016 heisst Matthias Glarner.
41 Bilder
Armon Orlik besiegt David Schmid
Matthias Glarner triumphiert.
Matthias Sempach
Der Festakt im Überblick
Die Alphornbläser
Fahnenschwinger beim Festakt am Sonntag
Christian Stucki ist aus dem Königs-Rennen ausgeschieden.
Ein kleiner Senn mit grossen Tieren.
Mario Thürig trägt Matthias Sempach
Es war der Kampf des Tages: Sempach (helles Hemd) gegen Orlik, Berner gegen Bündner. Sempach gewann, doch für Orlik ist alles offen.
Es war der Kampf des Tages: Sempach (helles Hemd) gegen Orlik, Berner gegen Bündner. Sempach gewann, doch für Orlik ist alles offen.
Siegermuni "Mazot de Cremo" wird auf einem Rundgang präsentiert
Die Zuschauer unter dem schattenspendenden Schirm
Andere Besucher nutzen die Mittagspause für ein kurzes Schläfchen
Christian Stucki erfrischt sich am Brunnen vor dem zweiten Gang.
Nicht nur die Schwinger brauchen Abkühlung
Sie sorgen dafür, dass der Sägemehlring perfekt ist.
Die Spydercam liefert spektakuläre Bilder von oben.
Heiss ist es im Schwingstadion: Ein Vorteil für die Jungen?
Orlik Armon nach seinem Sieg im ersten Gang

Der frischgekürte Schwingerkönig 2016 heisst Matthias Glarner.

Keystone

Alles blickt jetzt auf Matthias Glarner. Welche anderen Schwinger sind Ihnen positiv aufgefallen?

Neben unseren drei jungen Neu-Eidgenossen hat mich einmal mehr Remo Käser, Sohn des Schwingerkönigs Adrian Käser, beeindruckt. Wahnsinn, über welches Repertoire er verfügt. Manchmal hatte man das Gefühl, er erfindet während eines Kampfes einen Wurf. Besonders imponiert hat mir auch Damian Gehrig, der mit nur 78 Kilogramm Gewicht und einer Grösse von um die 1,80 Meter einen Kranz gewonnen hat. Das zeigt: Man muss nicht 130 Kilogramm schwer und 1,98 Meter gross sein, um im Schwingen erfolgreich zu sein. Mit guter Technik und einer grossen Portion Kampfgeist kann man es weit bringen.

Sie haben drei Söhne im Alter von sechs, drei und einem halben Jahr. Wird es dereinst wieder einen Birchmeier geben, der schwingt und für den Aargau Kränze gewinnt?

Natürlich wünsche ich mir, dass sie eines Tages in den Schwingsport eingreifen werden. Mein Ältester geht bereits ins Judo und ins Schwingtraining, wo er sich hoffentlich eine gute Technik aneignet. Das Eidgenössische Schwingfest haben die Söhne nonstop zu Hause vor dem Fernseher verfolgt und dazwischen Liegestützen gepumpt (lacht).