Bad Zurzach
Der Zurzibieter Tierpark hat endlich eine Pflegerin

Eveline Bühlmann hat ihre Stelle auf der Anlage in Bad Zurzach Angang Jahr angetreten – zur Erleichterung von Präsident Pius Müller. Von der Bildfläche verschwinden wird und will er gleichwohl nicht.

Alexander Wagner
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Stabübergabe: Pius Müller tritt in den Hintergrund. Eveline Bühlmann ist neu für das Wohl der Tiere verantwortlich.

Stabübergabe: Pius Müller tritt in den Hintergrund. Eveline Bühlmann ist neu für das Wohl der Tiere verantwortlich.

Alexander Wagner

Pius Müller ist fleissig am Schnee schaufeln in diesen Tagen, doch anders als in anderen Jahren, tut dies nicht mehr alleine. Eveline Bühlmann packt kräftig mit an und befördert die Schneehaufen aus den Fusswegen. Sie ist seit anfangs Jahr die neue und langersehnte Tierpflegerin.

An der letzten Gemeindeversammlung, als es darum ging, dass die Gemeinde Bad Zurzach jährlich 50'000 Franken an die Lohnkosten für eine professionelle Tierpflegerin beisteuern soll, hatte der umtriebige Präsident bereits alles aufgegleist: Das Inserat in einer Fachzeitschrift war geschaltet. Es hatten sich damals ein Dutzend interessierte Personen aus der ganzen Deutschweiz bei ihm gemeldet.

Darunter aber nur drei gelernte Tierpfleger. «Andere hatten einfach Freude an den Tieren oder schon in einem Tierheim gearbeitet», erklärt Müller. Die drei ausgebildeten Tierpfleger wurden eingeladen. Eveline Bühlmann ging einen Tag zum Probearbeiten. «Es hat eifach gstume», meinte Müller lapidar aber sichtlich erfreut. «Sie hat ein grosses Fachwissen. Es kamen auch klare Antworten auf die Fragen. Das war bei den anderen Bewerbern nicht so», ergänzt die treibende Kraft hinter dem Tierpark. Genau gleich war das Empfingen bei der Auserwählten: «Es stimmte und ich wurde herzlich empfangen.»

Den Tierpark kannte sie bereits

Anfang Jahr hat die Luzernerin, die in der Region Rothenburg aufgewachsen ist, nun ihre neue Aufgabe begonnen. Bühlmann wohnt mit ihrem Partner und dem siebenjährigen Sohn in Rekingen und kannte deshalb den Tierpark bereits.

Momentan leben rund 170 Tiere aus 13 verschiedenen Arten im Park oberhalb von Bad Zurzach. Für Bühlmann geht es zunächst einmal darum, die Bestandesaufnahme zu machen, ob alle Tiere noch da und gesund sind. Oder ob eher ungebetener tierischer Besuch wie Füchse oder Marder über die Nacht gekommen sind.

Nach dem Kontrollrundgang werden die Tiere versorgt und bei Bedarf die Stallungen gereinigt. Jedoch immer zuerst in den Aussenanlagen, damit die ersten Besucher am frühen Morgen bei der Fütterung der Tiere bereits alles in tadellosem Zustand geniessen können. Im momentan tiefen Winter ist dies etwas später als an einem strahlenden Sommermorgen.

Mit gutem Gewissen etwas kürzer treten

Und genau deshalb ist Pius Müller so erleichtert, dass die langersehnte professionelle Unterstützung endlich da ist. «Wir brauchen die Leute am Morgen. Und zwar jeden Morgen und nicht erst nach dem Feierabend», erklärt der 72-jährige Präsident. Und er freut sich überdies, einen Teil der Verantwortung und auch Belastung ab- oder vielleicht besser weitergeben zu können. Müller verbringt seit Jahren täglich mehrere Stunden auf der Anlage. «Ich gebe gerne ab», betont er mit einem Lächeln.

Von der Bildfläche verschwinden wird und will er gleichwohl nicht: «Ich bin ja jetzt nicht einfach weg. Ich komme nach wie vor jeden Tag», betont er, der den Tierpark mitaufgebaut und erneuert hat. Um gleich zu ergänzen. «Ich bin immer noch mit Herzblut dabei, aber ich möchte und kann jetzt kürzer treten. Und dies mit gutem Gewissen, weil alles geregelt ist und die Tiere versorgt sind.»

Bei Bedarf immer zur Stelle

Genauso wie Müller, der Präsident des Vereins bleiben wird, ist auch Eveline Bühlmann fast immer da. Sie hat ein 80-Prozent-Pensum. Am Sonntag hat sie frei und meistens auch am Samstag, mindestens einmal pro Monat ist sie aber auch am Samstag im Tierpark. «Damit ich auch meine Mutterpflichten gut und auch sehr gerne erfüllen kann», erklärt sie, die zuletzt in einer Tierpension in Gontenschwil gearbeitet hat.

Aber wie der Präsident ist auch sie bei Bedarf immer zur Stelle: «Wenn etwas ist, springe ich selbstverständlich ein. Mit dem Auto bin ich von Rekingen aus in ein paar Minuten hier», versichert sie.

Teamwork mit klarer Aufgabenteilung

Obwohl Bühlmann bereits grosse Erfahrung sowohl als Tierpflegerin als auch als Hundehalterin hat und dazu eine noch grössere Liebe zu allen Vierbeinern und dem gesamten Federvieh, muss sie nochmals dazu lernen: «Ich kriege hier einen neuen Einblick in die Arbeit mit heimischen Wildtieren», erklärt sie. Das ist für sie eher Neuland. «Aber ich habe einen Supermentor», meint sie mit einem Blick Richtung Müller.

Sie scheint jedenfalls angekommen zu sein und fühlt sich im neuen Umfeld wohl: «Ich fühle mich geehrt von Pius lernen zu können und werde ihn tatkräftig unterstützen». Dass dies keine leeren Worte sind, stellt sie beim Treffen gleich unter Beweis: Zuerst wollte Pius Müller weiter Schnee wegschaufeln. Eveline Bühlmann übernahm umgehend das Kommando, damit der Präsident mit seinen Hunden eine Runde im Schnee drehen konnte.