Bad Zurzach
Der Weg ist frei für die Biodieselanlage

Im Februar 2012 läuft die von der Gemeinde Bad Zurzach an die Green Bio Fuel Switzerland AG erteilte Baubewilligung für den Bau einer Biodieselproduktionsanlage aus.Mit dem Bau der Produktionsanlage soll im Spätsommer begonnen werden.

Angelo Zambelli
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Visualisierung: GBF Green Bio Fuel AG

Im Februar 2012 läuft die von der Gemeinde Bad Zurzach an die Green Bio Fuel Switzerland AG erteilte Baubewilligung für den Bau einer Biodieselproduktionsanlage auf dem Solvay-Areal zwischen Bad Zurzach und Rekingen aus. Im Februar 2008 noch sprach die Gesuchstellerin von einem Baubeginn Mitte des Jahres – also im Sommer 2008. Der erste Tropfen Biodiesel hätte Mitte 2009 aus der Anlage fliessen sollen. Nun ist der Baubeginn auf Spätsommer 2011 geplant. Die Bauzeit wird mit eineinhalb Jahren angegeben. Die Grossanlage im südwestlichen Teil des Solvay-Industrieparks soll 80 Millionen Franken kosten und in der Lage sein, pro Jahr 135 Millionen Liter Biodiesel zu produzieren. Damit kann der gesamte Bedarf der Schweiz an Bio-Treibstoff abgedeckt werden.

Widerstand von Parlamentariern

Verschiedene Faktoren hätten zu diesen Verzögerungen geführt, sagt Ulrich Frei, Pressesprecher der Green Bio Fuel Switzerland AG mit Sitz in Bad Zurzach. Widerstand erwuchs dem Projekt vor allem durch eine parlamentarische Initiative des Ende Mai 2010 zurück getretenen Basler Nationalrats Rudolf Rechsteiner. Die Initiative verlangte den Erlass eines fünfjährigen Moratoriums für die Einfuhr von Agrotreibstoffen respektive von Rohstoffen zu deren Herstellung. Auf der Liste figurierte neben Raps und Soja auch die afrikanische Jatropha-Pflanze, deren Öl die Grundlage für den Bio-Treibstoff bildet. Die Argumente des Initianten: Der Anbau von Energiepflanzen konkurrenziere die Nahrungsmittelproduktion durch die Nutzung von Land und Wasser.

Inzwischen haben die Kommissionen für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek) des Nationalrats und des Ständerats die Forderung nach einem Moratorium verworfen.

Noch nicht entschieden ist die Frage der Befreiung des Biodiesel-Treibstoffs von der Mineralölsteuer. «Für die Green Bio Fuel AG ist das eine wichtige Frage, aber nicht die entscheidende», sagt Pressesprecher Ulrich Frei. Ein weiteres Problem auf dem Weg zur Realisierung des Grossprojekts konnte mit der Direktbeschaffung der Jatropha-Pflanze gelöst werden. Mit der Direktbeschaffung ist die Rückverfolgbarkeit der Pflanzenlieferungen sichergestellt.

Pressesprecher Ulrich Frei rechnet fest mit dem Baubeginn im Spätsommer, doch die wiederholten Verzögerungen haben ihn vorsichtig werden lassen: «Sollte irgendetwas Unvorhergesehenes geschehen, das den Baubeginn während der Vegetationsperiode verunmöglicht, hat die Green Bio Fuel Switzerland AG ein Problem.»

Einen grossen Schritt vorwärts gekommen ist die Green Bio Fuel AG bei der Suche nach Investoren. Frei: «Ein grosser Teil der Finanzierung ist gesichert.»

Langes Bewilligungsverfahren

Eingereicht wurde das Baugesuch für die Biodiesel-Anlage Anfang Februar 2008. Im Laufe der Umweltverträglichkeitsprüfung seien diverse Verbesserungen in die Planung eingeflossen, schreibt die Green Bio Fuel Switzerland AG auf ihrer Homepage. So habe die Biodieselanlage eine eigene Kläranlage erhalten, in der die Schleimstoffe analog einer Biogasanlage vergoren würden. Das Biogas werde vor Ort energetisch genutzt; die Anlage werde über einen geschlossenen Wasserkreislauf verfügen und eingehaust. «Damit werden die gesetzlichen Lärmgrenzwerte nicht nur erreicht, sondern unterboten», schreibt die Firma «für den Aufbau und den Betrieb einer Produktionsanlage für alternative Energien aller Art».

Die Green Bio Fuel AG weist ausserdem darauf hin, dass zur Umweltverträglichkeitsprüfung ein fischereibiologisches Gutachten gehöre, das die Maximaltemperatur des in den Rhein einzuleitenden Wassers festlege. Während eines Probebetriebes würden die Behörden prüfen, ob die Grenzwerte bezüglich Lärm, Abwasserreinigung, Abgase und Temperatur des Kühlwassers eingehalten werden.