Bad Zurzach
Der Thermalbad-Turm wird doch nicht abgebrochen

Das Projekt für den fast 80 Meter hohen Neubau beim Thermalbad in Bad Zurzach wird nicht realisiert – wegen Heimatschutz und Denkmalpflege.

Stefanie Garcia Lainez
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Gebaut wurde der Turm ursprünglich als Wasserreservoir. Nun steht fest: Das fast 60-jährige Wahrzeichen von Bad Zurzach wird nicht abgerissen.

Gebaut wurde der Turm ursprünglich als Wasserreservoir. Nun steht fest: Das fast 60-jährige Wahrzeichen von Bad Zurzach wird nicht abgerissen.

AZ-Archiv/ Dennis Savini

Das Turmhotel in Bad Zurzach werde abgerissen, der Flecken erhalte ein neues Wahrzeichen: Dies liess die Stiftung «Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden» im Februar 2015 verlauten. Mit Investitionen von 25 bis 35 Millionen Franken rechnete man damals für einen neuen, maximal 79 Meter hohen Turm. Der eidgenössische Natur- und Heimatschutz sowie die eidgenössische Denkmalpflege machen den Plänen nun aber einen Strich durch die Rechnung. In einem Gutachten kommen die beiden Kommissionen zum Schluss, dass ein Turm grundsätzlich nicht ins Ortsbild von Bad Zurzach passt.

Nur: Seit fast 60 Jahren steht ein 62 Meter hoher Turm beim Thermalbad. Ursprünglich wurde er als Wasserreservoir gebaut, um für einen ausreichenden und gleichmässigen Druck im angeschlossenen Wassernetz zu sorgen. 1964 wurden das Reservoir mit einem Fassungsvermögen von 100 Kubikmetern und das Hotel mit Panoramarestaurant in Betrieb genommen. Über die Ästhetik des Gebäudes sind sich viele uneinig.

Beat Edelmann, Präsident Stiftungsrat Stiftung «Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden»

Beat Edelmann, Präsident Stiftungsrat Stiftung «Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden»

Alex Spichale

Doch ob Bausünde oder nicht – der Turm hat sich unterdessen zu einem Wahrzeichen des Fleckens entwickelt. Dass die beiden Kommissionen dennoch der Ansicht sind, ein Turm passe nicht ins Ortsbild, wie die «Botschaft» berichtete, leuchte deshalb nicht ein, sagt Stiftungsratspräsident Beat Edelmann. «Wir haben das Fazit aber zur Kenntnis genommen, ein neuer Turm ist damit vom Tisch.» Zwar handelt es sich beim Gutachten nur um eine Empfehlung, doch vor Gericht hätte das Neubauprojekt einen schweren Stand.

Neuer Turm wäre zu nah am geschützten Ortsbild

Auch die Gemeinde zeigt sich etwas irritiert über das Fazit des Gutachtens. «Insbesondere, da der eidgenössische Heimatschutz einen Abbruch des Turms akzeptiert hätte, während der Aargauer Heimatschutz sich für die Erhaltung des Baus einsetzt», sagt Ammann Bernhard Scheuber. Er zeigt aber Verständnis für die Argumentation, dass der neue Turm grösser, voluminöser und näher am geschützten Ortsbild des Fleckens gewesen wäre. Mit dem Stopp des Neubauprojekts wird auch die damit zusammenhängende, angestrebte Teilzonenplanänderung in der Kurzone auf Eis gelegt. «Die Ideen daraus werden aber in die Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung einfliessen.»

Noch fehlt die zündende Idee für eine Umnutzung.

(Quelle: Beat Edelmann.)

Was mit dem bestehenden Turm passiert, ist noch unklar. 2016 wurden die Hotelzimmer des ehemaligen «Turmhotel» in Büroräume der Stiftung umfunktioniert. Mit der Schliessung des Hotels Tenedo, das sich neben dem Turm befand, wurde aus dem Panoramarestaurant im 16. Stock ein Eventlokal. Das Restaurant diente den Hotelgästen als Frühstücksraum und war abends auch für die Öffentlichkeit geöffnet. Die Stiftung beschäftigt sich nun damit, wie der Turm rentabel und sinnvoll umgenutzt werden kann. «Das ist eine grosse Herausforderung», sagt Beat Edelmann.

Ein Abriss kommt nicht in Frage

Denn eines der Hauptprobleme des Wahrzeichens ist der kleine Grundriss von zehn auf zehn Metern, wovon Lift und Treppe einen Teil beanspruchen. Auch liegen die drei Stockwerke brach, in denen sich das Reservoir befand und die deshalb keine Fenster haben. Auch hat der Turm bauliche Mängel, unter anderem was die Isolation betrifft. Verschiedene Möglichkeiten stünden aber bereits im Raum, beispielsweise für eine Umnutzung als Geschäftsliegenschaft oder eine komplette Aushöhlung.

Sicher sei, dass die Aussichtsplattform und Gastronomie in einer Form erhalten blieben. «Das neue Eventlokal wird bereits rege gemietet», sagt Beat Edelmann. «Noch fehlt uns aber die zündende Idee für den gesamten Turm.» Glücklicherweise bestehe kein Zeitdruck. «Der Turm wurde damals sehr stabil gebaut.» Wunschszenario sei, in drei bis fünf Jahren ein Projekt präsentieren zu können.

Was aber bereits jetzt feststeht: Ein Abriss kommt für die Stiftung nicht in Frage. «Der Turm ist ein Identifikationsmerkmal und aus Bad Zurzach nicht mehr wegzudenken», sagt Beat Edelmann, der im Flecken aufwuchs. So erkenne man Bad Zurzach dank des Turms beispielsweise aus dem Flugzeug schon von Weitem. Der Stiftungspräsident und seine beiden Brüder, Stiftungsratsmitglied Andreas Edelmann und Geschäftsleitungsmitglied Georg Edelmann, haben auch einen persönlichen Bezug zum Turm: Ihr Vater, Walter Edelmann, war als Verwaltungsrat der Thermalquelle AG Zurzach und Stiftungsratspräsident der damaligen Gemeinnützigen Stiftung für Zurzacher Kuranlagen massgeblich am Bau des Turms beteiligt. «Wir feierten alle unsere grossen Familienfeste im Turm», so Beat Edelmann.

Der Turm war früher Hotel und Reservoir

Gebaut wurde das 62 Meter hohe Turmhotel Bad Zurzach 1964. Architekt war Fedor Altherr (1896–1980). Es wird gemunkelt, der Turm sei eine Kopie des 1953 erstellten Schindler-Testturms in Ebikon. Nichtsdestotrotz galt der Turm im Flecken aufgrund seiner Höhe damals als Pionierleistung. Auch dass der Architekt das Restaurant im obersten Geschoss platzierte, galt zu dieser Zeit als aussergewöhnlich. Der Turm hatte zudem eine zweite, für die Kurbetriebe sehr wichtige Funktion: Auf drei Stockwerken unterhalb des Turmrestaurants war ein Wasserreservoir mit einem Fassungsvermögen von 100 Kubikmetern eingebaut.

Dank der Höhe von 35 Metern über Grund konnte das hochgepumpte Wasser mit einem Druck von 3,5 atü an die drei Abnehmer Thermalbad, den Mineralwasserhersteller Mineralquelle AG und die Rehaklinik verteilt werden. Ursprünglich war ein Sammelbecken am Rebberghang geplant gewesen.

Schliesslich entschied sich die gemeinnützige Stiftung für Zurzacher Kuranlagen, die heutige Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, für den Bau des Turmhotels, um den zur Verteilung des Wassers nötigen Wasserdruck sicherzustellen. Seit rund 15 Jahren ist dieses System nicht mehr in Betrieb. Es wurde ersetzt durch ein modernes Pumpsystem, das von einem Reservoir am Fusse des Turmhotels gespeist wird. Das «Turmhotel» stellte 2016 den Betrieb ein, das Panoramarestaurant im obersten Stockwerk ist seit einem Jahr geschlossen und dient nun als Eventlokal.

Zurück zum Architekten: Fedor Altherr hat in Bad Zurzach nicht nur das Turmhotel gebaut: 1938 gewann er den ersten Preis im Projektwettbewerb für das Bezirksschulhaus Zurzach. Weitere Projekte waren der Neubau der damaligen Konsumgenossenschaft, das sogenannte Kaufhaus, der Umbau des Hotels Ochsen sowie der Erweiterungsbau des Hotels Rad. Im historischen Dorfkern sanierte er Altbauten und trug wesentlich zum Erhalt des mittelalterlichen Ortsbildes bei. (az)