Unüberbrückbare Differenzen
Der nächste Knall in Würenlingen: Die gesamte Schulpflege tritt per sofort zurück

Alle Mitglieder legen ihr Amt wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Würenlinger Gemeinderat sofort nieder.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Eindruck von der Schulanlage Dorf in Würenlingen täuscht - in der Schule brodelt es

Der Eindruck von der Schulanlage Dorf in Würenlingen täuscht - in der Schule brodelt es

Alex Spichale

Es ist der zweite Knall innerhalb von sechs Monaten: Die gesamte Schulpflege der Schule in Würenlingen tritt überraschend per sofort zurück. Das hat das Gremium am Freitag in einem Schreiben den Mitarbeitenden der Schule, Eltern und «weiteren Anspruchsgruppen» mitgeteilt. Als Grund wurden «unüberbrückbare Differenzen zwischen dem Gemeinderat und der Schulpflege Würenlingen» genannt. Auch der langjährige Gemeindeammann André Zoppi (FDP) war im vergangenen August aufgrund von unüberbrückbaren Differenzen mit dem Gemeinderat überraschend zurückgetreten.

«Die entstandenen inakzeptablen Arbeitsbedingungen für einige Mitarbeitende der Schule Würenlingen lassen sich nicht länger mit unserer Sorgfaltspflicht, unserer Zusammenarbeitskultur und unseren Qualitätsansprüchen vereinbaren», heisst es im Schreiben weiter. Unterzeichnet haben alle fünf Mitglieder des Gremiums. Schulpflegepräsidentin Silvia Ulli-Beer möchte auf Anfrage dieser Zeitung keine weiteren Fragen beantworten und verweist auf das Schreiben. Sie ist seit 2008 Mitglied des Gremiums und seit 2018 deren Präsidentin.

Im Schreiben dankt die Schulpflege allen Mitwirkenden der Schule für ihren unermüdlichen Einsatz für die bestmög­liche Unterstützung der Schüler und Schülerinnen. «Den Eltern danken wir für ihr Vertrauen sowie für die offenen Gespräche und gute Zusammenarbeit. Schliesslich danken wir den Schülern und Schülerinnen für ihr Lachen und ihre lebhafte Neugierde.»

Ammann hoffte auf Klärung der Differenzen

Der Würenlinger Gemeindeammann Patrick Zimmermann (FDP) bedauert diesen Schritt. Er bestätigt, dass es zwischen den beiden Behörden Spannungen und unterschiedliche Auffassungen gegeben habe. «Das vergangene Jahr war für alle wahnsinnig herausfordernd – auch für die Schule», sagt er und verweist auf die Einführung von Homeoffice und Homeschooling, der kantonalen Abstimmung über die Zukunft der Schulpflege und dem Wechsel des Schulleiters.

Zur Erinnerung: Im Herbst beschloss das Aargauer Stimmvolk die Abschaffung der Schulpflege per 1. Januar 2022. Ihre Aufgaben, wie die strategische Führung der Schule oder die Einstellung der Schulleitung werden dann dem Gemeinderat, übertragen. Ausserdem hat Co-Schulleiter Peter Wiedemeier die Schule auf Ende des Schuljahres 2019/2020 verlassen. Er war sieben Jahre lang für die Leitung der Mittel- und Oberstufe verantwortlich. Seine Nachfolge übernahm Thomas Angst.

«Wir haben aufgrund der Differenzen gemeinsam mit der Schulpflege einen Klärungsprozess gestartet», sagt Zimmermann. «Wir gingen eigentlich davon aus, dass wir diese Spannungen in diesem Klärungsprozess lösen können.» Deshalb habe es ihn überrascht, dass die Schulpflege nun als Gesamt­gremium zurücktritt. Etwas un­gewöhnlich erscheine ihm, dass die Schulpflege am Freitag gleich die gesamte Schule und die Eltern über ihr Rücktrittsgesuch per sofort informiert habe – bevor der Kanton dieses Gesuch überhaupt genehmigt habe. Parallelen zum Rücktritt von André Zoppi sieht er indes keine. «Das sind zwei komplett unterschiedliche Situationen.»

Kommende Woche trifft sich der Gemeinderat mit den beiden Co-Schulleitern und der Schulverwaltung. «Dabei werden wir gemeinsam die weite- re Organisation der Schule auf­gleisen», sagt Patrick Zimmermann. «Unser oberstes Ziel ist es, dass der Schulbetrieb möglichst ungestört weitergeführt werden kann.»