Bad Zurzach
Der mutmasslich letzte Strohhalm für den Veloclub Zurzach

Um das Überleben zu sichern, sucht der Verein dringend Leute. Nächste Woche findet ein wegweisender Anlass statt, der über die Zukunft entscheiden dürfte.

Daniel Weissenbrunner
Drucken
Teilen
Wohin geht die Reise? Die Velofahrer des VC Zurzach fahren einer ungewissen Zukunft entgegen.

Wohin geht die Reise? Die Velofahrer des VC Zurzach fahren einer ungewissen Zukunft entgegen.

Zur Verfügung gestellt

Dass die Lage des Veloclub Zurzach ernst ist, wissen die Mitglieder spätestens seit der letzten Generalversammlung im vergangenen Herbst. Damals kündigten Präsident Patrick Oeschger und ein weiteres Vorstandsmitglied ihren Rücktritt an. Da das fünfköpfige Gremium bereits zuvor eine Vakanz hatte, droht dem Verein, gemäss Statuten, nun die Handlungsunfähigkeit. Um das zu verhindern, sucht man fieberhaft nach Lösungen. Die erhoffte Resonanz auf seinen letzten Aufruf ist allerdings ausgeblieben. Mit einer Infoveranstaltung am kommenden Montag im Restaurant Zurzacherhof wirft Oeschger nun quasi den letzten Rettungsanker aus. Er hat Velo affine Personen aus der Region eingeladen, in der Hoffnung, dass sie sich jemand in irgendeiner Form im Verein engagieren wird. «Mit Vorteil im Vorstand», sagt der Inhaber einer Gartengestaltungsfirma aus Klingnau. Es gebe nichts zu beschönigen. «Die personellen Probleme sind gravierend», spricht Oeschger Klartext. Die Existenz stehe auf dem Spiel.

Die Mitgliederzahlen gehen seit Jahren zurück. Dadurch müssen die Aufgaben auf immer weniger Schultern verteilt werden. Irgendwann gehe die Rechnung nicht mehr auf, sagt Patrick Oeschger. Momentan zählt der Verein noch rund 20 Mitglieder, die sich aktiv beteiligen, in den Spitzenzeiten waren es weit über hundert.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr

Der VC Zurzach blickt auf eine lange und Mitte des letzten Jahrhundert auf eine ruhmreiche Geschichte zurück: Nach dem Zweiten Weltkrieg löste Lokalmatador Ernst Stettler mit seinen Erfolgen an der Tour de Suisse und an den Weltmeisterschaften im Bezirkshauptort einen wahren Veloboom aus. Und an den Radrennen im Ort nahmen auch die damaligen Helden Ferdi Kübler und Hugo Koblet teil. 1994 organisierte der Veloclub nochmals die Schweizermeisterschaften im Einzelzeitfahren.

Notfalls könnte man die Aktivitäten einfrieren und die Führung vorübergehend sistieren.

(Quelle: Patrick Oeschger, Präsident VC Zurzach)

Vom einstigen Glanz ist nicht mehr viel übrig. Dieses Jahr wird der Verein 110 Jahre alt. Eigentlich Anlass genug, um das Jubiläum mit einem Fest zu würdigen. Doch nach feiern ist Patrick Oeschger in der gegenwärtigen Situation nicht zumute. Die Ausgangslage ist klar: Sollte sich niemand für ein Amt im Vorstand bereit erklären, bleibt dem Präsidenten mutmasslich nichts anderes übrig, um an der nächsten Generalversammlung das Ende des Vereins bekannt zu geben. Oeschger hält sich allerdings ein Hintertürchen offen. «Notfalls könnte man die Aktivitäten einfrieren und die Führung vorübergehend sistieren.» Etwas, dass der VC Zurzach bereits einmal erlebt hat, um einige Zeit später den Betrieb wieder aufzunehmen.

Trotz der trüben Aussichten hat Patrick Oeschger die Hoffnung für eine Rettung nicht aufgegeben. «Wir werden alles unternehmen, damit der VC Zurzach weiter besteht.» Er selber würde auch Hand bieten. Sollte sich jemand bereit erklären, im Klub einzusteigen, würde er von seinem Rücktritt auf nächsten Herbst absehen und als Übergangslösung ein Jahr anhängen. Bevor er diesen Gedanken weiter vertieft, will er aber an der Infoveranstaltung (ab 19 Uhr) nochmals kräftig die Werbetrommel rühren.