Klingnau/Würenlingen
Der «Kloster Sion» wird trotz Hagel gut

Das heftige Unwetter von Ende Juli hat Folgen. Ein Teil der Beeren fiel ab, der andere Teil weist heute einen gut sichtbaren Wachstumsrückstand auf.. Ein paar schöne Herbsttage könnten noch vieles gut mahen.

Angelo Zambelli
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Am 29. Juli ging ein heftiger Hagel über dem Klingnauer Steilhang «Kloster Sion» nieder. Bei einem ersten Augenschein musste Andreas Meier, Besitzer des Weinguts zum Sternen in Würenlingen und Produzent des mehrfach ausgezeichneten «Kloster Sion», feststellen, dass ein Teil der Beeren geplatzt und bereits bräunlich verfärbt war.

«Gottlob folgten dem Hagelschlag ein paar schöne Tage», sagt Meier. «Weil die Beeren noch keinen Zucker entwickelt hatten, konnte auch kein Essig entstehen. Ein Teil der angeschlagenen Beeren trocknete aus und fiel zu Boden. Der andere Teil blieb hängen und weist heute einen gut sichtbaren Wachstumsrückstand auf.»

Diese unreifen, viele Gerbstoffe enthaltenden Beeren müssen bei der Leset mühsam entfernt werden. Weitere Folgen des (nicht versicherten) Hagelschlags waren ein Wachstumsstopp über 14 Tage, verletzte Ruten an den Rebstöcken sowie ein Ertragsverlust von rund 50 Prozent im Steilhang «Kloster Sion». Wie geht ein Winzer mit einem derart massiven Verlust um? Andreas Meier: «Ich ertrage es mit philosophischem Gleichmut. Natürlich tut es weh, wenn es einen trifft, aber in Tristesse versinken wir deshalb nicht.»

Wümmet muss verschoben werden

Hagelschlag bedeutet für die Winzer nicht nur eine materielle Einbusse, sondern auch eine Menge Zusatzarbeit. Weil sich der Reifeprozess der Trauben verzögerte, muss der Wümmet sowohl der weissen als auch der blauen Trauben um zwei bis drei Wochen hinausgezögert werden. Unglücklicherweise ziehen gegen Ende Oktober grosse Starenschwärme Richtung Süden und bedienen sich sehr gerne am gedeckten Tisch in den Rebbergen. Schützen kann sich der Winzer nur, indem er Netze über die Reben zieht. Ein aufwändiger Prozess nach einem Hagelschlag ist auch das Lesen der reifen Trauben. Die zu wenig ausgereiften oder faulen Beeren müssen in mühsamer Handarbeit aussortiert werden. Jammern mag der Önologe deswegen nicht: «Den letzten grossen Hagel vor demjenigen im Juli hatten wir 1984.»

Geheimnissen auf der Spur

Die Traubenmenge hat sich durch den Hagelschlag um die Hälfte reduziert, doch die Qualität des Weins wird unter dem Ereignis nicht leiden. Dafür sorgt nebst der sorgfältigen Arbeit im Keller ein mit allerlei Geräten bestücktes Labor im Obergeschoss der Würenlinger Trotte, wo Andreas Meier und Hobbywinzer und Geochemiker Luc van Loon aus Böttstein die Trauben aus den Weinbergen in Klingnau, Döttingen und Würenlingen ganz genau analysieren. Anhand des ph-Wertes und der Gesamtsäure können die beiden den Reifeprozess verfolgen und den optimalen Zeitpunkt für die Traubenernte bestimmen. «Die Gesamtsäure respektive das Verhältnis der Weinsäure zur Apfelsäure sagt mehr über die Qualität des Saftes aus als die nackten Öchslegrade. Die Arbeit im Labor hilft uns enorm bei der Suche nach dem richtigen Zeitpunkt bei der Leset und beim Abpressen aus der Maische», erklärt Meier. «Ausserdem haben wir die Möglichkeit, ganz bestimmten Prozessen, die über die Qualität eines Weines entscheiden, auf die Spur zu kommen.»

Nun hofft Andreas Meier wie alle anderen Winzer im Kanton auf ein paar schöne Herbsttage – denn nasswarmes Wetter ist neben Hagel und Winterfrost der grösste Feind des Winzers.