Bad Zurzach
Der Herr der Blumen des Thermalbads Zurzach tritt ab

Giuseppe Marucci geht bald in Pension. Der ehemalige italienische Schuhmacher erzählt, wie aus ihm der Gärtner des Thermalbades Zurzach wurde, und weshalb er schon oft Telefonanrufe von Badegästen erhalten hat.

Béatrice Roth und Claudia Zampoli
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Giuseppe Marucci, Gärtner des Thermalbades Zurzach, hat unter anderem eine Blumen-Ente gemacht.
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Giuseppe Marucci - Herr der Blumen im Thermalbad Zurzach
Giuseppe Marucci

Giuseppe Marucci, Gärtner des Thermalbades Zurzach, hat unter anderem eine Blumen-Ente gemacht.

ZVG

Vor genau 40 Jahren begann Giuseppe Marucci seinen Job als Nacht-Reinigungsfachkraft im Thermalbad Zurzach – heute ist er als Hausgärtner kaum mehr wegzudenken. Doch Marucci bleibt bescheiden: «Ich bin ein ganz normaler Mensch, der gerne arbeitet», sagt der 65-Jährige.

Wenn man ihn fragt, was das Schönste an seinem Job sei, kommt die Antwort postwendend: «Das Blühen der verschiedenen Blumen.» Immer, wenn Giuseppe Marucci einen Ausflug unternimmt, häufig zu Fuss und per Velo, betrachtet er die Blumendekorationen anderer Bäder- oder Park-Anlagen sehr genau.

Anfangs nur am Wochenende

Giuseppe Marucci stammt aus einem kleinen Bergdorf, 100 Kilometer von Neapel entfernt. Gelernt hat er das Schuhmacherhandwerk. 1971 kam er in die Schweiz, quartierte sich bei seiner bereits hier lebenden Tante ein und heuerte bei der Schuhfabrik OCO (Odermatt & Co.) an. Doch das Geld reichte nicht für die Familie – und so begann Marucci, nachts und am Wochenende im Thermalbad Zurzach als Reinigungskraft zu arbeiten. Später stieg er vollzeit ein.

Zwei Jahre darauf suchte das Bad einen Hilfsgärtner. Marucci bewarb sich und erhielt die Stelle, obwohl er kaum etwas über Gärtnerei wusste. Er konnte aber viel von seinem Vorgesetzten lernen und eignete sich das nötige Wissen autodidaktisch durch das Lesen vieler Bücher an. Heute sind fast alle Blumen und Pflanzen, die auf dem Gelände des Thermalbads zu sehen sind, von ihm selbst gezüchtet.

Begonnen hat er mit einfachen Geranien in einem Treibhaus beim Bahnhof. Heute kann man sein Meisterwerk bestaunen: die Blumen-Ente beim Fliessbecken. Seit über 15 Jahren wacht diese nun schon über die Badegäste. «Die Idee habe ich von Bad Krozingen», erklärt Giuseppe Marucci. Dort gebe es einen grossen Blumen-Pfau, «aber für das Thermalbad Zurzach habe ich mir eine Ente gewünscht».

Marucci ist sich bewusst, dass seine Blumen keinen direkten Einfluss auf den Umsatz des Thermalbades haben – doch in einer schönen Umgebung zu baden erfreue die Gäste, sagt er. Diese seien immer sehr freundlich zu ihm gewesen, und Komplimente für seinen Blumenschmuck habe er unzählige erhalten.

Früher, so erzählt Marucci schmunzelnd, sei er sogar oft angerufen worden. «Warum blüht die Pflanze bei mir im Garten nicht, bei Ihnen im Thermalbad aber schon?», wollten die Leute vom ehemaligen Schuhmacher wissen.

Bald viel mehr Zeit zum Baden

Diese Zeiten sind bald vorbei. Ab April wird Marucci sein Pensum reduzieren, aber dennoch täglich bei der Blumenpflege mithelfen. «Ich habe dann mehr Zeit zum Baden», sagt der gebürtige Italiener, der lieber die Entspannung an den Massagedüsen geniesst als in die Sauna zu gehen. «Und vor allem komme ich dann öfter dazu, mir die Blumen anderer Bäder anzuschauen.»

Seine Leidenschaft für Pflanzen kann er auch zu Hause weiter ausleben: Zusammen mit seiner Frau pflegt Marucci als Hauswart die Umgebung.

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