Fleckengeschichten
Der etwas andere Heimatfilm

Fleckengeschichten: Danielle Vorburger drehte einen Film über Ausländer in Bad Zurzach

Ursula Burgherr
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Mediziner Yiming Li mit seiner Frau im heimischen Garten. Danielle Vorburger

Mediziner Yiming Li mit seiner Frau im heimischen Garten. Danielle Vorburger

Bad Zurzach ist ein Vielvölker-Flecken. 37 Prozent aller Einwohnenden sind Ausländer. Die Fernsehredaktorin Danielle Vorburger wohnte einige Tage als «Fleckenschreiberin» im Geschichtenhaus Hirschli und besuchte mit ihrer Kamera Menschen verschiedenster Nationen, die in der Aargauer Gemeinde eine zweite Heimat gefunden haben. Daraus entstand das berührende Werk «Fremd und doch zu Hause in Bad Zurzach – ein Heimatfilm der anderen Art».

Die Filmemacherin, die beim Fernsehsender 3sat arbeitet, zeigt anhand von 6 sehr intimen Porträts, wie Leute aus aller Herren Ländern auf ganz unterschiedliche Art neue Wurzeln schlagen – und ab und zu mit dem Heimweh zu kämpfen haben. Am meisten wohl die Familie Kamalanathan, die wegen der schwierigen politischen Situation ihr Heimatland Sri Lanka verliess. In der Krypta des Verenamünsters und auf dem alten katholischen Friedhof macht sie vorsichtige Anknüpfungsversuche mit der neuen Kultur, in der sie lebt.

Der Geist der heiligen Verena ist im Film allgegenwärtig und hat etwas Verbindendes, das sich über alle Unterschiede und Grenzen hinwegsetzt. Auch Anda aus Kroatien geht ins Verenamünster und betet, wenn sie mit dem Alltag nicht klarkommt. Die Mutter von drei Kindern hat einen Job als Hauswartin in einer Schule und fühlt sich in Bad Zurzach heimisch. Das war nicht immer so. Auf die Frage, was das Eingewöhnen leichter mache, meint sie: «Viel Arbeit, auf die Leute zugehen und offen sein.»

Mit den einheimischen Rechten und Pflichten gut klarzukommen, ist für den italienischstämmigen Giuseppe Fulminis in seiner Wahlheimat Bad Zurzach wichtig. Der technische Hauswart im Gemeindezentrum Langwies bringt sein Lebensgefühl kurz und bündig auf den Punkt: «Mir geht es hier gut, und es fehlt an nichts.»

Mediziner Yiming Li ist bei einer Akupunktur-Sitzung im TMC Ming Dao zu sehen. Der Chinese zeigt sich von der Ruhe des Orts und vom Thermalwasser mit seinen heilenden Kräften so begeistert, dass er sich Bad Zurzach als «neuen Gesundheitsflecken Europas» vorstellen könnte. Helena aus Schweden wird von der Kamera beim Spaziergang auf dem Vita-Parcours begleitet und bekundet, wie offen, hilfsbereit und neugierig die Einheimischen auf sie zugekommen seien. Der Tscheche Václav, welcher einst das Laxdal Theater in Kaiserstuhl mitleitete, öffnete der Filmemacherin sogar die Türen zu seiner privaten Altstadtwohnung. Dort gibt es Kuriositäten und alte Fotos von Berühmtheiten.

Dank sensibler Kameraführung schafft Danielle Vorburger eine grosse Nähe zu den Protagonisten. Gleichzeitig offenbart ihr «Heimatfilm der anderen Art» Schönheiten des Ortes, derer man sich oft gar nicht mehr bewusst ist, wenn man mittendrin lebt. Mit der Perspektive «von aussen» den Blick für das Besondere im täglichen Leben zu schärfen, ist Ziel und Zweck des Kulturprojekts «Fleckengeschichten», das Sybil Schreiber und Steven Schneider ins Leben gerufen haben. Jedes Jahr laden die beiden schweizweit berühmten Kolumnisten eine Persönlichkeit für maximal eine Woche in ihr Altstadthaus Hirschli ein; im Gegenzug muss der Gast eine Geschichte über Bad Zurzach zurücklassen, die dem Publikum gezeigt beziehungsweise vorgelesen wird. Danielle Vorburger ist bereits die 9. «Fleckenschreiberin». Ihr Film und andere «Fleckengeschichten» – unter anderem von Kultur- und Reisemoderatorin Monika Schärer und Radiomoderator Daniel Hitzig – sind auf www.fleckengeschichten.ch zu sehen.

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