Döttingen
Der Betrachter reist nach «Neu-Seh-Land»

H.R. Fitze, Bruno Landis und Guido Nussbaum zeigen in der KulturTankstelle ihre kontrastreichen Bildwelten, in welcher es keine Grenzen zwischen Realität und Fiktion gibt. Unterschiedlichst sind auch die Motivationen der Künstler.

Ursula Burgherr
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Mit den Weltkugeln will Guido Nussbaum die Existenz des Planeten infrage stellen. Ursula Burgherr

Mit den Weltkugeln will Guido Nussbaum die Existenz des Planeten infrage stellen. Ursula Burgherr

Mit der neusten Ausstellung in der KulturTankstelle Döttingen vermag Galerist Ruedi Neff einmal mehr Kunstschaffende mit sehr eigenwilligem Stil zu präsentieren, die von ihrem Ausdruck verschiedener nicht sein könnten. Gerade will der Kunstförderer auf seine gewohnt unkomplizierte und sympathische Art Vernissagerednerin Sabine Arlitt vorstellen, da löst sich eine von Guido Nussbaums gemalten Weltkugeln von der Wand und fällt mit einem lauten Rums! zu Boden.

Der Moment sagt mehr über den Künstler aus, als es die komplexesten Satzkonstrukte einer Kunstkennerin vermögen: Nussbaum stellt mit seinen – durch raffinierte Technik dreidimensional wirkenden – «Weltkugeltondi» die Existenz unseres Planeten infrage. Er wirft die fixe Vorstellung von Kontinenten und Landesgrenzen über den Haufen, indem er den Globus auf provozierende Art neu einteilt.

Und macht damit bewusst, dass die Welt ein Vorstellungsmodell ist, in der die von Menschenhand bestimmten Landstriche relativ werden, wenn die Pole schmelzen und die Meere nicht mehr blau sind. Wie bunte Smarties verteilt er die Länderformen neu und die Schweiz steht auf einer Kugel in monumentaler Grösse plötzlich ganz allein da.

Alltagsszenen

Die Bilder von H.R. Fitze erinnern vom Stil her an Comics und Werbegrafik der 20er- und 30er-Jahre. In einem seiner Werke sitzt ein Mann und liest die Zeitung – hält sie aber verkehrt in der Hand. «Die Nachrichten aus der Journaille helfen ihm auf seinem Lebensweg nicht weiter», erklärt der Künstler. Die Frau daneben ist von hellem Licht erleuchtet, scheint jedoch missmutig. «Sie weiss mehr als der Mann. Aber glücklich macht sie das auch nicht.

Vielleicht sind ihre Schuhe oder Kleider zu eng.» Zwischen Dumpfheit und Hellsichtigkeit pendeln die Figuren auf den teilweise surrealistisch anmutenden Bildern von H.R. Fitze. Im Vordergrund Alltagsszenen, im Hintergrund fein gepinselte Landschaften. Je länger man hinsieht, desto mehr Details entdeckt man. Das Auge des Betrachters wechselt die Perspektive.

Forschungsdrang

«Ich bin irritiert», bringt Bruno Landis den Antrieb für seine Arbeiten auf einen Punkt. Die Suche nach Antworten treibt ihn zu emotionalen, aber auch geradezu wissenschaftlich minuziös konzipierten Arbeiten quer durch verschiedene Stilrichtungen und Techniken. In auf den ersten Blick diffus wirkenden Nebelbildern entdeckt man bei längerem Hinschauen ganze Landschaften. Kleinformatige Schwarz-Weiss-Malereien erinnern an Steinzeitfiguren.

Auf gitternetzartigen Linolschnitten erforscht Landis die schier unendlichen Kombinationsmöglichkeiten der Zahl 4 in verschiedenen Drehpositionen. Fügt von Hand gezogene feinste Aquarelllinien zu einem Kunstwerk zusammen und reizt die Geometrie bis aufs Unendliche aus. Ein Weg, der für ihn noch lange nicht zu Ende ist. «Ich bin frech und ein Hansdampf in allen Gassen», sagt Landis zu seinem Schaffen und lacht.

Die Ausstellung in der KulturTankstelle dauert noch bis zum 17. April. Öffnungszeiten: Fr und Sa 14 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung 079 402 89 59. Weitere Infos: www.kulturtankstelle.ch