Döttingen
Der Bedarf an Pflegebetten steigt massiv – auch im Zurzibiet

«Welche Wohn- und Pflegeangebote brauchen die Betagten 2030?» Diese Frage wurde an einer Veranstaltung der Bezirks-CVP im Altersheim diskutiert.

Angelo Zambelli
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Altersheime werden immer stärker zu Pflegeheimen. (Symbolbild)

Altersheime werden immer stärker zu Pflegeheimen. (Symbolbild)

Die von Thomas Peterhans, Direktor des Zentrums für Pflege und Betreuung «Reusspark» in Niederwil, präsentierten Zahlen lassen aufhorchen: Heute liegt der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen in der Schweiz bei 15 Prozent; 2030 werden es 26 Prozent sein. Eine weitere Zahl, die veranschaulicht, dass dringender Handlungsbedarf bezüglich Wohn- und Pflegeangebote für Betagte besteht: Heute leben rund 100 000 über 75-Jährige in der Schweiz. Bis 2030 wird sich diese Zahl verdoppeln.

Entsprechend verläuft auch die demografische Entwicklung im Bezirk Zurzach: 2010 wurden 1248 Personen gezählt, die 80 Jahre oder älter waren. 2020 wird mit einer Zunahme von 48 Prozent gerechnet, bis 2025 mit einer Zunahme von 83 Prozent. Daraus ergibt sich laut Peterhans eine massiv steigende Nachfrage nach Pflege- und Betreuungsdiensten sowie nach Pflegebetten. Eine logische Konsequenz sind steigende Kosten für die Versicherer, für die Betagten selbst und – vor allem – für die öffentliche Hand.

Angebot ist Sache der Gemeinde

Auch bei den Demenzkranken muss laut Peterhans eine massive Zunahme erwartet werden. «Heute werden rund 35 000 Menschen mit einer Demenzdiagnose in Pflegeheimen und rund 65 000 Menschen zu Hause von Angehörigen betreut und gepflegt. In 15 Jahren werden es doppelt so viele sein.» Die Sicherstellung der Angebote für die Betreuung Betagter und Demenzkranker sei Aufgabe der Gemeinden, sagte Peterhans.

Eine kostspielige Aufgabe, auf die sich die Gemeinden im Kanton Aargau erst langsam einzustellen beginnen. Eine Konsequenz dieser Entwicklung werde es sein, so Peterhans, dass sich Altersheime zunehmend in Pflegeheime verwandeln und diese als eigenständige Wirtschaftsunternehmen geführt werden.

Um das Pflege- und Betreuungsangebot in den Bezirken sicherzustellen, sieht Peterhans die Regionalplanungsverbände – im Bezirk Zurzach der Gemeindeverband Zurzibiet Regio – in der Pflicht. Nur sie seien in der Lage, die Angebote entsprechend dem stark steigenden Bedarf zu sichern und regional zu koordinieren.

Als Massnahmen, der demografischen Entwicklung wirkungsvoll zu begegnen, nannte Peterhans eine ausreichende medizinische Versorgung durch Hausärzte, leistungsfähige und regional organisierte Spitex-Organisationen, Alterswohnungen mit Spitexstützpunkten im Dorf, betreutes Wohnen mit Serviceangeboten sowie regionale Pflegeheime mit 50 Betten und mehr.

Was tut sich im Bezirk?

In diese Richtung zielt der geplante Neubau des regionalen Alters- und Pflegezentrums «Höfli» in Bad Zurzach, mit dem ein Teil der Zurzibieter Unterdeckung an Pflegeplätzen aufgefangen werden soll. Mitte Oktober läuft der Abgabetermin für den Projektwettbewerb ab, im November folgt die Jurierung.

Anfang 2015 geht das Projekt von der Gemeinde Bad Zurzach an die Emil- Burkhardt-Stiftung über. Läuft alles nach Plan, kann mit dem Bau Anfang 2016 begonnen werden. Der Bezug ist Anfang 2018 vorgesehen.

Neuigkeiten gab es an der CVP-Veranstaltung auch bezüglich Ausbau des regionalen Altersheims Döttingen. Laut Bruno Rigo, Ad-interim-Präsident des Gemeindeversbandes, wird eine Wandlung des Verbandes in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft ins Auge gefasst. Weitere Themen sind die Erhebung der Kosten für den Neubau sowie die Präsentation der weiteren Schritte bezüglich Erweiterungsbau Mitte Oktober.