Klingnauer Stausee
Der andere Sponsorenlauf: Vögel statt Kilometer zählen fürs geplante Naturzentrum

Nicht um Distanzen, sondern um Vogelarten ging es beim «Junior Birdrace», dem Sponsorenlauf für das geplante Birdlife-Naturzentrum am Klingnauer Stausee.

Louis Probst (Text und Fotos)
Drucken
Teilen
Bird Race Und was schwimmt draussen vor dem Schilf
4 Bilder
Erstes Birdrace am Klingnauer Stausee
Bird Race Wer braucht einen Feldstecher Lea Reusser rüstet junge Bird Racer aus (1)
Bird Race Nicht nur auf dem Wasser auch am Himmel gibts was zusehen

Bird Race Und was schwimmt draussen vor dem Schilf

Louis Probst

«Die dort mit den Leoparden-Flecken?», will das Mädchen am Fernrohr wissen. «Ja, das ist die Löffelente», erklärt Rosemarie Widmer, die einen der sechs Posten am Sponsorenlauf Junior Birdrace betreut. «Und dort, diese wunderschöne Ente, das ist eine Krickente.» Um den Posten haben sich Kinder der Jugendgruppe «Bözberger Fledermäuse» mit ihrem Leiter Michael Zinniker versammelt. «Das ‹Junior Birdrace› gibt uns eine gute Gelegenheit, Vögel kennenzulernen», sagt er. «Wobei es in unserer Gruppe nicht ausschliesslich um Vögel geht, sondern um die Natur allgemein.»

Spezieller Sponsorenlauf

Am «Junior Birdrace» dreht sich alles um die Vögel. «Statt um Kilometer geht es bei diesem Sponsorenlauf um beobachtete Vogelarten», sagt Lea Reusser, Verantwortliche für das «Birdrace» und ehrenamtliches Mitglied der Kommission Projekte bei Birdlife Aargau, zum Sponsorenlauf für das Naturzentrum. «Gezählt, und von den privaten Sponsoren der Teilnehmenden vergütet, wird nicht die Distanz, sondern die Anzahl der gesichteten Vogelarten.»

Vor dem einstigen Wohnhaus, das zum Naturzentrum ausgebaut werden soll, geben Gertrud Hartmeier, die Präsidentin von Birdlife Aargau, und Geschäftsführerin Kathrin Hochuli Auskunft über den Stand des Vorhabens. «Wir sind zuversichtlich, noch vor den Sommerferien das Baugesuch einreichen zu können», erklärt Gertrud Hartmeier. Kathrin Hochuli sagt: «Von den erforderlichen Gesamtmitteln von 1,9 Millionen Franken sind bis jetzt rund 1,5 Millionen Franken vorhanden.» Sie stellt aber auch fest: «Ebenso wichtig wie der Erlös des ‹Junior Birdrace› ist uns, dass die Kinder einen tollen Tag am Stausee erleben. Wir führen zum ersten Mal ein ‹Junior Birdrace› durch. Wir haben aber das Gefühl, dass wir das künftig jährlich machen werden. Mit dem Naturzentrum werden wir dafür eine tolle Basis haben.»

Klingnauer Stausee im Portrait
27 Bilder
Der Blick über den Klingnauer Stausee von Döttingen her. Am See findet nicht nur die Bevölkerung aus der Region Erholung. Auch Tagestouristen aus der ganzen Schweiz und dem nahem Ausland kommen hierher. Von den Bahnhöfen Klingnau und Döttingen sowie Koblenz sind die meist asphaltierten Uferwege leicht zu erreichen. Parkplätze finden sich bei der Aarebrücke in Kleindöttingen oder unterhalb des Wasserkraftwerks in Koblenz.
Der Stausee ist bekannt für seine reiche Vogelwelt. Vogelkundler (Ornithologen) trifft man hier laufend an.
Der Stausee entstand mit dem Bau des Wasserkraftwerks Klingnau: Nach knapp vier Jahren Bauzeit ging es am 7. Juli 1935 in Betrieb. Es produziert dank drei Turbinen mit einer Leistung von 14,3 MW pro Jahr durchschnittlich rund 225 GWh elektrische Energie. Das entspricht dem Verbrauch von 50'000 Haushalten. Es ist im Besitz eines Konsortiums von Axpo und AEW Energie AG.
Am Klingnauer Stausee planen Naturschützer ein Naturzentrum, das im Mai 2019 eröffnet wird. Promotoren des Naturzentrums: Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, und Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton Aargau, (v.l.) auf dem Aussichtsturm beim Klingnauer Stausee.
Zuletzt sorgte der Klingnauer Stausee mehrfach für Schlagzeilen: Der Kanton will Material ausbaggern, wegen der Verlandung und um neue Wasserflächen zu schaffen. Streitpunkt: Der Schweizerische und der Aargauische Fischereiverband verlangen eine vollständige Entsorgung der ausgebaggerten Sedimente, die gemäss Projekt grossenteils dem Rhein zugeführt werden sollen.
In wenigen Minuten vom Stausee zu erreichen: Das Städtchen Klingnau. Hier von der anderen Seeseite aus fotografiert.
Blick auf das Vogelparadies Klingnauer Stausee von Kleindöttingen her. Klingnau liegt auf der anderen Seeseite.
Rund um den Klingnauer Stausee mit dem Velo unterwegs – das ist dank der asphaltierten Wege problemlos möglich.
Die Bevölkerung des Unteren Aaretals nutzt die Naturperle, um ihre Seele baumeln zu lassen.
Den Weg rund um den Stausee nutzen auch viele Freizeitsportler – gerade an sonnigen Tagen.
Beliebt: Schwände und Enten füttern am Klingnauer Stausee.
Ornithologen haben hier bisher über 310 verschiedene Vogelarten gesehen – im Bild: Zwei junge Rauchschwalben warten einträchtig auf die Mutter mit dem Futter.
Schwäne und Enten auf einer Insel im Klingnauer Stausee.
Der letzte Atemzug – bevor der kleine Frosch im Rachen des Graureihers verschwindet.
Eine Rostgans geniesst das Bad im Klingnauer Stausee...
..., wie auch dieses Bild zeigt.
Seltener Gast. Ein Löffler rastet am Klingnauer Stausee.
Weisse Pracht: Ein Seidenreiher auf der Jagd am Klingnauer Stausee.
Auf Klingnauer Seite befindet sich das Naturschutzgebiet Machme, wo Wasserbüffel zeitweise leben und grasen.
Ein Alpenstrandläufer am Klingnauer Stausee auf Futtersuche.
Einfach schön: Die Skyline am Klingnauer Stausee.
Eine Anlegestelle mit einem Boot der Klingnauer Pontoniere. Sie trainieren allerdings nicht auf dem Stausee, sondern unterhalb des Wasserkraftwerks.
Eine der vielen gefiederten Schönheiten am Naturparadies: Eine Kolbente (Männchen).
Blick vom Winzerdorf Döttingen auf Reben, Klingnau und den Klingnauer Stausee.
An Silvester findet alljährlich der Gippinger Stauseelauf statt: Hunderte Läufer nehmen jeweils daran teil.

Klingnauer Stausee im Portrait

Kurt Wächter

Etwas unterhalb des Beobachtungsturms richtet eine Gruppe Kinder die Feldstecher auf den Stausee. Alle tragen weisse Mützen mit der Aufschrift «JG Wendehals». «Ich habe eine Blaumeise gesehen», sagt ein Bub und will wissen: «Kann ich die auch eintragen?» «Selbstverständlich», entgegnet Jürg Matt, der die Gruppe aus dem unteren Fricktal einst ins Leben gerufen hatte und sie jetzt zusammen mit Tirza Niklaus ans «Birdrace» begleitet. Und schon gibt’s wieder ein Kreuzchen auf der Artenliste und damit einen Beitrag ans Naturzentrum.

«Wir sind zufrieden», stellt Lea Reusser später, nach Abschluss des ersten «Junior Birdrace», fest. «Offiziell gestartet sind rund 30 Teilnehmende, meist Familien, Eltern oder Grosseltern mit einem Kind. Aber auch zwei Birdlife-Jugendgruppen waren dabei.» Gesichtet worden sind jeweils zwischen 21 und 38 Vogelarten. «Insgesamt beläuft sich der Erlös auf rund 2200 Franken. Dieser Betrag wird durch die Holcim verdoppelt,» sagt Lea Reusser.

Aktuelle Nachrichten