Davide Faraci steigt jetzt als Unternehmer in den Ring

Der erfolgreichste Schweizer Profiboxer der Gegenwart eröffnet in Klingnau das grösste Fitnesscenter in der Region.

Daniel Weissenbrunner
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Freunde und neu Geschäftspartner: Davide Faraci (l.) und Toni Barbera in der Halle, in der ihr Fitnesscenter entsteht.

Freunde und neu Geschäftspartner: Davide Faraci (l.) und Toni Barbera in der Halle, in der ihr Fitnesscenter entsteht.

Bild: Britta Gut (5. Januar, 2020)

Hinge da nicht das grosse rote Plakat am Eingang an der Industriestrasse 4 in Klingnau, es würde wenig darauf hinweisen, was drinnen in den Räumlichkeiten gerade am Entstehen ist. Handwerker sind am Schleifen, Sanitäre am Installieren. Dazwischen immer wieder läutende Smartphones und lautstarke Anweisungen.

In knapp zwei Monaten soll hier das grösste Fitnesscenter in der Region seine Tore öffnen. Auf 1400 Quadratmetern können sich ab dem 27. Februar Bewegungsfreudige – sofern es die Coronasituation zulässt – auf Laufbändern und Kraftmaschinen austoben oder an Yogakursen ihr inneres Gleichgewicht in Einklang bringen.

Mittendrin im Gewusel steht Davide Faraci, der Mitinhaber des neuen Centers. Der 29-Jährige ist seit Jahren der erfolgreichste Profiboxer des Landes. Der gebürtige Gippinger hat alle seine 15 Kämpfe bisher gewonnen und nimmt im anerkannten Box-Rec-Computer-Ranking aktuell im Halbschwergewicht weltweit Position 38 ein.

Zusammen mit seinem ­Manager Toni Barbera wagt Faraci nun den Schritt zum Unternehmer. «Es ging alles ziemlich schnell», sagt der Linksausleger mit den sanftmütigen Augen.

Treibende Kraft hinter dem ambitiösen Projekt ist Barbera, der bis letztes Jahr das Fitnesscenter MGD 888 in Würenlingen führte. Weil die Liegenschaft abgerissen wurde, sah sich der 50-Jährige nach neuen Räumlichkeiten um und wurde im Sommer schliesslich in der Klingnauer Gewerbezone fündig.

Berufsoptimist, der auch Tiefschläge wegsteckt

Barbera und Faraci verbindet eine langjährige Freundschaft. Von ihren Charakteren könnten sie unterschiedlicher allerdings kaum sein. Hier Barbera, der Umtriebige, der Rastlose, der Macher, Manager und Boxpromoter. Dort Faraci, der Ruhige, der Überlegte, den scheinbar nichts so schnell aus Bahn wirft. Seit Herbst verbringen sie ihre Zeit praktisch ununterbrochen an ihrem künftigen Arbeitsort, damit es mit dem geplanten Starttermin klappt. Den Überblick zu behalten sei nicht immer ganz einfach, gibt Faraci zu, der seit kurzem mit seiner langjährigen Lebenspartnerin in Endingen wohnt. «Aber ich bin zuversichtlich, dass es gut kommt.»

Sein Optimismus hat Faraci schon in schwierigen Lebens­situationen weitergeholfen. Zweimal verpasste er eine ­Teilnahme an den Olympischen Spielen denkbar knapp. Der schweizerisch-italienische Doppelbürger wäre der erste helvetische Boxer seit München 1972 (Ruedi Vogel, Karl Gschwind und Anton Schär) gewesen, der sich die Qualifikation gesichert hätte. «Das war schmerzhaft, aber es machte mich im Nachhinein noch stärker», so Faraci. Vom Boxverband wurde er gleichwohl zum erfolgreichsten Schweizer Amateurboxer der letzten 50 Jahre gekürt. 2016 wechselte er zu den Profis.

Die verpassten Olympiateilnahmen steckte er ebenso weg, wie einen gesundheitlichen Schicksalsschlag. Mit 18 Jahren wurde ihm ein bösartiger Tumor aus dem Hals entfernt. Das Boxen habe ihn gelehrt, sich auch durch schwierige Zeiten zu beissen, sagte er nach überstandener Krankheit.

An den sportlichen Zielen festhalten

Mit der Eröffnung des Centers wird Davide Faraci auch seine Trainingsbasis nach Klingnau verlegen. Seine neue Rolle als Firmeninhaber soll die sportlichen Ambitionen indes nicht beeinträchtigen. Um einen internationalen Titel zu kämpfen, lautet nach wie vor sein Ziel. «Ich bin im besten Alter und in einer körperlich sehr guten Verfassung», sagt der mehrfache Schweizer Meister. Er überlässt in seiner Planung so wenig wie möglich dem Zufall. Sein Trainer aus dem Tessin wird nach Klingnau übersiedeln und Teil des Staffs.

Zu diesem gehört auch Toni Barberas Sohn, seine Frau und seine Tochter, die im Center einen Coiffeursalon eröffnen wird. «Wir wollen hier eine Wohlfühloase schaffen», sagt Davide Faraci. Zum Angebot gehören ausserdem eine Bar, eine Lounge sowie eine Kinderbetreuung. Im ersten Stock ist eine Physioabteilung vorgesehen. Hierzu halte man noch nach geeigneten Interessenten Ausschau, so Faraci.

Er und Barbera sind ein eingespieltes Team. Die Aufgabenverteilung ist klar geregelt. Der diplomierte Personal- und Fitnesstrainer Faraci kümmert sich um den sportlichen Teil, Barbera um die Administration. Gemeinsam tragen sie das finanzielle Risiko. «Wer nichts wagt, gewinnt nichts», sagt Davide Faraci. «Mit dem Center habe ich mir einen Traum verwirklicht und gleichzeitig ein Standbein für die Zeit nach meiner Box­karriere geschaffen.»