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Mit dem Grossen Preis des Kantons Aargau fiel der Startschuss zu drei Radsport-Grossanlässen im Zurzibiet.
Das Zurzibiet mit seinen zwei Atomkraftwerken ist bekannt als der Energielieferant der Schweiz. Gerade in diesen Tagen braucht Energie, wer ins Zurzibiet kommt – zumindest in den Waden. Gestern fiel der Startschuss zu einem verrückten Velo-Monat, den die Region in dieser Form nie zuvor erlebt hat: Noch bis zum Sonntag finden die Radsporttage Gippingen statt.
Deren Höhepunkt, der 55. Grosse Preis des Kantons Aargau, ist das grösste Eintagesrennen der Schweiz. Am kommenden Montag führt die Tour de Suisse quer durch den Bezirk Zurzach mit Zielort Gansingen. Und vom 27. Juni bis 1. Juli finden in Schneisingen die Schweizer Meisterschaften statt.
In Schneisingen ist Silvan Dillier aufgewachsen. Der amtierende Schweizer Meister ist eine der grössten Radsporthoffnungen der Schweiz. Als der 27-Jährige im Frühjahrsklassiker Paris–Roubaix hinter Weltmeister Peter Sagan zweiter wurde, schrieb die «NZZ» von einer «der grössten Überraschungen der bisherigen Radsport-Saison».
Weniger überraschend ist, dass die Schweizer Meisterschaften in seiner Heimat stattfinden. Vater Karl Dillier ist der Vizepräsident des OKs. «Wir wollten unbedingt diese Schweizer Meisterschaften organisieren, solange Silvan noch aktiv Rennen bestreitet», sagt er. Für einen kleinen Verein wie den Velo Club Schneisingen mit seinen 60 Mitgliedern sei so eine Veranstaltung allerdings eine Riesenherausforderung.
Doch im amtierenden Velo-Mekka greift man sich gegenseitig unter die Arme. «Wir profitieren enorm vom Know-how der Gippinger», sagt Karl Dillier. Auch Infrastruktur wie etwa die Absperrgitter werden innert Monatsfrist vom einen in den anderen Zurzibieter Ort transferiert. «Eigentlich ist Schneisingen fast zu klein für ein solches Event», sagt der Vater des Radprofis aus dem AG2R-Rennstall, «aber mit der Hilfe aller Vereine und der umliegenden Gemeinden geht es.»
Sowohl die Radsporttage Gippingen als auch die Schweizer Meisterschaften 2018 werden durch den Kanton mittels Swisslos-Sportfonds finanziell unterstützt. Regierungsrat Markus Dieth war gestern beim GP des Kantons Aargau für den Startschuss besorgt. In Schneisingen, wenn die Elite um den Titel fährt, übernimmt Regierungsrat Alex Hürzeler diese Aufgabe. Dieth bezeichnet die Gippinger Radsporttage als feste Grösse im Sportkalender, «als einzigartiges Velo- und Volksfest, das weit über die Kantonsgrenzen hinaus strahlt». Der Finanzdirektor sagt: «Die Aargauer sind begeisterte Gümmeler» – und gesteht, dass er selber einer ist. «Ich bin sicher schon 20 Mal in Gippingen gewesen.» OK-Präsident René Huber nennt die Radsporttage den «Leuchtturm im Radsportkanton Aargau». Karl Dillier hofft, dass dieser Leuchtturm einen ganzen Monat lang strahlt. «Vor allem die Hobbysport-Szene soll von diesen Anlässen profitieren», findet er.
Bleibt einzig die Fussball-WM, die dem Velo-Monat im Zurzibiet die Show stehlen kann. Doch auch da wurde vorgesorgt: In der Schneisinger Nachbargemeinde Lengnau gibt es ein Public Viewing. Gezeigt wird beides: Radsport und Fussball. Doch nur während der Dauer der Schweizer Meisterschaften.