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Das Zurzibiet trotzt dem nationalen Trend und setzt auf Schneesportlager

In der Schweiz und im Kanton Aargau gibt es immer weniger Schneesportlager – nicht aber im Bezirk Zurzach. Die Zahl ist in den letzten Jahren konstant geblieben und hat Potential, sogar zu steigen.

Stefanie Suter de Garcia
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Die Schneesportlager sind im Zurzibiet bei Lehrern und Schülern nach wie vor beliebt. Obwohl die Lager in der Freizeit stattfinden. MISCHA CHRISTEN/Keystone

Die Schneesportlager sind im Zurzibiet bei Lehrern und Schülern nach wie vor beliebt. Obwohl die Lager in der Freizeit stattfinden. MISCHA CHRISTEN/Keystone

KEYSTONE

Die Statistik zeigt: Die Zahl der Schneesportlager in der Schweiz geht zurück. Auch im Kanton Aargau. 2005 gab es noch 195 Lager, die bei «J+S» (Jugend und Sport) angemeldet wurden. 2014 waren es nur noch 159. Fast jedes fünfte Skilager verschwand. Ganz anders sieht es im Zurzibiet aus. Die Zahl der Schneesportlager ist konstant geblieben – und könnte in Zukunft sogar wieder steigen.

Pfannenfertiges Schneesportlager

Mit wenigen Klicks ein Schneesportlager organisieren: Dies ermöglicht die Schneesportinitiative Schweiz mit der Plattform www.gosnow.ch. Damit wollen Bund, Verbände und Wirtschaft den Schneesport fördern, «ein Kulturgut, welches es aus sportlicher, kultureller und touristischer Sicht zu fördern gilt», wie es auf der Homepage heisst.

«Wir bieten fixfertig organisierte Schneesporttage und -lager an», sagt Geschäftsführer Ole Rauch. «Vom Transport über die Unterkunft, die Skitickets bis zum Mietmaterial oder den Unterricht.» Die Kosten pro Schüler und Woche sollen dabei bei rund 350 Franken liegen, je nach gebuchtem Paket.

Das Angebot richtet sich an Lehrpersonen. Aber nicht nur an Lagerneulinge, sondern auch an gestandene Lagerorganisatoren. «Wir wollen die Lehrkräfte unterstützen und entlasten», sagt Ole Rauch. Die Leiter müssen die Lehrer nach wie vor selber organisieren. Eine nationale Plattform oder Leiterbörse soll ihnen dabei aber helfen. Auch bei der Organisation der Küche erhalten die Lehrer Hilfe. «Wir bieten alles an – von Selbstkocher bis Vollpension», sagt Ole Rauch. Entscheiden sich die Lehrer dafür, selber zu kochen, können sie auf der Internetplattform fixfertige Menupläne herunterladen und mit einem Einkaufsplaner eine Einkaufsliste erstellen, die auch gleich die ungefähren Kosten berechnet. Zudem stellt die Plattform Checklisten für die Organisation oder Lehrmittel rund um das Thema Schneesport bereit.

In dieser Saison vermittelte der 2014 gegründete Verein 70 Lager für 2500 Schüler und Schneesporttage für über 70 Schulen. Eine davon stammt aus dem Zurzibiet: das Schulheim St. Johann in Klingnau. «Wir haben noch Potenzial nach oben», sagt Ole Rauch. «In Zukunft möchten wir zwischen 500 und 1000 Lager vermitteln.» (ssu)

Zwar müssen die Schüler der Primarschule Lengnau seit 15 Jahren und jene der Primarschulen Schneisingen und Siglistorf seit 2009 auf ein Lager verzichten. Dafür führen die Kreisprimarschulen Chrüzlibachtal in Rekingen sowie Belchen in Fisibach seit 2012 gemeinsam ein Lager durch. Und auch die Primarschule Endingen bietet seit drei Jahren ein Lager an. Andere Primarschulen ohne Lager schicken ihre Schüler mit der Oberstufe mit. In Lengnau könnte es sogar bald wieder ein Lager geben: Die Primarschule überlegt sich, in Zukunft wieder eines auf die Beine zu stellen.

Diese Entwicklung erstaunt, sind doch die Rahmenbedingungen immer schwieriger geworden. Urs Schweri, Schulleiter der Primarschulen Schneisingen und Siglistorf, fasst sie in Worte: «Der Aufwand für die Planung wurde zunehmend arbeitsintensiver.» Einzelne Eltern hätten spezielle Sonderwünsche für ihre Kinder angebracht oder nachher reklamiert, weil aus ihrer Sicht ihr Kind ungerecht behandelt worden wäre. «Die Betreuung der Kinder im Lager wurde stetig schwieriger. Auffälliges Verhalten und disziplinarische Vorfälle häuften sich», sagt Schweri. «Unsere Lehrpersonen waren nicht mehr bereit, in ihrer Freizeit diese Verantwortung für ein Lager zu übernehmen.» Zudem seien die Schülerzahlen und die Anmeldungen zurückgegangen.

Stimmen die Bedingungen, stimmt bei den Lehrern auch die Motivation, ihre Freizeit zu opfern. Vor allem die positiven Rückmeldungen der Kinder seien ein grosser Ansporn, sagt beispielsweise Franziska Schönenberger. Sie unterrichtet an der Primarschule Endingen und organisiert seit drei Jahren das Schneesportlager. «Die Kinder freuen sich immer riesig. Dann macht es auch Spass, ein solches Lager zu organisieren.»

Die meisten Schulen führen ihre Skilager in den Sportferien durch – also in der Freizeit. Aber nicht überall: Die Schule Böttstein beispielsweise hat das Skilager vor zwei Jahren in die Projektwoche verlegt. «Mit diesem Wechsel ist die Durchführung des Lagers nicht von der Anzahl der freiwilligen Helfer abhängig», sagt Schulleiterin Gabi Spuhler. Auch das Lager der Kreisprimarschulen Chrüzlibachtal und Belchen findet während der Themenwoche statt. Anfänglich, weil das Lagerhaus nur noch während der Unterrichtszeit frei war. «Im Rückblick ein Glücksfall», sagt Schulleiter Peter Wunderlin. «Die Lehrpersonen, die im Lager einen ‹Rund-um-die-Uhr-Job› erledigen, dürfen dies während der Schulzeit tun.» Zudem könne man so die Vorteile der Nachsaison Ende März nutzen: «Günstigere Tarife, weniger Leute, mehr Sonne.»

Ob in den Sportferien oder in der Projektwoche, das Schneesportlager ist bei den Zurzibieter Schülern beliebt. «Das Interesse ist gross. Vor allem bei den Primarschülern», heisst es beispielsweise von der Schule Döttingen, deren Schneesportlager ab der 4. bis zur 9. Klasse offen ist. Die beiden Lager der Kreisschule Surbtal sind sogar ausgebucht. Rund 100 Schüler aus Schneisingen, Freienwil, Lengnau, Endingen, Tegerfelden und Würenlingen haben sich angemeldet. Zu Hause bleiben musste keiner der Jugendlichen. «Bei Überbelegung müssten wir aber ein Auswahlverfahren entwickeln», sagt Schulleiter Beat Widmer.

Bad Zurzach: Beiträge erhöht

Einzige Ausnahme bildet zurzeit Bad Zurzach: Die Anmeldungen für das Schneesportlager der Kreisschule Rheintal-Studenland, das ab der 5. Klasse offen ist, halbierten sich innerhalb von zwei Jahren von 100 auf 52 Schüler. Bis 2015 führte die Kreisschule drei Skilager durch.

In diesem Jahr noch zwei. Für diesen Rückgang gibt es verschiedene Gründe, wie der «J+S»-Coach der Schule, Jörg Wiederkehr, ausführt: «Einfluss auf die Teilnehmerzahlen haben die absoluten Schülerzahlen, die an der Oberstufe momentan noch rückläufig sind, der Wechsel des Schulsystems von 4 auf 3 Jahre Oberstufe – und die Erhöhung des Schülerbeitrages für die Lager 2016.» Dieser stieg stark an: von 275 auf 450 Franken.

Der Verband als Träger habe in den vergangenen Jahren anfallende Mehrkosten und gewährte Zuschüsse von 410 Franken pro Kind übernommen, erklärt Peter Lude, Gemeinderat von Bad Zurzach und Präsident des Kreisschulverbandes, dem insgesamt elf Gemeinden angehören.

«Aufgrund der aktuellen Schulkostenentwicklung, die deutliche Mehrkosten aufweist, mussten auf breiter Ebene Einsparungen vorgenommen werden.» Deshalb seien die Zuschüsse gekürzt worden, was den Elternbeitrag pro Schüler um 175 Franken erhöht. «Die Entwicklung und Qualitätsförderung der Schule werden weiterhin vom Kreisschulverband und von Bad Zurzach als Standortgemeinde finanziell erheblich unterstützt.»