Das Untere Aaretal wünscht sich eine zuverlässige Anbindung

In der Region Baden stösst das regionale Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase) auf Widerstand. Anders im Zurzibiet.

Andreas Fretz
Merken
Drucken
Teilen
Im Zurzibiet (hier Klingau) setzt man grosse Hoffnungen in das Oase-Projekt.

Im Zurzibiet (hier Klingau) setzt man grosse Hoffnungen in das Oase-Projekt.

Bild: Sandra Ardizzone

Noch bis zum 17. Januar 2020 findet die öffentliche Anhörung zum regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase) statt. Nach den Anlässen in Nussbaumen, Baden und Brugg informierte der Kanton nun die Bevölkerung des Zurzibiets über den Einfluss des 1-Milliarden-Projekts auf die Verkehrsplanung des Unteren Aaretals. Zu diesem Zweck trafen sich Behörden und Interessierte am Donnerstagabend im AWZ Arbeits- und Wohnzentrum Kleindöttingen.

Die Oase, ein Projekt mit Zeithorizont 2040, wurde vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons in Zusammenarbeit mit den regionalen Planungsverbänden Brugg Regio, Baden Regio und Zurzibiet Regio sowie den zwölf Kerngemeinden rund um die Kernstädte Baden-Wettingen und Brugg-Windisch erarbeitet. Sie soll die Zentren Baden und Brugg entlasten und das Untere Aaretal besser ans übergeordnete Netz anbinden. Villigen und Würenlingen mit dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) als bedeutende Verkehrserzeuger werden in der verkehrsfunktionalen Betrachtung dem Unteren Aaretal und damit dem Zurzibiet zugeordnet.

In der Region Baden stösst die Oase auf Widerstand. Das zeigte sich bereits beim Info-Abend in Nussbaumen. Der Tenor aus dem Volk war deutlich: Die Oase löst in Ober- und Untersiggenthal Angst vor Mehrverkehr aus. Und an der Veranstaltung in Baden war spürbar: Nicht nur im Siggenthal und im Kappelerhof fürchtet man mehr Lasten- und Autoverkehr. Auch im Badener Chrüzliberg-Quartier gibt es offenbar grossen Unmut über das geplante Portal des Martinsbergtunnels.

Und im Zurzibiet? Hier ist die Stimmungslage eine andere. Böttsteins Vizemmann Bruno Rigo sagt: «Am liebsten wäre mir, man würde gleich morgen mit dem Bauen beginnen. Das Untere Aaretal braucht eine zuverlässige Anbindung an die Regionen Baden und Brugg. An die A1 und die A3.»

Carlo Degelo, Leiter Abteilung Verkehr des Kantons, versprach dann auch: «Das Untere Aaretal wird zwar nicht schneller, aber zuverlässiger angebunden sein.» Reisezeiten liessen sich besser abschätzen. Frank Rüede, Projektleiter Oase, sagte, dass das Zurzibiet vom 15-Minuten-Takt der S-Bahn profitieren werde. Heute gilt ein 30-Minuten-Takt.

Wirkungen ergeben sich im Zurzibiet vor allem im Bereich Wirtschaft (Reisezeitgewinne). Es werden keine Infrastrukturen gebaut, die negative Umweltwirkungen verursachen können. Infolge von neuen Infrastrukturen in Baden oder Brugg sind auch keine spürbaren Verkehrszu- oder -abnahmen im Zurzibiet zu erwarten. Die anfallenden Nutzen durch die Reisezeitgewinne sind im Vergleich zum Gesamtnutzen der Varianten vergleichsweise gering, die Anbindung des Unteren Aaretal lässt sich damit aber verbessern. Die Oase trägt somit dazu bei, dass sich die heutigen lagebedingten Wettbewerbsnachteile des Unteren Aaretals gegenüber anderen Aargauer Regionen trotz Verkehrswachstum nicht verschlechtern werden.

Grenzübergang Koblenz gehört nicht zum Projekt

Felix Binder, Präsident von Zurzibiet Regio, sagte: «Ich und der Planungsverband stehen zum Oase-Projekt. Das Zurzibiet ist auf Lösungen in Baden und Brugg angewiesen. Sonst stehen wir an wie die Grenzgänger. Der beschrittene Weg ist der richtige.» René Utiger, Präsident des Wirtschaftsforum Zurzibiet, teilte Binders Ansicht: «Aus unserer Sicht ist das Oase-Projekt höchst erfreulich.»

Fragen von den rund 50 Zuhörern gab es auch zum Grenzübergang in Koblenz. Dort nimmt vor allem der Lastwagenverkehr stark zu. Koblenz ist jedoch nicht Bestandteil des Oase-Projekts. Allerdings informierten die Kantonsvertreter: «Es gibt eine laufende Verkehrsstudie zusammen mit Deutschland, welche die Leistungsfähigkeit der Grenzübergänge ermittelt.» Die Frage: Braucht es zusätzliche Grenzübergänge und Infrastrukturmassnahmen.

Untersucht wird der Raum von Basel bis zum Bodensee mit Fokus auf den Schwerverkehr. Die Studie wird Ende Jahr abgeschlossen sein. Im Frühjahr 2020 werden die Ergebnisse präsentiert. «Die Frage, wie wir mit den Rheinübergängen umgehen, wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen», prophezeite Frank Rüede. Es gehe jetzt darum, bis zum Januar die Bevölkerung anzuhören. Danach muss der Grosse Rat über die Festsetzung im Richtplan entscheiden. Erst dann kann das Department Bau, Verkehr und Umwelt mit der konkreten Planung beginnen.