Zurzach
Das Turnen hat alle Stürme überstanden

Schon früh im 19.Jahrhundert begann im Bezirk Zurzach die Turnbewegung. So kam es, dass ab 1836 das freiwillige Schulturnen an allen Schulen für obligatorisch erklärt wurde. Der Kreisturnverband feiert am Samstag sein 100-jähriges Bestehen.

Bettina Schatzmann
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Turnerschar 1902, 8 Jahre vor der Gründung des Kreisturnverbandes. ZVG

Turnerschar 1902, 8 Jahre vor der Gründung des Kreisturnverbandes. ZVG

Anfänglich waren es meist Lehrer, die «Gleichmässige Erziehung von Körper und Geist» weitergaben. Obwohl in jenen Zeiten die allgemeine finanzielle Situation nicht gerade rosig war, wurde 1888 der TV Klingnau gegründet, 1889 der TV Zurzach und 1904 der TV Endingen. Eine grosse Wende trat 1909 ein, als der Kaufmann Emil Schmid in Zurzach Wohnsitz nahm. Er, begeisterter und erfolgreicher Leiter des Schweizerturnvereins in Paris, rief Gleichgesinnte zusammen, mit dem Ziel, den Kreisturnverband Zurzach zu gründen.

Verbandsgründung in Klingnau

Am 26. April 1910 war es dann soweit; im Hotel Vogel in Klingnau schlossen sich die Turnvereine Klingnau, Zurzach, Endingen und Koblenz zusammen und hoben den neuen Verband aus der Taufe. Emil Schmid konnte die Turner im Bezirk Zurzach auf zielstrebige Art für seine Idee begeistern und bemühte sich stets um das Turnen. Als erster Kreispräsident stand er dem Verband während 20 Jahren vor und erhielt den Titel «Turnvater des Bezirks Zurzach». Seiner Begeisterung ist es sicher zu verdanken, dass mit Lengnau (1913), Leibstadt (1914), Full-Reuenthal (1915), Döttingen (1919), Leuggern (1919), Eien-Kleindöttingen (1921), Baldingen (1922), Tegerfelden (1925) und Kaiserstuhl (1925) weitere Vereine gegründet worden sind.

Nebst den finanziellen Sorgen hatten die Vereine zu jener Zeit auch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen; 1925 wurden von den Behörden sämtliche Versammlungen und Zusammenkünfte verboten. Eine schlimme Maul- und Klauenseuche wütete im Zurzibiet. Auch während des Zweiten Weltkrieges hatten es der Verband und die Vereine schwer, den Turnbetrieb aufrechtzuerhalten. Viele Turner waren abwesend und leisteten Aktivdienst. Danach ging es zur Freude aller wieder aufwärts. Es war, und ist auch heute noch das Ziel, die Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu pflegen und zu fördern.

Die Frauen ziehen nach

Anfänglich war das Turnen den Männern vorbehalten. Es dauerte ein paar Jahre, bis auch das Frauenturnen im Bezirk Zurzach Einzug hielt. Der DTV Zurzach und der DTV Endingen zählen zu den ältesten Frauenvereinen im Kreisturnverband Zurzach und können beide auf über 75 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Nach und nach wurden dann auch die anderen Vereine gegründet.

Wann genau der Aargauische Frauenturnverband Kreis Zurzach gegründet wurde, ist nicht bekannt.

Anders ist es hingegen mit der Männerturnvereinigung des Kreisturnverbandes Zurzach, welche am 24. März 1956 von den Vereinen Döttingen, Eien-Kleindöttingen, Endingen, Koblenz, Lengnau und Zurzach gegründet wurde.

Ein Hauptaugenmerk des Verbandes gehört der Jugendförderung. Mit der Einführung von Mutter-und-Kind- Turnen (Muki) sowie des Kinderturnens (Kitu) können schon die Kleinsten zum Turnen animiert werden.

Mitte der 90er-Jahre wurden die ersten zaghaften Schritte gemacht, zukünftig auf Verbandsebene (Aktive und Damen) gemeinsam zu arbeiten. Die Ankündigung der Rücktritte der damaligen Kreispräsidentin, der Technischen Leiterin und der Jugendverantwortlichen beschleunigten eine Fusion. An der Delegiertenversammlung vom 13. Dezember 1997 in Kaiserstuhl war es dann so weit: Die Ära Gesamtverband begann. Fünf Jahre später, diesmal am 13. Dezember 2002 in Leuggern, schloss sich auch die Männerturnvereinigung dem Kreisturnverband Zurzach an.

Probleme mit Freiwilligenarbeit

Obwohl nach den Fusionen weniger Funktionäre gebraucht werden, bleibt die Suche nach ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern ein Hauptproblem des Verbandes. Das Zeitproblem, eine der negativen Auswirkungen des Wohlstands und des Überflusses, wird wohl auch in den nächsten Jahren Hauptursache sein, wenn traditionelle Vereine und Verbände aufgelöst werden müssen.

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