Klingnau
Das Theater Klingnau zeigt einen eingebildeten Kranken

Für den «Eingebildeten Kranken», gespielt vom Theater Klingnau, gab es viel und verdienter Applaus. Die Geschichte erzählt von einem Menschen, die sich einbildet, krank zu sein.

Louis Probst
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Theater Klingnau spielt die «Eingebildeten Kranken»
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 Monsieur Argan (Jan Da Rin) ist krank. Sehr krank sogar. Dienstmädchen Toinette (Andrea Egli) und Töchterchen Angélique (Mariana Born) sind entsetzt und leiden mit.Fotos: Angelo Zambelli

Theater Klingnau spielt die «Eingebildeten Kranken»

Angelo Zambelli

«Man kann sich das Kranksein ja gar nicht mehr leisten», seufzt Monsieur Argan angesichts der Arzt- und Apothekerrechnungen. «30 Franken für ein einziges Klistier!» Und Klistiere braucht Monsieur Argan ebenso wie Medikamente in rauen Mengen. Er ist krank. Sehr krank sogar. Todkrank. Die unzähligen Flaschen und Fläschchen mit grellfarbigen oder glasklaren, jedenfalls stark nach Heilwirkung aussehenden Wässerchen im Zimmer sprechen Bände.

Ob es nun die Milz ist oder vielleicht doch die Leber, die Argan plagt, sei dahingestellt. Jedenfalls trägt auch das familiäre Milieu nicht wirklich zu seiner Gesundung bei. Das Dienstmädchen Toinette ist mehr als bloss vorlaut und das Töchterchen Angélique will heiraten. Allerdings partout nicht den Arzt Diafoirus den Jüngern, den Argan – auch als kostensenkende Massnahme – dringend in der Familie bräuchte.

Immerhin bleibt Argan als Trost seine wirklich elegante zweite Gattin, Madame Beline. Treu umsorgt sie ihren armen Argan. Zupft ihrem auf dem Diwan leidenden «Bubeli, Schatzeli» liebevoll das Kissen. Und nur schon der Gedanke, dass ihr Gatte ein Testament machen könnte, tut ihr offensichtlich sehr weh . . .

Alle Register werden gezogen

Nach Jura Soyfers «Zwischen Himmel und Erde» 2010 hat sich das Theater Klingnau jetzt Molières «Eingebildetem Kranken» in einer Mundartbearbeitung von Adi und Ueli Blum angenommen – und wie. Unter der Regie von Werner Bodinek zeigen die Darstellerinnen und Darsteller auf der kleinen Bühne im Propsteikeller grosses Theater. Sogar Tänzerinnen verzaubern – und das nicht bloss den kranken Argan. Andrea Egli überzeugt als Dienstmädchen Toinette. Julia Born kauft man die elegante, kühl-berechnende Beline ohne weiteres ab.

Mariana Born als Angélique und Fabio Rota als Cléante überzeugen als Liebespaar ebenso wie Tino Lüscher in einer Doppelrolle als tragisch-schmachtender Verehrer und Argans Bruder Béralde. Andreas Meier und Lukas Erne geben ein köstliches Vater-Sohn-Paar Diafoirus auf Brautschau ab. Und mit Jan Da Rin in der Rolle des Argan würde man – wenn er da so seufzt und keucht und die Augen verdreht -- glatt mitleiden, wenn man nicht alles besser wüsste.

«Alternativmedizin»

Aber auch für einen eingebildeten Kranken wie Argan besteht Hoffnung. Vor allem dann, wenn die patente Toinette gemeinsam mit Argans feschem Bruder Béralde die Sache -- mit einem «komplementärmedizinischen» Ansatz sozusagen – in die Hand nimmt und dem eingebildeten Kranken die Augen öffnet. Und das nicht bloss in medizinischer Hinsicht.

«Jeder sein eigener Arzt»: Vielleicht könnte diese Erkenntnis ja auch ein Ansatz für die Gesundung unseres Gesundheitssystems sein. Dem armen Molière hat seine eigene Erkenntnis allerdings nichts gebracht. Am 17. Februar 1673 ist er, unmittelbar nachdem er in der vierten Vorstellung des «Eingebildeten Kranken» auf der Bühne gestanden hatte, verstorben.

«Der eingebildete Kranke», Propsteikeller Klingnau. 9., 10., 16., 17., 18., 23., 24., 30. und 31. März. Vorstellungen jeweils 20.15 Uhr, sonntags 16 Uhr. Vorverkauf unter 076 505 86 07. Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 12 Uhr und Montag bis Mittwoch, jeweils 18 bis 20 Uhr.

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