Fluglärm
Das Surbtal dürfte um eine Doppelbelastung herumkommen

Das neue Flugkonzept zum Flughafen Zürich bringt für diverse Aargauer Gemeinde mehr Fluglärm. Teile des Zurzibiets sollen dagegen vom Fluglärm entlastet werden.

Daniel Weissenbrunner
Drucken
Gibt es bald weniger Lärmsorgen im Zurzibiet? Eine Swiss-Maschine im Anflug auf den Flughafen Zürich.

Gibt es bald weniger Lärmsorgen im Zurzibiet? Eine Swiss-Maschine im Anflug auf den Flughafen Zürich.

Alex Spichale

Lange war es ruhig. In den Standortgemeinden und den angrenzenden Regionen rund um den Flughafen Zürich herrschte Funkstille. Es war die trügerische Ruhe vor dem nächsten Sturm. Am 21. September liess das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) dann die Katze aus dem Sack: Es veröffentlichte den Entwurf für den Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL), der festlegt, wie am grössten Landesflughafen künftig geflogen werden soll (siehe Box unten). Seither entlädt sich der Ärger in den lärmgeplagten Gemeinden. Ein jahrelanger Streit über die gerechte Verteilung entflammt sich neu.

Betroffen vom neuen Flugkonzept sind auch Gebiete im Aargau. Exponenten im Limmattal und auf dem Rohrdorferberg nehmen die Pläne des Bazl nicht hin und bringen sich in Stellung. In ihrem Widerstand haben sie einen wichtigen Verbündeten zur Seite. Im az-Interview vom Montag unterstrich Stephan Attiger die Haltung des Regierungsrates. Eine Mehrbelastung für den Kanton sei nicht akzeptabel.

Schneisingen profitiert

Wenig war bisher zur neuen Lärmverteilung aus dem Zurzibiet zu hören. Der Verein «Gekröpfter Nordanflug Nein», dem auch die Gemeinden aus dem Bezirk angeschlossen sind, informierte am Montag vor erstaunlich wenig Publikum über seinen Stand der Dinge. Während früher jeweils mehrere hundert Personen Informationsveranstaltungen beiwohnten, erschienen an der Generalversammlung in Würenlingen nur gerade 30 Interessierte. Präsident Patrick Gosteli bekräftigte darin, dass man sich ungebrochen für eine möglichst faire Lösung einsetzen werde. «Unter Verzicht auf den gekröpften Nordanflug.»

Hans-Martin Plüss, Fluglärmbeauftragter des Kantons, erklärte in seinen Ausführungen in der Aula Schulhaus Dorf die verschiedenen Szenarien von möglichen Pistenverlängerungen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die An- und Abflugrouten. Erfreulich aus Zurzibieter Sicht: Das Surbtal und Teile von Schneisingen dürften um eine mögliche Doppelbelastung durch eine nächtliche Abflugroute herumkommen. Die Freude könnte allerdings von beschränkter Dauer sein. Sollte nämlich der in Deutschland auf Eis gelegte Staatsvertrag doch noch in Kraft treten, droht dem Surbtal unverhofft der gekröpfte- beziehungsweise gekrümmte Nordanflug.

Wie Regierungsrat Stephan Attiger plädiert daher auch Kurt Schmid, dass der Kanton Aargau, wenn es darauf ankommt, zwingend mit einer Stimme seine Interessen vertritt. Der kantonale Gewerbepräsident und ehemalige Ammann aus Lengnau weiss aus eigener Erfahrung, wie zäh solche Positionskämpfe verlaufen können. «Wenn es um den eigenen Vorteil geht, ist sich jeder selber schnell am nächsten», sagte der frühere Präsident des Vereins «Gekröpfter Nordanflug Nein». Das Schlimmste wäre, wenn die einen dies sagen und die anderen jenes. Dann ist zu befürchten, dass das Bazl vermutlich eher macht, was es selbst gut findet.

Sachplan Infrastruktur Luftplan: Darum geht es

Mit dem Sachplan Infrastruktur Luftplan SIL plant und koordiniert der Bund die zivile Luftfahrt. In Objektblättern werden dabei konkrete Vorgaben für die einzelnen Flughäfen und Flugplätze gemacht. Das Objektblatt des Flughafens Zürich wird aktuell
erneuert (SIL 2). Es geht um den Ausbau und den künftigen Betrieb. Der Bund entscheidet im Sommer.

Aktuelle Nachrichten