Bad Zurzach
Das Schicksal führte Pieter van de Cuylen zu neuer Kreativität

Die meisten Exponate von Pieter van de Cuylen, die an der Weihnachtsausstellung im Mauritiushof zu besichtigen sind, werden der Öffentlichkeit zum ersten Mal präsentiert.

Ursula Burgherr
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67 zumeist unbekannte Werke von Pieter van de Cuylen zeigt die Galerie Mauritiushof in einer Weihnachtsausstellung.

67 zumeist unbekannte Werke von Pieter van de Cuylen zeigt die Galerie Mauritiushof in einer Weihnachtsausstellung.

Ursula Burgherr

Elisabeth van de Cuylen steht in der Galerie Mauritiushof und betrachtet die neue Ausstellung ihres 1990 verstorbenen Mannes. «Er war ein toleranter und sehr gläubiger Mensch», erzählt sie und erinnert sich an Reisen nach Marokko, Tunesien oder Italien. Berührt hält sie sich im Hintergrund, als Roy Oppenheim in seiner Vernissagenrede über das Oeuvre des Expressionisten spricht: «Seine Werke begeistern in ihrer Frische immer wieder neu und könnten gestern entstanden sein.»

Der Blick schweift über die farbintensiven Ei-Tempura- und Hinterglasmalereien, die von magischer Ausstrahlung sind und gleichzeitig die Seele tief berühren. Van de Cuylen war stilistisch seiner Zeit weit voraus. Er reduzierte die sichtbare Welt auf einfache Symbole und Formen. Die schöpferische Urkraft war immer wieder Thema seiner Kunst, er experimentierte gerne mit verschiedenen Techniken. Oppenheim lobt das unglaubliche Sensorium von van de Cuylen für feine Zwischentöne und die Tiefe, die jedem der 67 ausgestellten Bilder eigen ist.

«Nie da gewesene Fröhlichkeit»

Van de Cuylen wurde 1943 bei einem Bombenangriff in Berlin «lebendig begraben» und lag 20 Stunden verschüttet unter Trümmern. Danach erlebte er die Welt neu. «Das Schicksal und schwere Erlebnisse führten ihn zu einer vorher nie da gewesenen Fröhlichkeit in seinem Ausdruck. Das ist eine tröstliche Botschaft», sinnierte Oppenheim. Weil van de Cuylen die Katastrophe überlebte, legte er ein Gelübde ab: Sein künftiges religiöses Werk sollte als Schenkung einer Marienkirche gehören. Und er löste sein Versprechen ein. 1989 wurde die permanente Ausstellung in der Oberen Kirche von Bad Zurzach eröffnet. Als der Kreative 1953 nach zahlreichen Schicksalsschlägen in Binningen eine neue Heimat fand, blühte er sichtlich auf.

Das schlug sich in einem geradezu explosiven Schaffensdrang nieder. «Wir haben rund 2000 Werke katalogisiert», erzählt Mauritiushof-Galerist Alois Hauser zum Nachlass van de Cuylens, den seine Witwe 2005 der Stiftung Bad Zurzach schenkte. Neben einer Dauerausstellung findet jeweils um Weihnachten eine Sonderausstellung statt. Wie jetzt. Die meisten Exponate, die zurzeit zu besichtigen sind, werden das erste Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Und es liegen noch viele Kunstwerke von Pieter van de Cuylen im Verborgenen.

Weihnachtsausstellung bis Mitte Januar. Galerie Mauritiushof, Bad Zurzach. Di–Sa, 14–17 Uhr, So 10–12 und 14–17 Uhr.

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