Bad Zurzach
Das Regibad ist das neue «Baby» der Betriebsleiterin

Betriebsleiterin Monika Dietsche will die Badi in Bad Zurzach mit Meerjungfrauen und Spezialtarifen auf Kurs bringen.

Nadja Rohner
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Oben dunkle Wolken, unten strahlendes Gesicht voller Vorfreude: Monika Dietsche vor der Saisoneröffnung im April. SBU

Oben dunkle Wolken, unten strahlendes Gesicht voller Vorfreude: Monika Dietsche vor der Saisoneröffnung im April. SBU

Samuel Buchmann

Nach einem miserablen Sommer 2014 – «Hatten wir letztes Jahr überhaupt einen?», kann man sich fragen – soll das Regibad Zurzach nun wieder auf bessere Zeiten zusteuern. Der happige Verlust der vergangenen Saison soll sich nicht wiederholen. Dafür will auch die neue Betriebsleiterin und Rekinger Gemeinderätin Monika Dietsche sorgen. Im Interview verrät sie, wie sie das Regibad neu positionieren will.

Frau Dietsche, Sie haben mir geschrieben, Sie sprudelten vor Ideen zum Regibad. Die neue Aufgabe scheint Ihnen Freude zu bereiten.

Monika Dietsche: Ja, das Regibad ist zu meinem «Baby» geworden. Ich bin überzeugt, dass wir das schönste Bad weit und breit haben. Allerdings muss man auch etwas dafür tun, dass die Gäste kommen. Einfach ein Becken voll Wasser hinstellen reicht heute nicht, dazu gibt es viel zu viele alternative Freizeitangebote.

Die Saison-Abos wurden teurer, das kam nicht überall gut an ...

Wir haben uns bewusst dem Dialog mit den Gästen gestellt – es soll nicht hintenrum geredet werden, so entsteht Unzufriedenheit. Das Bad ist an 180 Tagen pro Jahr geöffnet, das macht auch mit den neuen Abo-Preisen nur etwa einen Franken pro Tag. Wenn man dies den Gästen so erklärt, sehen sie, dass das Angebot immer noch gut ist. Auch unsere gesicherten Wassertemperaturen von 25 bis 26 Grad sind kostspielig und müssen finanziert sein.

Erfrischende Abwechslung

Die meisten haben eine Stammbadi, wo sie ihre Freizeit verbringen – oft in derselben Ecke, unter demselben Baum. Aber warum nicht zur Abwechslung mal ans andere Ende des Bezirks – mit dem Velo zum Beispiel? Die az zeigt Ihnen in den nächsten Tagen die Badis der Region. Neben dem Regibad Zurzach gibt es Schwimmbäder in Endingen, Fisibach, Full, Kaiserstuhl, Klingnau, Mellikon. Allerdings: Die Kaiserstuhler und Melliker legen Wert darauf, dass ihre Badi ein Geheimtipp bleibt – nicht aus Angst vor «fremden Fötzeln», sondern weil die beiden kleinen Schwimmbäder weder genügend Platz noch Parkmöglichkeiten für einen Besucheransturm bieten und vorwiegend den Einwohnern vorbehalten sein sollen. (NRO)

Es fällt auf, dass Sie viele neue, auf bestimmte Zielgruppen individuell zugeschnittene Angebote eingeführt haben. Wie werden diese genutzt?

Das Frühschwimmen, welches wir jetzt am Montag probeweise anbieten, hatte beim ersten Mal vier Gäste – beim zweiten Mal waren es bereits vierzehn. Es braucht Zeit, aber die Leute schätzen die neuen Angebote. Auch das billigere Feierabendschwimmen (ab 17 Uhr, 5 Franken) kommt sehr gut an. Dasselbe gilt für das vergünstigte 12er-Abo.

Gibt es sonst noch Innovationen?

Neu kann man das Regibad für private Events stundenweise mieten. Wenn die normalen Badegäste gegangen sind, darf die Partygesellschaft länger bleiben und bis 22 Uhr baden. Dann wird der Badebetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt, man kann aber im Badirestaurant weiterfeiern. Die Miete ist nur in Kombination mit dem Restaurantbesuch möglich. Zudem gibt es im Regibad demnächst «Mermaiding»-Kurse, wo man lernt, mit künstlichen Meerjungfrauenflossen zu schwimmen. Das ist der Hit in Züri und im Zurzibiet einzigartig. Am Wochenende vom 22./23. August finden ausserdem die Wasserspiel-Tage statt. Da werden sich die Gäste bei einem speziellen Unterwasser-Fotoshooting mit den Meerjungfrauenflossen ablichten lassen können. Darüber hinaus frisiert eine Coiffeuse unsere kleinen Gäste jeweils Mittwochnachmittags zu attraktiven Preisen. Und das neue Angebot «Fit über den Mittag» beinhaltet ein Eintritt von 11.30 bis 13.30 Uhr und ein günstiges Fit-Menü inklusive Getränk.

Sie haben ein Budget, auf das Sie achten müssen. Macht das Regibad überhaupt je Gewinn?

Nein. Es ist unrealistisch, so ein Bad gewinnbringend führen zu wollen. Die vier Verbandsgemeinden Rekingen, Bad Zurzach, Rietheim und Böbikon zahlen 30 Franken pro Einwohner. Das Defizit wird jeweils von Bad Zurzach alleine getragen – im Jahr 2014 waren es 400 000 Franken. Allerdings war dies ein wirklich schlechter Sommer – normalerweise fällt das Minus geringer aus.

Ganz schön viel Geld, das die Zurzacher da hinblättern müssen...

Das ist tatsächlich so. Aber meiner Meinung nach können wir kleineren Gemeinden nicht erwarten, dass Bad Zurzach immer für alles aufkommt. Deshalb bin ich daran, bei allen Gemeinden von Koblenz bis Kaiserstuhl um eine Mitgliedschaft in unserem Verband zu werben. Und vielleicht würden ja auch die Nachbarn ennet des Rheins mitmachen – wir haben schliesslich viele Gäste aus Küssaberg hier. Um als Region attraktiv zu bleiben, müssen wir zusammenarbeiten und den Einwohnern etwas bieten. Wir hoffen, das Regibad wird zu einem Zeichen der Verbundenheit zwischen den Gemeinden. Schliesslich müssen viele Projekte in Zukunft zusammen getragen und geführt werden. Nur gemeinsam sind wir stark und können nach aussen ein Zeichen setzen.

Wie ist denn die Resonanz vonseiten der anderen Gemeinden? Kaiserstuhl oder Mellikon haben ja eigene Badis.

Die sollen sie auch unbedingt behalten! Die kleinen Dorfbadis und das grosse Regibad, das sind zwei paar Schuhe. Die Angebote konkurrenzieren sich nicht. Ich habe zudem den Eindruck, dass die Idee einer Verbandsmitgliedschaft bei den Räten dieser Gemeinden durchaus gut ankommt – vielleicht lassen sie sich ja durch meine Begeisterung anstecken!

Gäbe es noch weitere potenzielle Geldgeber für das Regibad?

Ich werde wohl auch bei Firmen in der Region anklopfen. Es ist denkbar, dass sich diese finanziell beteiligen würden, wenn zum Beispiel ihre Mitarbeiter dafür vergünstigte Eintritte ins Regibad erhielten.