Klingnau
Das Rätsel um die Bohrungen im «Hard» ist gelöst

Bis Ende Februar laufen in den Klingnauer Gebieten Hard und Härdli Bohrungen. Die Gemeinde wollte sich dazu nicht genauer äussern. Recherchen zeigen nun: Eine Baufirma prüft, ob sie künftig Kies abbauen könnte.

Nadja Rohner
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Im orange markierten Gebiet in Klingnau werden die Bohrungen durchgeführt.

Im orange markierten Gebiet in Klingnau werden die Bohrungen durchgeführt.

ZVG/Grafik Bar

In den Klingnauer Gebieten Hard und Härdli, an der Grenze zu Koblenz, wird derzeit gebohrt. Die Gemeinde hat dazu im Dezember in ihrem Publikationsorgan «Die Botschaft» eine entsprechende Mitteilung publiziert. Die Bohrungen dauern bis Ende Februar und sollen «die Bodenbeschaffenheit und die hydrologischen Verhältnisse» prüfen.

Was heisst das genau? Wonach wird gebohrt, und in wessen Auftrag? Diese Fragen hat die az den Klingnauer Behörden gestellt. Doch weder Gemeindeschreiber Rolf Walker noch Vizeammann Stefan Zurbuchen wollten auf Details zu den Bohrungen eingehen.

Den Hinweis, die Klingnauer hätten das Recht zu erfahren, was auf Gemeindegrund passiert, liess Zurbuchen nicht gelten. Derweil gab es im Städtli Gerüchte: Im Hard habe es sanierungsbedürftige Altlasten, oder die Bohrungen stünden im Zusammenhang mit der Suche nach Tiefenlagerstandorten.

Es geht um eine Kiesgrube

An den Gerüchten ist nichts dran. Bei den Bohrungen geht es um Abklärungen für eine potenzielle Kiesgrube. Elizabeth Jacobs, Geologin beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, bestätigt gegenüber der az, dass im November die Bewilligung für sechs Bohrungen zur «Kiesprospektion» im Klingnauer Hard ausgestellt wurde.

Das Land gehört zwar der Ortsbürgergemeinde Klingnau. Der Bewilligungsantrag wurde aber von der Firma Birchmeier gestellt. «Die Birchmeier Hoch- und Tiefbau AG prüft derzeit diverse potenzielle Kiesabbau-Gebiete im Zurzibiet, um langfristig die Materialversorgung zu sichern», sagt Rolf Zuberbühler, Materialabbau-Berater mit Mandat bei der Birchmeier AG, auf Anfrage. Die Initiative für die Bohrungen sei von der Döttinger Firma gekommen und nicht etwa von der Gemeinde Klingnau. Die Birchmeier AG übernehme auch sämtliche Kosten für die Vorabklärungen.

Fachleute beziffern den finanziellen Aufwand für solche Probebohrungen auf ungefähr 500 Franken pro Meter. Laut dem Kanton wird in Klingnau sechs Mal gebohrt, jeweils etwa 20 bis 40 Meter tief. Das Gebiet Hard ist im kantonalen Richtplan als mögliches Materialabbaugebiet von kantonaler Bedeutung als «Zwischenergebnis» bezeichnet, allerdings noch nicht definitiv festgesetzt.

Das heisst: Sollte sich zeigen, dass im Hard tatsächlich Kies in ausreichender Menge, Qualität und geeigneter Abbautiefe vorhanden ist, müsste zunächst ein Richtplanverfahren durchgeführt werden. Dabei entscheidet der Grosse Rat, ob die Gemeinde das Gebiet Hard als Abbauzone ausscheiden darf.

Ausschlaggebend für den Entscheid sind neben den erwähnten Faktoren unter anderem der regionale Bedarf, die Transportauswirkungen oder die beanspruchte Fruchtfolgefläche. Die Gemeinde kann dann eine Nutzungsplanänderung durchführen, über welche die Gemeindeversammlung schliesslich entscheidet. Das Volk hat auch während des Verfahrens Mitwirkungsmöglichkeiten.

Abbau frühestens in drei Jahren

Laut Jörg Hartmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Raumentwicklung beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt würde es rund drei bis fünf Jahre dauern, bis im «Hard» tatsächlich eine Kiesgrube entsteht. Wenn Klingnau ein Richtplanverfahren anstrebt, müssen laut Hartmann zuerst umfangreiche Grundlagen und zumindest ein generelles Abbauprojekt erarbeitet werden. Für die erforderlichen Verfahren und Entscheide fallen namhafte Planungsinvestitionen an.

Falls im «Hard» wirklich geeignete Kiesvorkommen vorliegen, gehören sie der Ortsbürgergemeinde als Grundeigentümerin. Sie könnte eine Kiesgrube unter Umständen selber betreiben, wie dies zum Beispiel die Ortsbürger in Lenzburg oder Niederlenz machen.

Alternativ kann sie das Abbaurecht an eine Unternehmung wie die Birchmeier Hoch- und Tiefbau AG verkaufen. Rolf Zuberbühler sagt dazu: «Sollte sich herausstellen, dass im Hard ein Kiesabbau möglich wäre, würde die Firma zusammen mit der Gemeinde eine Partnerschaft prüfen.»

Laut Jörg Hartmann vom BVU ist eine Kiesgrube «in aller Regel mindestens 10 Jahre in Betrieb – normalerweise sogar wesentlich länger, 30 Jahre und mehr».