Döttingen
Das neuste Mitglied im Aargauer Grossen Rat: «Ich stehe zu meinem Wort»

Döttingens SVP-Ortspräsident Manuel Tinner ist das neuste Mitglied im Aargauer Grossen Rat. Der Döttinger ist für den zurückgetretenen Walter Deppeler in den Grossen Rat nachgerückt.

Andreas Fretz
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Der Döttinger Grossrat Manuel Tinner will mit gesundem Menschenverstand politisieren. zvg

Der Döttinger Grossrat Manuel Tinner will mit gesundem Menschenverstand politisieren. zvg

Zur geplanten Steuererhöhung in Döttingen vertritt SVP-Ortspräsident Manuel Tinner eine pointierte Meinung. «Sparen statt Steuern erhöhen», lautet die Empfehlung des Grossrats.

In der Vergangenheit sei zu grosszügig Geld ausgegeben worden. Nun seien praktikable Lösungen allfälligen Luxusvarianten vorzuziehen, so Tinner im Badener Tagblatt vom 4. November. «Ich weiss, dass ich mir mit dieser Aussagen nicht nur Freunde mache», sagte der 45-Jährige hinterher, «aber ich bin einer, der zu seinem Wort steht», nennt er einen seiner Charakterzüge.

Am 20. Oktober wurde Tinner als neustes Grossrats-Mitglied vereidigt. Im Aargauer Parlament will der Berufsunteroffizier Spuren hinterlassen. Das Mandat sei eine Herausforderung und eine Verantwortung. «Es ist nicht damit getan, bloss dabei zu sein», sagt Tinner. Er will sich in die Dossiers reinknien und die Abläufe im Rat kennenlernen. Politiker-Kollegen gaben ihm mit auf den Weg, dass dieser Vorgang ein Jahr dauert. «Ein Grossrat benötigt ein gutes Fundament», sagt denn auch Tinner.

Seine erste politische Grundregel lautet: gesunder Menschenverstand. Mal gehe es darum, Gelassenheit zu wahren, mal darum, Hartnäckigkeit an den Tag zu legen. Im Grossen Rat will er sich für jene Themen starkmachen, die die Zurzibieter Bevölkerung und KMU beschäftigen. Die Bildungslandschaft, den Einkaufstourismus und die Verkehrs-Anbindung sieht er als die grössten Herausforderungen.

Prohetisch: Steuererhöhung um 15 Prozent

In Döttingen soll der Steuerfuss auf 110 Prozent steigen. Als Finanzverwalter Viktor Umbricht im Mai nach 35 Jahren in Pension ging, wählte er fast prophetische Worte. Die Axpo-Aktiensteuergelder, lange zwischen 3 und 8 Millionen Franken pro Jahr, füllten die Gemeindekasse und flossen zudem in einen Regionalfonds. Döttingen konnte Schulden abbauen – 1993 waren es 28 Millionen Franken, bei Umbrichts Abgang betrug das Eigenkapital um die 6 Millionen. Von 2008 bis 2012 lag der Steuerfuss bei 60 Prozent. Das sei schon richtig gewesen, sagte Umbricht, man könne ja nicht Steuern auf Vorrat anhäufen. Dann kam die Atomkatastrophe von Fukushima und läutete die Energiewende ein. «Es wurde immer klar kommuniziert, dass die Axpo-Aktiensteuern ein Klumpenrisiko sind», sagte Umbricht im Mai. Dass die Gemeinde sparen muss, hat man kommen sehen. «Ich höre ab und zu im Dorf, man hätte das Geld mit dem Regionalfonds nicht verschenken dürfen», so Umbricht. «Dabei spielt das Vermögen einer Gemeinde gar keine Rolle. Das Haushaltsgleichgewicht muss trotzdem gegeben sein.» (az)

Der Döttinger ist für den zurückgetretenen Walter Deppeler in den Grossen Rat nachgerückt. Der 65-jährige Winzer aus Tegerfelden wollte aus Altersgründen die nächste Amtsperiode nicht mehr in Angriff nehmen. In der Bezirkspartei wurde dann beraten, ob ein frühzeitiger Rücktritt Sinn macht. «Im gegenseitigen Einvernehmen entschieden wir uns dafür», sagt Tinner. Er kann nun bei der kommenden Grossrats-Wahl im Oktober 2016 als «Bisheriger» antreten. Ein geschickter Schachzug, könnte man unterstellen. Tinner glaubt indes nicht, dass der «Bisherigen-Bonus» ein grosser Vorteil ist.

Schliesslich profitierte Tinner aber auch vom freiwilligen Verzicht von Rolf Laube. Der Landwirt und Gemeindeammen von Mellikon erhielt bei der letzten Wahl mehr Stimmen, verzichtete aber auf das Amt aus beruflichen und privaten Gründen. Tinner musste nicht lange überlegen, ob er nachrücken will. «Dafür habe ich 2012 ja kandidiert», sagt er.

Interesse an fremden Ländern

Die ersten Sitzungen im Parlament haben Eindruck hinterlassen. Die Vereidigung beschreibt Tinner als bewegenden Moment. Etwas überrascht hat ihn, dass bereits um 7 Uhr morgens mit der Arbeit begonnen wird, aber vom Militär sei er das «frühe Aufstehen gewohnt». Vom VBS, seinem Arbeitgeber, benötigte er eine Bewilligung für das Grossrats-Amt. Dafür werden ihm nun 15 Tage pro Jahr zur Verfügung gestellt.

Tinner ist es wichtig, die Balance zwischen Arbeit, Politik und Freizeit zu finden. Der Gründer der Döttinger SVP ist Vorstandsmitglied des Spitals Leuggern, des Döttinger Winzerfests und der SVP Bezirk Zurzach. Mit seiner Frau Claudia besucht er gerne fremde Länder. «Ich interessiere mich für Land und Leute», sagt Tinner, «das erlaubt es mir, Vergleiche mit der Schweiz anzustellen.» Positiv überrascht wurde er beispielsweise von Istanbul und Dubai. Diese Städte seien viel weltoffener, als er gedacht habe, gesteht Tinner.