Böttstein
Das Mühlenrad beim Schloss soll wieder auferstehen

Eine Arbeitsgruppe will eines der grössten Wasserräder Europas wiederherstellen. Denn das Mühlenrad wurde 1973 stillgelegt und befindet sich heute in einem schlechten Zustand.

Angelo Zambelli
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Das beeindruckende Mühlenrad steht seit 1973 still. Angelo Zambelli

Das beeindruckende Mühlenrad steht seit 1973 still. Angelo Zambelli

In einer privaten Liegenschaft am Schlossweg in Böttstein befindet sich eines der grössten Wasserräder Europas. Es weist einen Durchmesser von rund 10 Metern auf und wurde 1973 mit der Einstellung des Mühlenbetriebs stillgelegt.

Bei einem Augenschein 2009 stellte die Kantonale Denkmalpflege fest, dass sich das kantonal geschützte Mühlenrad aufgrund des Stillstandes und das dazugehörige Backhaus in einem desolaten Zustand befinden. Auf ihre Anregung hin hat sich inzwischen eine Arbeitsgruppe gebildet. Sie versucht, das Wasserrad zu retten und auf irgendeine Weise wieder in Betrieb zu nehmen. «Dabei ist die Frage der Nutzbarkeit des ehemaligen Backhauses und des Mühlenrades ebenso zu beantworten wie die Wahrung der Privatsphäre der Eigentümer der Liegenschaft», sagt Philipp Schneider von der Kantonalen Denkmalpflege.

Der Arbeitsgruppe gehören die Gemeinde Böttstein, die Eigentümerin der Liegenschaft, die historische Vereinigung des Bezirks Zurzach, die Kantonale Denkmalpflege sowie mehrere Privatpersonen an, denen der Erhalt des Wasserrades am Herzen liegt.

Mühlenrad soll wieder drehen

Die Arbeitsgruppe möchte erreichen, dass sich das seit 40 Jahren stillstehende Mühlrad wieder dreht. «Dazu müssen aber auch der Unterhalt der Wasserwirtschaft für den Mühlenbetrieb und der Erhalt und Unterhalt der technischen Gesamtanlage gewährleistet sein», sagt Schneider. Eine Besonderheit der Mühleanlage beim Schloss Böttstein ist die Wasserzuleitung: Vom Quellgebiet «Nünbrünne» wird das Wasser über künstliche Holzleitungen zum Mühleweiher geführt. Von diesem Ausgleichsbecken gelangt es dann zu den Mühlenrädern.

Für die Arbeitsgruppe ist die Finanzierung des Projekts «Instandstellung der Böttsteiner Getreidemühle» das grösste zu überwindende Hindernis. Denkmalpfleger Philipp Schneider schätzt den Bedarf auf mehrere hunderttausend Franken. Die kantonale Denkmalpflege würde sich an einer Restaurierung beteiligen. Trotzdem bleibt eine erhebliche Finanzierungslücke. Allein für die Restaurierung des Mühlenrades muss mit Kosten von rund 80 000 Franken gerechnet werden. Konkrete Pläne, wie die benötigten Mittel beschafft werden können, bestehen noch nicht. Doch trägt man sich innerhalb der Arbeitsgruppe mit dem Gedanken, das Geld über Sponsoring aufzutreiben und die Kosten mit Freiwilligenarbeit möglichst tief zu halten. Als Möglichkeit im Gespräch ist der Einsatz von Zimmermann-Lehrlingen beim Neuaufbau des Mühlenrades.

Die Geschichte der Mühle

Die ehemalige Getreidemühle in Böttstein steht in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ölmühle und zu der ihr angegliederten Sägemühle. Zusammen mit diesen ebenfalls von Wasserkraft betriebenen Gewerbebetrieben bilden die einstige Getreidemühle und die zugehörigen Nebengebäude (Stallscheune und Backhaus) eine geschlossene Gruppe ländlicher Gewerbebauten. Sie sind als kommunale Schutzobjekte in der Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde Böttstein als Substanzschutzobjekte aufgeführt.

Die erste urkundliche Erwähnung der Böttsteiner Mühlen geht auf das Jahr 1389 zurück. 1835 erwarb Jakob Geissberger die Mühlen, die in einem baulich sehr schlechten Zustand waren, und baute sie um. Mit der Einstellung des Betriebs 1973 hatte die Mühle ihren einstigen Zweck verloren. Die Mühle-Einrichtung im Mahlraum wurde zwischen 1989 und 2002 entfernt und der Mahlkeller in den Folgejahren zum Wohnraum umgebaut und umgenutzt.

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