Bad Zurzach
Das LATZ machts möglich: Geheimagenten in der Oberen Kirche

Das Laientheater LATZ spielt «Thé vo drüü alte Dame» nach dem Roman von Friedrich Glauser. Der Spielort ist mit der Oberen Kirche von Bad Zurzach aussergewöhnlich.

Rosmarie Mehlin (Text und Foto)
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Daniela Burkhardt, Carmen Moser, Erich Haller und Lukas Wopmann.
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Lukas Wopmann als Friedrich Glauser an der Reiseschreibmaschine.
Latz spielt «Thé vo drüü alte Dame»
Daniela Burkhardt, Rita Güntensperger und Roger Schneider.
Daniela Burkhardt, Lukas Wopmann und Hansueli Rohner.
Carmen Moser, Mario Geng und (am Boden) Lukas Wopmann.

Daniela Burkhardt, Carmen Moser, Erich Haller und Lukas Wopmann.

Rosmarie Mehlin

Vor dem Chor in der Oberen Kirche steht eine Tribüne. Die Leuchter an der Decke sind vermummt, stattdessen hängen und stehen zahlreiche Scheinwerfer im Raum. In der Mitte stehen auf einem Podest ein Stuhl, ein Tisch und darauf eine Reiseschreibmaschine. Sphärische Klänge ertönen und weisse Stellwände, vereinzelt mit Schildern «Apotheke», «Bar», «Büro Martinet» versehen, geistern durch den Raum ...

Das Laientheater Zurzach, LATZ, hat erneut einen aussergewöhnlichen Spielort ausgewählt. «Thé vo drüü alte Dame» hatte am Mittwoch in der Kirche Premiere. Der Oltner Philipp Engelmann hatte aus Friedrich Glausers erstem, 1940 entstandenem Kriminalroman ein Theaterstück verfasst, LATZ hat es ins Schweizerdeutsche übertragen. Genau genommen in ein Sprachgemisch von reinem Dialekt und solchem mit englischen, französischen und russischen Akzenten.

Rätsel über Rätsel

Wer die Figuren sind und wie sie heissen, steht in grossen Lettern auf deren schwarzen oder weissen Kitteln, Hemden, Pullovern. Zwei von ihnen schlüpfen gar fliegend in verschiedene Rollen. Was der Titel «Thé vo drüü alte Dame» impliziert – ein Krimi zu sein etwa wie der einer Agatha Christie –, entpuppt sich rasch als Täuschung. Denn Glauser hat in seinem Roman ein ureigenstes Giftsüppchen aus Spionage, Parapsychologie, Geldgier, Drogensucht und Okkultismus – abgeschmeckt mit autobiografischen Zügen – gemischt.

Das Ganze handelt nach dem Ersten Weltkrieg in Genf. Getarnte englische und amerikanische Geheimagenten, ein dubioser Russe, ein morphiumsüchtiger Professor, ein rechtsradikaler Staatsanwalt, ein vergifteter Homosexueller sind nur einige von vielen rätselhaften Figuren, die während zweieinhalb Stunden die Obere Kirche bevölkern. Sie lösen in kurzen Szenen im Zuschauer immer neue Fragen aus: Wer verfolgt hier welche Interessen? Was hat es mit den Ölquellen und mit dem angeschossenen Maharadscha auf sich? Was mit dem erlauchten Meister vom goldigen Himmel? Um nur einige zu nennen.

LATZ-Hausregisseur Heinz Schmid und Christine Bosshard als Raum- und Kostümgestalterin haben sich mit viel Aufwand bemüht, die verwirrende Handlung, gepaart mit den enorm raschen Szenenwechseln, zu einem Ganzen zu fügen. Das ist, dank einigen sehr guten Einfällen, aber leider auch durch Überflüssiges, nur teilweise geglückt. Warum beispielsweise heissen auf der Redaktion der «Zürcher Illustrierten» alle Wirz und warum hängen sie Manus-Blätter wie Wäsche auf? Warum sind die Kommissare sozusagen ein doppeltes Lottchen? Warum muss Regierungsrat Martinet sich in Unterhosen präsentieren? Unnötige Mätzchen, die ablenken und zusätzlich verwirren.

Die 15 Mitwirkenden sind mit Leidenschaft bei der Sache. Zwar glückt es nicht allen gleich gut, ihren Figuren Profil und Glaubwürdigkeit zu verleihen, doch es wurde spürbar hart gearbeitet und gefeilt. Die Frage allerdings steht im Raum: Warum dieses Stück, dem es an Dramaturgie, Spannung und packenden Dialogen fehlt? LATZ hat seine Ambitionen schon mehrfach unter Beweis gestellt, besonders mit Stücken von Hürlimann, Horváth, Gombrowicz. Nebst der unglücklichen Stückwahl reicht diesmal das «Material» der Laientruppe für den Höhenflug leider nicht ganz aus.

Weitere Vorstellungen bis 31. Oktober. www.latz-theater.ch

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