Leibstadt
Das denkt der Ingenieur von KKL Leibstadt zu den Ereignissen in Japan

Ulrich Schläppi, Ingenieur beim Kernkraftwerk Leibstadt, schildert seinen Arbeitsalltag im Schatten des Atom-GAUs von Japan. Er sei «angespannt» und verspüre eine gewisse «Ohnmacht».

Nadine Böni
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Pikettingenieur Ulrich Schläppi am Kommandopult im KKL. ZVG Pikettingenieur Ulrich Schläppi am Kommandopult im KKL. ZVG

Pikettingenieur Ulrich Schläppi am Kommandopult im KKL. ZVG Pikettingenieur Ulrich Schläppi am Kommandopult im KKL. ZVG

Herr Schläppi, welchen Einfluss hat die Katastrophe in Japan auf Ihre Arbeit?

Ulrich Schläppi: Wir sind natürlich alle angespannt. Die Ereignisse in Japan – das Erdbeben, der Tsunami und die davon betroffenen Reaktoren in Fukushima – gehen uns im Kopf herum und wir versuchen, aus den Informationen, die uns erreichen, etwas herauszulesen.

Wie geht es Ihnen dabei?

Schläppi: Mich plagt jetzt nicht jeden Morgen ein mulmiges Gefühl. Eine gewisse Ohnmacht ist aber schon vorhanden, weil die Katastrophe so weit entfernt ist und man nicht helfen kann. Wir müssen allerdings auch versuchen, uns bei der täglichen Arbeit nicht allzu sehr ablenken zu lassen.

Sie kontrollieren also auch Ihren Dosimeter nicht öfter?

Schläppi: Nein, wir tragen die Dosimeter weiterhin nur in den vorgeschriebenen Bereichen, also in der so genannt kontrollierten Zone des Kernkraftwerks Leibstadt. Die Dosimeter sind mit einem Alarm ausgestattet, den wir hören würden. Vermehrtes Nachschauen bringt nichts.

In Japan werden Jodtabletten verteilt. Haben auch Sie welche in der Tasche?

Schläppi: Nein. Die Jodtabletten werden verschlossen aufbewahrt. Sie sind für die Anwendung bei akuter Strahlengefahr vorgesehen. Es macht deshalb auch keinen Sinn, Tabletten immer in der Tasche zu haben.

Wie sieht es mit einem Notfallplan für Ihre Familie aus?

Schläppi: Spezielle Sicherheitsmassnahmen oder gar Evakuationspläne waren bei uns in der Familie nie ein Thema. Wir haben uns weder vor der Katastrophe in Japan damit beschäftigt, noch tun wir das jetzt. Wir würden uns an die Anordnungen der Behörden halten, so wie wahrscheinlich alle anderen auch. Im Kollegenkreis ist Japan dahin gehend ein Thema, dass diejenigen, die wissen, wo ich arbeite, mir entsprechende Fragen stellen.

Was für Fragen sind das?

Schläppi: Es sind dieselben, die auch die Medien am meisten interessieren. Welche Erdbebenstärke halten die hiesigen Reaktoren aus? Und: Ab welcher Strahlenstärke wird es gefährlich?