Bad Zurzach
Das Buch «Zurzibieter Zeitgeschichten» erzählt aus dem prallen Leben

In «Zurzibieter Zeitgeschichten» erzählen 39 ältere Männer und Frauen, wie es damals war, von harter Arbeit und zärtlicher Liebe, von Glück und Pech eines langen Lebens. Am Samstag fand die Vernissage statt.

Rosmarie Mehlin
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Impressionen von der Vernissage des Buches Zurzibieter Zeitgeschichten
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Während des Apéros fanden viele Ausgaben der "Zurzibieter Zeitgeschichten" einen neuen Besitzer.
Das Buch stiess beim Publikum bereits während der Vernissage auf reges Interesse.
Gastrednerin Ursula Hürzeler während ihrer Rede.
Hugo Schumacher (links) ist einer der Portraitierten im Buch "Zurzibieter Zeitgeschichten". Dafür wurde er von seinem Enkel Elias Meier (rechts) interviewt.
Gastrednerin Ursula Hürzeler und im Vordergrund das Buch "Zurzibieter Zeitgeschichten"
Der Kinderchor der Musikschule Bad Zurzach sorgte für die musikalische Untermalung der Buchvernissage.
Hansueli Fischer, Aktuar des Vereins Zurzibieter Rückspiegel 2015, kündigt Gastrednerin Ursula Hürzeler an.
Edith Schlicht, Präsidentin des Vereins Zurzibieter Rückspiegel 2015, präsentiert an der Vernissage das Buch "Zurzibieter Zeitgeschichten", während ihrer Rede.
Der Kinderchor der Musikschule Bad Zurzach sorgte für die musikalische Untermalung der Buchvernissage.
Der Kinderchor der Musikschule Bad Zurzach sorgte für die musikalische Untermalung der Buchvernissage.
Der Kinderchor der Musikschule Bad Zurzach sorgte für die musikalische Untermalung der Buchvernissage.
Impressionen von der Buchvernissage.
Edith Schlicht, Präsidentin des Vereins Zurzibieter Rückspiegel 2015, präsentiert an der Vernissage das Buch "Zurzibieter Zeitgeschichten", während ihrer Rede.

Impressionen von der Vernissage des Buches Zurzibieter Zeitgeschichten

Fabio Baranzini

«S’isch mer alles äis Ding, ob i lach oder sing...», sangen die Buben und Mädchen, und als es weiterging mit «...han es Härzeli, wie nes Vögeli», da glänzten die Augen der Frauen und Mannen im Gemeindezentrum Langwies. Die meisten haben wohl innerlich mitgesungen.

Mit Liedern, die Grossvater und -mutter durch ihre Jugendzeit begleitet hatten, zauberte der Kinderchor der Musikschule Bad Zurzach unter Leitung von Jörg Hoffarth am Samstagnachmittag gleich zu Beginn die passende Atmosphäre in den Saal. Dort wurde ein «Baby» – 30 Zentimeter hoch, 21 Zentimeter breit, 204 Seiten dick und ein Kilo schwer – aus der Taufe gehoben.

Ein Buch ist es, mit dem Namen «Zurzibieter Zeitgeschichten», und 39 Porträtaufnahmen zieren sein Äusseres. Es sind Gesichter mit Falten, Ecken und Kanten von 16 Frauen und 23 Männern – jedes einzelne geprägt von Freuden und Schmerzen, von harter Arbeit und zärtlicher Liebe, von Glück und Pech eines langen Lebens.

Die 39 Gesichter laden ein, einzutauchen in Geschichten, die Geschichte erzählen. «Das Alter ist für mich kein Kerker, sondern ein Balkon, von dem man zugleich weiter und genauer sieht», zitiert Landammann Urs Hofmann die deutsche Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz in seinem Vorwort, das er mit dem Satz schliesst, das Buch sei «ein Stück Zeitgeschichte, aber auch ein Stück Heimat zwischen zwei Buchdeckeln – vom Balkon des Lebens aus betrachtet.»

Zöpfe, Schürze, Ochsengespann

Ein rundes Vierteljahrhundert nach dem letzten Rückspiegel hat der Verein Zurzibieter Rückspiegel 2015 das Buch innert zwei Jahren konzipiert, realisiert und herausgegeben. Mit wenigen Ausnahmen waren die Autorinnen und Autoren an der Vernissage anwesend – sichtbar glücklich, zufrieden und sehr zu Recht auch ein bisschen stolz.

Die in Zurzach aufgewachsene Radio-Redaktorin und –Moderatorin Ursula Hürzeler betonte denn auch in ihrer Ansprache, «Zurzibieter Zeitgeschichten» seien eine «Fundgrube von Höhenflügen und Tragödien, die mich richtig ‹iinezoge hän›. Danke für all diese Einblicke ins pralle Leben.»

Allein schon die zahlreichen alten Fotografien sprechen Bände: Gerätschaften, Häuser, Kleidung – das Ochsengespann, der Kavallerist hoch zu Ross, das Mädchen mit Zöpfen und Schürze, die handbetriebene Druckspritze der Feuerwehr, das Verlobungsbild des italienischen Immigrantenpaares.

Auch einige Zugewanderte, die seit Jahrzehnten im Bezirk leben, erzählen aus ihrem Leben, neben den Einheimischen aus allen Ecken des Zurzibiets. Bauern und Bäuerinnen sind darunter, eine 95-jährige ehemalige Wirtin aus Fisibach, ein 82-jähriger Goldschmied aus Rekingen, ein 91-jähriger Tierarzt aus Endingen, ein 92-jähriger Atomphysiker aus Schneisingen, eine 88-jährige Barrierewärterin aus Rümikon...

Verzolltes Gebiss

Die Lebenswege all dieser Menschen sind nicht nur sehr spannend zu lesen, sie gehen auch ans Herz. Manche machen betroffen, wenn sie von den Ängsten und Entbehrungen der Kriegsjahre oder von dem harten Arbeitsalltag berichten.

Andere lassen schmunzeln, wie die Anekdote des 79-jährigen pensionierten Grenzwächters Hans Strub aus Koblenz: «Einmal kam ein Reicher aus Zürich, der sich bei einem deutschen Zahnarzt ein neues Gebiss machen liess und damit plagierte. Dem hab ich die ‹Schnörre› verzollt.»

Oder wenn Elias Meier seinen Grossvater, den ehemaligen Direktor vom KKW Leibstadt, Stadtammann von Klingnau und Grossrat Hugo Schumacher (86) interviewt und als erstes wissen will, «wie das war, als es noch keine Handys gab».

Mit der Feststellung «Die Autorinnen und Autoren haben nicht die Asche, sondern vom Feuer ihres Lebens weitergegeben», brachte Edith Schlicht, die Präsidentin des Vereins Zurzibieter Rückspiegel 2015, den Wert des Buches auf den Punkt. Die Authentizität der Erzählungen lassen soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Dokumente zu Kostbarkeiten werden.

«Zurzibieter Zeitgeschichten» Bezugsquellen: Pro Senectute Beratungsstelle Bezirk Zurzach, Bad Zurzach (info@ag.pro-senectute.ch) oder Bürli AG, Döttingen.

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