Bad Zurzach
Dank eines Zufalls: Dieser Aargauer Metzger findet im letzten Moment einen Nachfolger

Konkurrenz der Handelsketten, fehlende Fachkräfte oder Nachfolger: Immer mehr Metzgereien schliessen – auch im Zurzibiet. Eine Ausnahme ist die letzte Metzg im Hauptort.

Daniel Weissenbrunner
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Die einen treten ab, für die anderen beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Mathias und Rita Arnold (links) mit ihren Nachfolgern Christian und Sabine Traub.

Die einen treten ab, für die anderen beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Mathias und Rita Arnold (links) mit ihren Nachfolgern Christian und Sabine Traub.

Dorfmetzgereien sind zunehmend vom Aussterben bedroht. Im Aargau verschwanden in den letzten zehn Jahren rund 30 Prozent der Betriebe, rechnet der Präsident des Aargauer Metzgereimeisterverbands, Markus Bolliger, vor. Heute zählt der kantonale Verband noch 78 Mitglieder. «Die Talsohle ist dabei noch nicht erreicht», befürchtet Bolliger. Er hat die Entwicklung selber miterlebt. Als er das Geschäft von seinem Vater übernahm, gab es in seiner Wohngemeinde Reinach noch acht Metzgereien. Heute ist er der Letzte.

Gründe für das Ende der kleinen Fachgeschäfte ist die Konkurrenz der grossen Handelsketten, die fehlende Nachfolge oder der Mangel an Fachkräften. Davon betroffen waren in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Metzgereien im Bezirk Zurzach. Aktuell gibt es noch fünf.

Eine ist die Metzgerei Arnold in Bad Zurzach. Inhaber Mathias Arnold ist mit der Problematik in der Branche bestens vertraut. Seit über 30 Jahren führt er mit seiner Frau Rita das Geschäft im Bezirkshauptort. Kommenden Samstag ist nun Schluss. Das Ehepaar Arnold empfängt seine Kundschaft zum letzten Mal, dann gehen die beiden, er 62, sie 59, offiziell in Pension. Im Unterschied zu vielen anderen Metzgereien wird der Betrieb im Flecken am Leben erhalten. «Die Arnolds haben sehr viel Glück gehabt», sagt Markus Bolliger.

Der Zufall spielte mit

Mathias und Rita Arnold sind sich dessen bewusst. Zwei Jahre haben die beiden intensiv gesucht. In der Fachpresse haben sie Inserate geschaltet, ohne dass sich ein Interessent gemeldet hätte. Im Wissen um die schwierige Situation, in der sich die Branche befindet, haben die Arnolds frühzeitig nach einer Nachfolge Ausschau gehalten. Ihre beiden Söhne kamen für die Weiterführung des Betriebs nicht infrage, weil sie beruflich eine andere Richtung eingeschlagen haben.

«Die Branche hat ein strukturelles Problem», sagt Mathias Arnold. Es werde immer weniger Fleisch gegessen, es werden immer weniger Lehrlinge ausgebildet, und deswegen gebe es auch immer weniger Fachkräfte. Es war schliesslich einem Zufall zu verdanken, dass bei den Arnolds doch noch jemand anklopfte. Und das im wahrsten Sinn des Wortes: Letzten Sommer waren Christian Traub und seine Frau Sabine in Bad Zurzach und sahen im Aushang der Metzgerei an der Hauptstrasse 35 ein Plakat «Nachfolge gesucht». So entstand der Kontakt.

Während Christian Traub, selber gelernter Metzger, sich für die Idee rasch begeistern konnte, war Sabine Traub zunächst skeptisch. Zu gross erschien ihr das Risiko. Ihre Zurückhaltung kommt nicht von ungefähr. Sie kennt die Sorgen und Nöte des Gewerbes bestens. Traub entstammt einer Metzgerei-Dynastie in Wettingen.

Nach zahlreichen Gesprächen und dem Abwägen der unternehmerischen Risiken kam die Einigung dennoch zustande. Die Arnolds bleiben Besitzer der Liegenschaft, die Traubs, die zuletzt in Klingnau wohnten, ziehen in die Wohnung über der Metzgerei. Sie werden Pächter, übernehmen die gesamte Infrastruktur und die Angestellten. Mathias und Rita Arnold haben ihren Nachfolgern zugesichert, falls erwünscht, beratend zur Seite zu stehen.

Vielversprechende Ausgangslage

Nächsten Mittwoch feiern die Traubs Wiedereröffnung. Die Ausgangslage, den Betrieb erfolgreich weiterzuführen, scheint dabei vielversprechend. Die Zurzi-Metzg, wie sie neu heisst, verfügt über einen breiten Kundenstamm. Das habe sich gezeigt, als nach dem Frankenschock vor drei Jahren die Leute der Metzgerei trotz der Versuchung des günstigeren Auslands die Treue hielten und der Umsatz sogar gesteigert werden konnte.

Kantonalpräsident Markus Bolliger hört das mit Genugtuung. Es sind Good News für einen Zweig, der vielerorts um die Existenz kämpft. «Uns wird es so lange geben, wie der Kunde uns will.» In Bad Zurzach scheint das der Fall zu sein.