Region
Damit die Franken im Land bleiben

Im Kampf gegen den Einkaufstourismus sind innovative Ideen gefragt – wie in Bad Zurzach und Eglisau. Angebote wie die Zurzicard sollen dafür sorgen, dass auch in der Schweiz gern eingekauft wird.

Nadja Rohner und Dorothee Neururer (Südkurier)
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Derzeit sind fast 4000 Exemplare der vor 5 Jahre lancierten «Zurzicard» im Umlauf.

Derzeit sind fast 4000 Exemplare der vor 5 Jahre lancierten «Zurzicard» im Umlauf.

ZVG/Creaocchio

Nicht nur das Zurzibiet, auch andere Regionen entlang des Rheins kämpfen mit dem Einkaufstourismus. Einen neuen Weg in diesem Kampf beschreitet nun Eglisau – ein 5000-Seelen-Dorf im Kanton Zürich, nur wenige Kilometer von der Aargauer Grenze entfernt, direkt am Rhein. Die Gemeinde widersetzt sich dem Geldabfluss nach Deutschland mit einer in der Schweiz bisher wohl einzigartigen Kampagne: «Eglisauer Einkaufsgeld mit Mehr-Wert» heisst die Aktion.

Dabei können Eglisauer Einwohner bei ihrer Gemeindeverwaltung Einkaufsgutscheine im Wert von 200 Franken für nur 160 Franken beziehen. Damit können sie in vielen einheimischen Geschäften einkaufen und profitieren von weiteren Rabattvorteilen. Etwa 50 Klein-und Mittelbetriebe nehmen teil – vom Coiffeur bis zum Landmaschinenmechaniker. Die Aktion dauert bis Ende Oktober und wird von der Gemeinde mit 50 000 Franken unterstützt.

Laut Initiantin und Gemeindepräsidentin Ursula Fehr wurde die Kampagne im Ort positiv aufgenommen. Aber naiv ist man in Eglisau keineswegs. Man weiss, dass die Einkaufsströme nach Süddeutschland auf diese Weise nicht nachhaltig abnehmen werden.

Fehr geht es primär darum, dass man auf die eigenen Vorteile und den Mehrwert des heimischen Gewerbes hinweist, anstatt sich zu beklagen. Dabei könne es sich auch um Kleinigkeiten handeln: «Man erfährt, dass eine neue Apotheke im Städtchen eröffnet hat, oder dass es im Lebensmittelladen diese oder jene Aktion gibt.

Vielleicht wird einem aber auch der Vorteil der räumlichen Nähe wieder bewusst: Man kann auch mal die Kinder zum Einkaufen schicken. Es muss nicht sein, dass man immer in das grosse Shoppingcenter jenseits der Grenze fährt.»

Und schliesslich will Fehr mit ihrer Idee «die Leute zum Nachdenken über eine gesunde dörfliche Struktur bewegen». Die Kampagne hat offenbar einen Nerv getroffen: Fehr bekam Anfragen von verschiedenen Gemeinden in der Region, und sogar aus dem Tessin – alle interessieren sich für das Eglisauer Einkaufsgeld-Prinzip.

Zurzibiet hat die «Zurzicard»

National ist das Problem klein, regional gross

Hans Fehr, SVP-Nationalrat und Ehemann von Eglisaus Präsidentin Ursula Fehr, geht das Thema Einkaufstourismus auf Bundesebene an: Er hat vorgeschlagen, der Bundesrat solle mit den deutschen Behörden darüber verhandeln, dass die Mehrwertsteuer nicht mehr oder nur teilweise an Schweizer erstattet wird. Fehrs Credo: «Man soll dort Mehrwertsteuer zahlen, wo man einkauft».
Allein in Konstanz wird während der Geschäftszeiten alle drei Sekunden ein Ausfuhrschein abgestempelt. An der gesamten Grenze von Basel bis Konstanz wurden letztes Jahr 11,7 Millionen Ausfuhren aus Deutschland verzeichnet. Bertram Paganini von der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee betont jedoch: «Von 100 Franken, die ein Schweizer im Detailhandel ausgibt, landen lediglich 6 bis 7 Franken im süddeutschen Einzelhandel. Für die süddeutschen Grenzstädte liegen die Umsatzanteile aus der Schweiz dennoch bei 30 bis über 40 Prozent. (NRO)

Mit dieser persönlichen Kundenkarte profitieren Kunden von Rabatten und Spezialangeboten bei Detailhändlern, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben – fast 50 Firmen machen mit. Zudem können Punkte gesammelt werden: Für jeden Franken, den die Zurzibieter bei den Partnerbetrieben der Zurzicard ausgeben, gibt es einen Punkt. Dieser hat den Gegenwert von 1,5 Rappen. Zum Vergleich: Bei der Coop-Supercard gibt es lediglich 1 Rappen pro Punkt.

Zum 5-Jahr-Jubiläum zieht Josef Haus, Vizepräsident des Gewerbevereins Rheintal-Studenland, Bilanz: «Die Erfahrungen mit der Zurzicard sind sehr gut. Mittlerweile sind fast 4000 Karten im Umlauf, die rege benutzt werden.» Jährlich würden weit über 50 000 Franken an Gutscheinen in den Geschäften eingelöst – und erzielen ihrerseits auch wieder Umsatz. «Also eine wirklich gute Sache. Es lohnt sich, hier einzukaufen und zu punkten.»

«Hier wohne ich, hier kaufe ich ein»

Haus ist es ein Anliegen, mehr Leute dazu zu bewegen, im Ort einzukaufen. So habe er letztes Jahr den Geschäften Plakate geliefert, um diese in den Schaufenstern auszuhängen: «Hier wohne ich, hier kaufe ich ein», lautet die Botschaft.

«Hoffen wir, dass wir so dem einen oder andern bewusst machen können, dass man unser einheimisches Gewerbe unterstützen sollte», sagt Haus. «Klagen, dass so viele Geschäfte schliessen, bringt nichts. Jedermann muss sich bewusst machen, dass das Gewerbe nur überstehen kann, wenn er hier einkauft.»

Zu attraktivem Wohnen gehörten auch Läden und Handwerker, Bahn und Post, Banken, der «Zurzibus» und vieles mehr, so der Gewerbevereins-Vizepräsident. Und er betont: «Wer das einheimische Gewerbe unterstützt und die Umsätze ankurbelt, hilft mit, dass unsere Söhne und Töchter im Zurzibiet einen Ausbildungsplatz finden können. Wir Gewerbetreibenden sind jenen, die das heute schon machen, sehr dankbar.»

Den Ansatz der Eglisauer findet Josef Haus zumindest interessant. «Natürlich ist das eine tolle Aktion der Gemeinde Eglisau, und gerne mache ich diesen Vorschlag auch unserem Gemeinderat. Aber unsere Gemeindefinanzen sind derzeit mit vielen anderen wichtigen Projekten schon sehr belastet.» Man hoffe, dass die grossen Märkte, die jeweils Besucher von weit her anziehen, Kunden auch für den normalen Wocheneinkauf nach Bad Zurzach locken. Zudem suche man derzeit nach Möglichkeiten, den Flecken zu beleben.