Fusion
«Damals war dieser Gedanke revolutionär» – jetzt wird die Gemeinde Surbtal wieder zum Thema

Endingen, Lengnau und Tegerfelden arbeiten bereits eng zusammen – und könnten noch näher zusammenrücken, auch mit Schneisingen. Am Stammtisch wird die «Fusion Surbtaler Gemeinden» schon lange diskutiert.

Stefanie Garcia Lainez
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Die grosse Frage sei, ob sich Schneisingen an den Gesprächen beteiligen würde.

Die grosse Frage sei, ob sich Schneisingen an den Gesprächen beteiligen würde.

Sandra Ardizzone

Wenn die acht Rheintaler Gemeinden per 2022 fusionieren, gibt es im Aargau noch 200 Gemeinden. Vor elf Jahren waren es noch 229. Das zeigte Regierungsrat Urs Hofmann vergangene Woche an einer Gemeindetagung auf. Bald könnte die Gemeindelandschaft noch mehr schrumpfen. Eine Fusion zwischen den vier Gemeinden Tegerfelden, Endingen, Lengnau und Schneisingen wird schon lange an den Stammtischen diskutiert. Ab 2022 könnte eine mögliche Grossgemeinde Surbtal wieder auf den Tisch kommen. Dies zumindest könnte man in die Aussagen des Endinger Ammanns Ralf Werder hineininterpretieren, der sich kürzlich zum Thema «Fusion Surbtaler Gemeinden» äusserte.

«Dass eine mögliche Fusion weiterhin auf der Agenda ist, versteht sich von selbst», meint Ralf Werder.

«Dass eine mögliche Fusion weiterhin auf der Agenda ist, versteht sich von selbst», meint Ralf Werder.

Severin Bigler

Werder informierte in einem Live-­Stream über die Gemeindevorlagen und äusserte sich unter «Verschiedenes» aufgrund von Anfragen aus der Bevölkerung dazu. Er erklärte, dass die Gemeinderäte von Tegerfelden, Endingen und Lengnau 2017 beschlossen hätten, in der aktuellen Legislaturperiode 2018/21 keine Gespräche von Seiten der Behörden starten zu wollen. Dies, weil Projekte der Perspektive Surbtal noch nicht abgeschlossen seien. Auf Nachfrage sagt Ralf Werder: «Dass das Thema weiterhin auf der Agenda ist, versteht sich von selbst.»

Quelle: Statistik Aargau/Karte: elc

Denn mit der Perspektive Surbtal besteht bereits eine enge Zusammenarbeit der drei Gemeinden: mit dem Kommunikationsorgan «Surbtaler», der Feuerwehr Surbtal sowie der regionalen ­Finanz-, Bau- und Steuerverwaltung. Schneisingen beteiligt sich punktuell, beispielsweise beim regionalen Sozialdienst. «Diese Zusammenarbeit ist einzigartig im Kanton und hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt», sagt der Lengnauer Ammann Franz Bertschi.

«Das letzte Wort liegt beim Volk»

Dass sich drei Gemeinden auf ein gemeinsames Personalreglement einigen könnten, über das diesen Sonntag abgestimmt wird, sei nicht selbstverständlich. «Das ist ein gutes Zeichen für eine mögliche Fusion», so Bertschi. Und Ralf Werder ergänzt: «Irgendwann werden wir den Tipping-Point erreichen, an dem wir uns entscheiden müssen, wie es weitergeht.» Welcher der richtige Weg sei für die Zukunft, ob die bereits erfolgreiche Zusammenarbeit oder eine Fusion. «Zuerst stehen im nächsten Herbst aber Neuwahlen an.» Erst wenn die neuen Zusammensetzungen in den Gemeinderäten feststünden, könne mit Gesprächen begonnen werden. Diese sollen auch Schneisingen offenstehen. Der Endinger Ammann stellt jedoch klar: «Wir lancieren jetzt keinen Fusionsturbo. Und das letzte Wort liegt beim Volk.»

«Vision Zurzibiet» sieht vor: Drei Täler, drei Gemeinden

Erfahrung mit dem Thema Fusion hat die Gemeinde bereits: Seit 2014 sind Unterendingen und Endingen offiziell vereint. Damals hatten Fusionen einen schweren Stand. So erteilten ein Jahr zuvor die Döttinger der Liaison mit Klingnau eine Absage. Auch Fusionsgespräche zwischen Schneisingen und Siglistorf oder zwischen Bad Zurzach und Rietheim scheiterten.

Heute weht ein anderer Wind: Die Fusion im Rheintal zeigt, dass sogar ein Zusammenschluss von acht Gemeinden möglich ist – und die Vision Zurzibiet von 2011, in der sich der Gemeindeverband ­Zurzibiet Regio grundsätzlich für drei Täler und drei Gemeinden entschied, nicht nur reine Zukunftsmusik ist.

Mit Schneisingen mehr als 8000 Einwohner

Klar hinter einer Fusion steht der Tegerfelder Gemeindeammann Reto Merkli. Schon vor mehr als dreissig Jahren, als er zum ersten Mal Ammann in Tegerfelden war, habe er die Zusammenlegung von der Feuerwehr oder der Finanzen kommen sehen. «Damals war dieser Gedanke aber revolutionär.» Zwar würde eine Fusion die Gemeinden finanziell nicht merklich entlasten. «Aber Gremien wie der Gemeinderat oder die Kommissionen könnten einfacher besetzt werden», ist er überzeugt.

Auch hätte eine 6500 Einwohner zählende Gemeinde mit und 3170 Hektaren als flächenmässig grösste Gemeinde im Aargau auf kantonaler Ebene eine stärkere Stimme als jedes Dorf für sich. Wird auch Schneisingen dazu gerechnet, käme eine Grossgemeinde Surbtal gar auf mehr als 8000 Einwohner. «Die grosse Frage ist, ob sich Schneisingen an den Gesprächen beteiligen würde.»

Auch Ehrendingen müsse bei Fusionsgesprächen dabei sein

Im Dorf an der Zürcher Grenze steht man dem offen gegenüber. «Bei einer Anfrage würden wir sicher nicht Nein sagen», sagt Ammann Adrian Baumgartner. Dass zuerst die Neuwahlen abgewartet werden, begrüsst er. Eine neue Zusammensetzung könne entscheidend sein, wie stark Fusionsgespräche vorangetrieben würden. «Auch müsste Ehrendingen mit ins Boot ­geholt werden», sagt Baumgartner.

Er stellt aber klar: «Eine Fusion ist für uns nicht zwingend. Wir müssten sicher die Chancen und Risiken abwägen.» Ausserdem habe der Gemeinderat in der letzten Legislaturwerkstatt 2018 entschieden, möglichst eigenständig zu bleiben. Eine weitere Werkstatt in diesem Jahr, die sich nur dem Thema regionale Zusammenarbeit hätte widmen sollen, musste wegen Corona abgesagt werden. Die Gemeinde sei gut aufgestellt. Zum einen personell mit der ­Verwaltung und der Schule inklusive Tagesstrukturen, zum anderen auch ­finanziell. «Wir haben deshalb keinen Fusionsdruck.»