Würenlingen
Consolata-Schwester Bartola spricht über ihr neues Leben in Italien

«Mein Rücken ist zwar krumm geworden in den letzten drei Monaten und ich sehr viel älter», sagt Consolata-Schwester Bartola (77). «Aber es geht mir gut hier in Venaria.»

Pirmin Kramer
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Foto aus dem Jahr 2007, von links: Schwester Hilda, Schwester Bartola und Schwester Fatima. MHU

Foto aus dem Jahr 2007, von links: Schwester Hilda, Schwester Bartola und Schwester Fatima. MHU

Vor drei Monaten hat sie Würenlingen zusammen mit Schwester Fatima (70) verlassen. Seit 1963 hatte sie im Alters- und Pflegeheim gearbeitet. Jetzt hat sie in Italien ein neues Leben begonnen.

Die Nachricht, dass die beiden Schwestern ins Mutterhaus zurückgerufen werden, sorgte in Würenlingen letztes Jahr für Aufregung. Der ehemalige Gemeindeammann Arthur Schneider warf der Leitung des Alters- und Pflegeheims vor, unsensibel gehandelt zu haben, um den Weggang der beiden Schwestern zu beschleunigen.

Bartola pflegt Schwester Hilda

Während Fatima (70) inzwischen mehrheitlich im Mutterhaus in Turin lebt, hat Bartola im Altersheim in Venaria im Piemont eine andere Freundin wiedergefunden. «Ich pflege täglich Schwester Hilda, mit der ich 45 Jahre lang in Würenlingen zusammengearbeitet habe.» Ihre Kollegin sei schwer krank, erzählt Bartola. Sie könne die Beine nicht mehr bewegen und sie leide. «Zum Beispiel gestern hatte sie furchtbare Schmerzen. Da gab ich ihr zu trinken und sang ihr Lieder vor. Meine Stimme klingt nicht schön, aber sie hatte grosse Freude – und ich auch.» Sie geniesse es, wieder in Hildas Nähe zu sein. «Alle vom Personal sagen, es gehe ihr besser seit meiner Ankunft. Hildas Schmerzen waren so stark, dass sie nicht mehr froh sein konnte.» Jetzt aber habe ihre Freundin wieder begonnen zu lächeln. «Sie hat auf mich gewartet. Ich bin froh, dass ich meine Freundin pflegen darf. Vielleicht raube ich ihrem Schmerz ein wenig die Kraft.»

Viele Briefe aus Würenlingen

Im Telefongespräch erwähnt Schwester Bartola mehrmals die Menschen in ihrer alten Heimat Würenlingen. «Immer und jeden Tag denke ich an euch», sagt sie mit ihrer melodiösen Stimme. Viele Menschen hätten sich gemeldet, ihr Briefe nach Italien geschickt. Sie schaffe es leider nicht, allen zu antworten. «Ich möchte mich aber bedanken für die lieben Worte, die so viele Würenlinger an mich gerichtet haben.» Jeden Tag stehe sie etwa um Viertel vor sechs auf, erzählt Bartola. «Den Morgen beginnen wir mit Meditation. Dann beten wir miteinander.» Anschliessend folgt die Messe und schliesslich das Frühstück. Danach pflegt sie ihre Freundin, Schwester Hilda.

Das Altersheim liege leider ein wenig abgelegen, erzählt Bartola. Das Leben sei nicht ganz so bequem wie in der Schweiz. «Wir wohnen hier weg von den Leuten. In Würenlingen lebten wir im Zentrum.»

Dafür geniesse sie die Umgebung in Venaria, wo einst der König von Italien residierte. «Am Morgen schaue ich der Sonne zu, wie sie langsam aufgeht. Die Alpen von Turin leuchten dann so wunderbar. Können Sie sich vorstellen, wie gut es mir dann geht?»