Zurzibiet
«Chly Rhy» – Hier entsteht eine neue Auenlandschaft

Wer mit dem Flugzeug in Kloten landet, sieht es aus der Vogelperspektive: In Rietheim wird gegraben, was das Zeug hält – seit fünf Monaten. Hier entsteht das Auenprojekt «Chly Rhy».

Nadja Rohner
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Rund 1200 Kubikmeter Material, vor allem Kies, wurde hier am Rhein aufgeschüttet - das Material soll mit der Zeit vom Fluss fortgetragen werden
26 Bilder
Wasserfrösche haben den Chly Rhy bereits erobert
Neben dem grossen Giessen - der blauen Lagune - spriessen bereits erste Gehölzer aus dem Boden
In diesem Giessen - auch blaue Lagune genannt - darf gebadet werden
Mitten im Auengebiet finden sich Überreste der Villa Schreckenstein, deren Gemäuer einfach im Wald entsorgt wurden
Hier entsteht ein sogenannter Trockenstandort - also ein riesiger Sandhügel
Hier war früher der Grillplatz mit Bänkli am Rhein, daneben eine Brücke und ein Parkplatz - alles wurde abgerissen
Hier entsteht die 18-Tonnen-Holzbrücke
Die Treppe zum Aussichtspunkt auf dem Bunker ist aus einheimischen Robinien gefertigt
Die Steinhaufen in diesem Gewässer sollen später dem Glögglifrosch als Domizil dienen
Er ist nicht alleine - unzählige Wasserfrösche tummeln sich schon jetzt in den Gewässern beim Auenpark
Der Wanderweg von Rietheim nach Koblenz ist begehbar und führt direkt an der Grossbaustelle vorbei
Der Aushub vom Chly Rhy wird genutzt, um die Geländesenke im Bruggacker aufzufüllen
Der Aushub wurde hier zwischengelagert und ist bereits überwachsen
Das Fundament für die 18-Tonnen-Brücke steht schon
Das blaugrün schimmernde Wasser des Giessen gefällt den Spaziergängern
Das Wasser der Giessen ist kristallklar
Die Auenlandschaft «Chly Rhy» in Rietheim entsteht
Blick von der Aussichtsplattform auf dem Bunker in Richtung Rhein
Beim Kran entsteht eine Brücke, der Wanderweg führt - im Moment noch - daran vorbei
Baden im warmen Wasser - dem Wasserfrosch gefällts
Auch das ist Teil des neuen Auenparks - dieses Land wird noch fünf Jahre als Invensivackerfläcke von Bauern genutzt, danach dient es als Wiese und Weideland
Auf dem alten Bunker wird eine Aussichtsplattform eingerichtet - der Bunker soll durch die Baumstamm-Verkleidung aussehen wie ein Biberbau
Alles darf der Biber nicht fressen - dieser Baum wird mit einem speziellen Drahtgeflecht geschützt, an dem sich der Biber nicht verletzen kann
Am Fuss des Bunkers führt der Wanderweg entlang, daneben liegt der Dorfbach
Am Bunker ist ein Nistkasten für Fledermäuse angebracht

Rund 1200 Kubikmeter Material, vor allem Kies, wurde hier am Rhein aufgeschüttet - das Material soll mit der Zeit vom Fluss fortgetragen werden

Nadja Rohner

Das Auenprojekt «Chly Rhy» nimmt konkrete Formen an – das lockt viele «Baustellentouristen» auf das Gelände. Fast fünf Monate nach dem Spatenstich ist es Zeit für einen Rundgang mit Ulysses Witzig, Geschäftsführer der Crea Natira, Tochtergesellschaft der Pro Natura Aargau.

Diese erstellt mit dem Kanton ein weiteres Puzzlestück in der Aargauer Auenlandschaft, indem sie den 1,5 Kilometer langen ehemaligen Seitenarm des Rheins, den «Chly Rhy», wieder öffnet.

«Wir bauen Rietheim neu», scherzt Witzig angesichts der Erdmassen, die hier bewegt werden. Dabei drängt die Zeit – der nasse Sommer hat die Arbeiten verzögert, und ab Oktober dürfen einige Erdbewegungen aus Bodenschutzgründen nicht mehr durchgeführt werden.

In diesem Giessen - auch blaue Lagune genannt - darf gebadet werden

In diesem Giessen - auch blaue Lagune genannt - darf gebadet werden

Nadja Rohner

Die Arbeit geht dennoch weiter: Während der kalten Monate werden zum Beispiel Brücken gebaut. Fleissig wie immer ist auch die mittlerweile berüchtigte Rietheimer Biberfamilie. Angesichts der vielen herumliegenden, abgenagten Äste kann man davon ausgehen, dass den etwa fünf Tieren die Bauarbeiten nicht auf den Magen schlagen – im Gegenteil. «Da hinten haben sie eine Weide gefällt», sagt Witzig und deutet auf eine Baumgruppe in der Nähe des Bunkers.

«Die wollten wir eigentlich stehen lassen – aber der Biber hält sich nicht an kantonale Verfügungen.» Ein paar besonders prächtige Bäume haben einen Biberschutz aus Drahtgeflecht erhalten. Witzig: «Wir haben ein Material gewählt, an dem sich der Biber nicht verletzen kann.»

Kristallklares Wasser im Tümpel

Vom Bunker aus geht es in östlicher Richtung einem Erdwall entlang, hinter dem sich der «Chly Rhy» verbirgt. Beim Kran, wo gerade eine Brücke gebaut wird, biegt der Weg links ab. Ein Schild warnt: Hier wird gebaut. Davon lassen sich die Spaziergänger erfahrungsgemäss nicht abhalten.

Man sollte die Baustelle «Chly Rhy» aber nur am Wochenende oder abends besuchen, um den Bauarbeitern nicht in die Quere zu kommen. Absperrungen müssen respektiert werden; Besucher bleiben aus Sicherheitsgründen auf den gut sichtbaren Wegen und halten sich von den Maschinen fern. Und: Den Anti-Mücken-Spray sollte man nicht vergessen!

Wasserfrösche haben den Chly Rhy bereits erobert

Wasserfrösche haben den Chly Rhy bereits erobert

Nadja Rohner

Beidseits des Weges liegen bereits neue kleine Tümpel und grössere Giessen (grundwassergespeiste Bäche). Nicht nur Insekten haben sie schon erobert – auch unzählige kleine und grosse Frösche. «Das sind Wasserfrösche», erklärt Witzig. «Wir hoffen, dass sich hier auch Gelbbauchunken ansiedeln.

Und der Glögglifrosch sollte sich in den Steinhaufen an den Tümpelufern wohlfühlen.» Rechts des Weges, wo es noch sehr nach Dreckwüste aussieht, soll ein hoher und weitläufiger Sandhaufen hin – ein Trockenstandort, ideal für Wildbienen und Orchideen.

Der Aushub vom Chly Rhy wird genutzt, um die Geländesenke im Bruggacker aufzufüllen

Der Aushub vom Chly Rhy wird genutzt, um die Geländesenke im Bruggacker aufzufüllen

Nadja Rohner

Einige Schritte weiter trifft man auf ein Highlight des Auenparks: Eine grosse Giesse mit kristallklarem Wasser, das blaugrün schimmert. «Unsere Leute nennen sie die ‹Blaue Lagune›», sagt Witzig nicht ohne Stolz. «Es ist frisches Grundwasser, man könnte es trinken.» Einigermassen warm fühlt es sich auch an.

Im Sommer haben hier schon Leute gebadet. Darf man das denn? Witzig wiegelt ab. «Verboten ist es nicht. Auch Schlittschuh laufen im Winter nicht. Die Auenlandschaft wird aber bewusst so angelegt, dass der grosse Besucherstrom am Auenrand entlang gelenkt wird. Wer trotzdem hinein will, darf das natürlich - wir wollen das Gebiet ja nicht unter eine Glasglocke legen.»

«Chly Rhy»: So sah es hier noch im März 2013 aus

Auenlandschaft Chly Rhy in Rietheim
9 Bilder
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
Rund 2000 Bäume mussten weichen. Einzelne Bauminseln mit wertvollem, einheimischem Bestand wurden stehen gelassen.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.
In der Aue Rietheim wurde im Rahmen des Auenprojekts "Chly Rhy" ein grosser Teil des Waldes abgeholzt.

Auenlandschaft Chly Rhy in Rietheim

Nadja Rohner

Am Rand der «blauen Lagune» spriessen bereits erste Weidentriebe durch den festgefahrenen Boden. Daneben wachsen Feuchtwiesenpflanzen. Angesät wurden sie, indem Schnittpflanzen von artenreichen Wiesen der Region hier verteilt wurden – eine Are Schnittpflanzen kann so zwei Aren Brachland befruchten.

«Wir warten jetzt zwei bis drei Jahre ab, wie sich die Vegetation entwickelt», sagt Witzig. «Geplant ist, dass hier später während der Vegetationszeit Wasserbüffel weiden und das Schilf aus den Giessen fressen. Vielleicht zusammen mit Hochlandrindern – diese fressen die Büsche, welche die Wasserbüffel verschmähen.»

Vorerst wird die Aue noch von kleineren Arten belebt, wie der laute Schrei einer Limikole – eines Watvogels – beweist. Der Grünschenkel sucht Würmer und Schnecken im Schlick der Giesse, sehr zur Freude von Ulysses Witzig: «Dass eine so mobile Tierart hier haltmacht, ist ein gutes Zeichen dafür, dass die Aue angenommen wird.»

Chly Rhy: Das sehen Sie derzeit auf einem Rundgang im Auengebiet 1 Die Pro Natura hat einen Bunker am Wanderweg Rietheim–Koblenz gekauft und umgebaut. Durch die Verkleidung mit Baumstämmen soll er einer Biberburg ähneln. An der Wand hängt ein Nistkasten für Fledermäuse. Treppen aus Robinie führen zu einer Aussichtsplattform, auf der bald Infotafeln stehen werden. 2 Direkt am Rhein wurden 2000 m³ Kies, Geröll und Sand zu einem Flachufer aufgeschüttet. Das Material soll im Laufe der Zeit vom Rhein mitgerissen werden, der sich so sein eigenes Bett gestaltet. Neben der Bucht war früher ein Park- und Rastplatz. Er wird durch einen Aussichtspunkt und einen Brätelplatz ersetzt. 3 Derzeit entsteht hier eine 18-Tonnen-Brücke aus Holz über den Chly Rhy. Das Betonfundament steht schon. 4 Man erkennt es zwar noch nicht, aber hier entsteht ein «Trockenstandort» – der wohl grösste Sandkasten des Zurzibiets. Auf rund 29 000 m³ sandigen Aushubs soll die Sumpfschildkröte Eier ablegen. Für Uferschwalben ist eine 4 m hohe Brutwand geplant. 5 Die Tümpel – im Frühjahr angelegt – sind schon voller Wasserfrösche. 6 In einem Waldstück liegt die «Villa Schreckenstein» verborgen. Vor ein paar Jahrzehnten wurde das Rietheimer Haus abgerissen, Mauerreste einfach in den Wald gekippt. Sie müssen nun vollständig entsorgt werden. 7 Auch hier liegen kleine Giessen. Die Steinhaufen an den Ufern sollen der Geburtshelferkröte – auch bekannt unter der Bezeichnung «Glögglifrosch» – als Lebensraum dienen. 8 Das Wasser der 0,6 Hektaren grossen «Blauen Lagune» schimmert je nach Lichteinfall blau-grün. Am westlichen Ufer finden sich bereits Weiden-Triebe, die durch den Boden stossen. Wer leise ist, kann bereits jetzt Watvögel wie Bruchwasserläufer und Grünschenkel beobachten.  9 Dieses Gebiet wird während sechs Jahren von Bauern der Region als Ackerland, anschliessend als extensives Wies- und Weideland genutzt.

Chly Rhy: Das sehen Sie derzeit auf einem Rundgang im Auengebiet 1 Die Pro Natura hat einen Bunker am Wanderweg Rietheim–Koblenz gekauft und umgebaut. Durch die Verkleidung mit Baumstämmen soll er einer Biberburg ähneln. An der Wand hängt ein Nistkasten für Fledermäuse. Treppen aus Robinie führen zu einer Aussichtsplattform, auf der bald Infotafeln stehen werden. 2 Direkt am Rhein wurden 2000 m³ Kies, Geröll und Sand zu einem Flachufer aufgeschüttet. Das Material soll im Laufe der Zeit vom Rhein mitgerissen werden, der sich so sein eigenes Bett gestaltet. Neben der Bucht war früher ein Park- und Rastplatz. Er wird durch einen Aussichtspunkt und einen Brätelplatz ersetzt. 3 Derzeit entsteht hier eine 18-Tonnen-Brücke aus Holz über den Chly Rhy. Das Betonfundament steht schon. 4 Man erkennt es zwar noch nicht, aber hier entsteht ein «Trockenstandort» – der wohl grösste Sandkasten des Zurzibiets. Auf rund 29 000 m³ sandigen Aushubs soll die Sumpfschildkröte Eier ablegen. Für Uferschwalben ist eine 4 m hohe Brutwand geplant. 5 Die Tümpel – im Frühjahr angelegt – sind schon voller Wasserfrösche. 6 In einem Waldstück liegt die «Villa Schreckenstein» verborgen. Vor ein paar Jahrzehnten wurde das Rietheimer Haus abgerissen, Mauerreste einfach in den Wald gekippt. Sie müssen nun vollständig entsorgt werden. 7 Auch hier liegen kleine Giessen. Die Steinhaufen an den Ufern sollen der Geburtshelferkröte – auch bekannt unter der Bezeichnung «Glögglifrosch» – als Lebensraum dienen. 8 Das Wasser der 0,6 Hektaren grossen «Blauen Lagune» schimmert je nach Lichteinfall blau-grün. Am westlichen Ufer finden sich bereits Weiden-Triebe, die durch den Boden stossen. Wer leise ist, kann bereits jetzt Watvögel wie Bruchwasserläufer und Grünschenkel beobachten.  9 Dieses Gebiet wird während sechs Jahren von Bauern der Region als Ackerland, anschliessend als extensives Wies- und Weideland genutzt.

ZVG