Unterendingen
Cäsar und Zwetschgenkrieg im Riesen-Bildschirm

Die Freilichtbühne Surbtal zeigt am Sommerfest in Unterendingen ein «Episoden-Karussell». Zum letzten Mal findet das traditionelle Sommerfest im noch autonomen Unterendingen statt und zum ersten Mal mit einem Freilichttheater.

Rosmarie Mehlin
Drucken
Teilen
Blickfang auf der Wiese neben der Kirche: Gespielt wird auf drei Bühnen, die als Fernsehapparate aufgebaut sind. Angelo Zambelli

Blickfang auf der Wiese neben der Kirche: Gespielt wird auf drei Bühnen, die als Fernsehapparate aufgebaut sind. Angelo Zambelli

Gallus Ottiger, Initiant und Mitbegründer der Freilichtbühne Surbtal, sowie Autor und Regisseur aus Leidenschaft, lebt zwar in Lengnau, aber als das Sommerfest-OK vor rund einem Jahr an ihn herantrat, konnte er nicht widerstehen: «Ich habe sofort Geschichtsbücher über Endingen gewälzt, bin in mich gegangen und habe mich schliesslich eines Abends um 19 Uhr an den Computer gesetzt.»

Sieben Stunden später sei die Rohfassung des «Episoden-Karussells» fertig gewesen, dann sei der Feinschliff gekommen und im Frühling hätten die Proben begonnen. «Teilweise parallel zu denen für den ‹Tell›, den wir Anfang August in Böbikon gespielt haben.»

n Sommerfest: beizen, Theater, Street Dance und Live-Musik

In einer Woche geht's los: Am Donnerstag um 19 Uhr nehmen die neun Festbeizen im Dorfkern von Unterendingen ihren Betrieb auf - und um 19.30 Uhr wird auf der Theaterbühne das «Epochen-Karussell» aus der Taufe gehoben. Am Freitag geht es ab 15 Uhr in der Mehrzweckhalle mit kreativem Kindertanz weiter, ab 17 Uhr mit dem Beizenbetrieb und ab 18 Uhr mit Kinderdisco. Vorstellungen vom «Epochen-Karussell» finden - wie auch am Samstag - jeweils um 19.30 Uhr und um 21.00 Uhr statt und in verschiedenen Lokalitäten im Dorf sind bis tief in die Nacht hinein Street Dance, Disco und Live-Musik Trumpf. Am Samstag öffnen die Festbeizen bereits um 11 Uhr. Gleichzeitig zeigt die Schule Tanzaufführungen. Ab 14 Uhr werden verschieden Spiele gespielt und abends stehen wiederum Bands mit Live-Musik im Rampenlicht. Mit einem ökumenischen Gottesdienst um 9.30 Uhr beginnt der Fest-Sonntag, der ab 10 Uhr mit dem Beizenbetrieb und ab 11 Uhr erneut mit einer Tanzaufführung, den «Rotberg-Musikanten» sowie für die Kleinen mit spielen, basteln, schminken weitergeht. Um 15 Uhr ist der Empfang der turnenden Vereine, um 19.30 Uhr hat das «Epochen-Karussell» Dernière und um Mitternacht machen auch die Beizen Feierabend. (rmm)

Sieben Darstellerinnen und Darsteller, die auch im «Tell» Sprechrollen inne hatten, sind nun im «Epochen-Karussell» wieder dabei. Zum Beispiel Patrick Zumsteg, der dort den Walterli spielte. Der Kantischüler, der in Wettingen als Schwerpunktfächer Physik und Anwendungen in der Mathematik belegt hat und Fagott spielt, findet Theaterspielen «definitiv mega cool».

Wie der Titel schon sagt, besteht das «Episoden-Karussell» aus einzelnen Szenen. Sie seien, versichert Ottiger, «teils historisch, teils reine Fantasie, teils einfach komisch.»

Insgesamt sechs Episoden sind es, die in verschiedenen Epochen handeln, angefangen 45 v. Chr. bei Cäsar. Über die Frühritterzeit, den «Zwetschgenkrieg» von 1802 gegen die Juden, das Surbtalbahn-Aus von 1937 und die Gegenwart führt die theatralische Reise bis in die Zukunft. «Insgesamt werden 34 verschiedene Rollen von 25 Mitwirkenden verkörpert», sagt Autor und Regisseur Ottiger.

Mit musikalischen Intermezzi

Jüngster Darsteller der Truppe ist der sechsjährige Fynn Schwaller. Dessen Vater Severin hat insofern die grösste Rolle, als er als Einziger in sämtlichen sechs Episoden auftritt.

Vier bis fünf Proben pro Woche hatte Schwaller, von Beruf Projektleiter der Bahn, diesen Monat. Ganz schön happig, aber der Endinger nimmt die Belastung gern auf sich: «Leute unterhalten können und zum Lachen bringen ist einfach wunderbar.»

Auf der Wiese neben der Kirche ist schon seit Tagen das Bühnenbild aufgebaut und abends wird darin intensiv geprobt.

Ein Wiederhören wird es mit den beiden jungen Hornisten Sandro Hutter und Elias Mühlebach geben, die mit ihren Intermezzi im Böbiker «Tell» bereits für Begeisterung gesorgt hatten.

Die Spielorte sind in drei riesigen Fernseh-Apparaten aufgebaut: «Die Zuschauerbestuhlung soll eine Überraschung sein», sagt Regisseur Ottiger, legt den Finger an den Mund und bittet um Stillschweigen.

Die Suche nach den Kostümen

Derweil geht es im Bauwagen, der etwas abseitssteht, geschäftig zu und her: Daniela Pfändler, die wie schon beim «Tell» zusammen mit Pat Bieler für die Kostüme und Requisiten verantwortlich zeichnet, bittet die Schauspieler zu Anprobe. «Einen Teil der Kostüme haben wir genäht, andere in Brockenstuben aufgestöbert und vereinzelte auch bei einem Verleih ausgeliehen.»

Weitere Informationen: www.freilichtbuehnesurbtal.ch

Aktuelle Nachrichten