Kaiserstuhl
Bürger machen mobil gegen 100-Männer-Asylunterkunft in Schulhaus

Der Stadtrat von Kaiserstuhl liebäugelt damit, das leere Schulhaus dem Kanton als Asylunterkunft zu vermieten. Doch nun erstarkt der Widerstand im 400-Seelen-Städtchen: Bürger haben für eine Petition zahlreiche Unterschriften gesammelt.

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Einst wurde hier eine Bezirksschule geführt - jetzt steht das Schulhaus Blöleboden in Kaiserstuhl leer. (Archiv)

Einst wurde hier eine Bezirksschule geführt - jetzt steht das Schulhaus Blöleboden in Kaiserstuhl leer. (Archiv)

Walter Schwager

Wehren sich Bürger von Aargauer Gemeinden gegen eine Asylunterkunft, so ist in der Regel der Kanton Aargau oder Sozialdirektorin Susanne Hochuli die Zielscheibe ihres Ärgers und Widerstands. Nicht so in diesem Fall: Die fünf Kaiserstuhler der "IG Asylbewerberzentrum NEIN!" haben Mitte August eine Petition lanciert, um sich gegen die Pläne des eigenen Stadtrats zu wehren. Das berichtet die Lokalzeitung "Die Botschaft".

Der Kaiserstuhler Stadtrat hat nämlich vor, das Schulhaus Blöleboden, in dem sich einst eine Bezirksschule befand und das nun leer steht, dem Kanton als Asylunterkunft zu vermieten. Es würde Platz bieten für 100 Personen. Einziehen sollen alleinstehende Männer.

Fünf Jahre würde das Schulhaus als Asylunterkunft genutzt, wenn die Verträge unterschrieben werden. Der Stadtrat der mit 32 Hektaren flächenmässig kleinsten Aargauer Gemeinde verfolgt zwei Ziele damit. Erstens will er dank den Mieteinnahmen die Finanzen aufbessern, zweitens Zeit für die Planung gewinnen, damit aus dem Schulareal ein Wohngebiet werden kann.

Kaiserstuhl aus der Vogelperspektive.

Kaiserstuhl aus der Vogelperspektive.

ZVG Gemeindeverwaltung

Die IG hat 197 Unterschriften gesammelt, 179 davon stammen von Bewohnern des 400-Seelen-Städtchens oder von Anwohnern des Schulhauses, das sich auf dem Land der Nachbargemeinde Fisibach befindet. "Wir waren überwältigt vom Rücklauf", sagt Roger Suter von der IG zur "Botschaft". Man habe nicht aktiv Unterschriften gesammelt, sondern nur Unterschriftenbögen an die Haushalte verteilt. Er schätzt, dass die Hälfte der Stimmberechtigten aus der Gemeinde unterschrieben habe.

"Wir nehmen Sie ernst", sagte Stadtammann Ruedi Weiss zu den Initianten, als er die Petition entgegennahm. Der Stadtrat will an einer Infoveranstaltung vom Samstag, 10. September, eine Stellungnahme abgeben.

Ruedi Weiss, Stadtammann von Kaiserstuhl: «Wir nehmen die IG ernst.»

Ruedi Weiss, Stadtammann von Kaiserstuhl: «Wir nehmen die IG ernst.»

Mario Fuchs

Im Petitionstext schreiben die Initianten, dass sie "den Handlungsbedarf und die Pflicht sehen, Menschen aus Kriegsgebieten Hilfe und Aufnahme zu bieten. Wir sind aber überzeugt, dass der vom Stadtrat eingeschlagene Weg für unser Städtchen überdimensioniert ist." Und: "Wir glauben, dass der Stadtrat sich in naiver Weise in ein Projekt manövriert hat, das nur wenige Einwohner von Kaiserstuhl wirklich gutheissen." Sie fordern den Stadtrat auf, seine Pläne einzustellen und nach einer anderen Lösung für das Schulhaus zu suchen.

In der Stellungnahme wird deutlich, dass den Initianten zumindest unwohl ist wegen der fremden Männer, die da kommen könnten. Die männlichen Asylbewerber stellen sie als Personen dar, vor denen man sich fürchten muss. So warnen sie vor "absehbaren Folgen", konkret von der "Beeinträchtigung des allgemeinen Sicherheitsgefühls der Bewohner", von "Furcht Ruhestörungen, Regelverstössen und Belästigungen – auch nachts", und davon, dass Eltern ihre Kinder auf dem öffentlichen Spielplatz "nicht mehr sorglos spielen lassen" könnten.

Zudem warnen sie vor einem Verlust der Wohnattraktivität für das Städtchen, vor einem Imageschaden, Einwohnerrückgang und damit einem Verlust des Steuersubstrats. (pz)

Kaiserstuhl hat seine mittelalterliche Struktur bis heute erhalten.

Kaiserstuhl hat seine mittelalterliche Struktur bis heute erhalten.

Mario Heller