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Brückensperrung Koblenz: Das waren die Folgen für Gewerbe und Gemeinden

Am Montag ist die Grenzbrücke zwischen Koblenz und Waldshut (D) wiedereröffnet worden. In Bad Zurzach wurden Verkehrsbehinderungen erwartet, auf deutscher Seite ein Einbruch beim Einkaufstourismus. Doch es kam etwas anders.

Nadja Rohner
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Die dreimonatige Vollsperrung des Grenzübergangs bei Koblenz ist am Montagmorgen aufgehoben worden.

Die dreimonatige Vollsperrung des Grenzübergangs bei Koblenz ist am Montagmorgen aufgehoben worden.

Emanuel Freudiger

Das sagen die Schweizer:

«Den Mehrverkehr haben wir massiv gespürt, insbesondere am Abend», sagt Stefan Haus. Er ist Präsident des Gewerbevereins Rheintal-Studenland und arbeitet bei der Mauchle Getränke und Transporte GmbH in Bad Zurzach. «Am schlimmsten war es jeweils am Freitag, manchmal aber auch völlig unverhofft mitten unter der Woche.»

Komplett kollabiert sei der Verkehr am 1. August. «Die stehende Kolonne belagerte den gesamten Flecken gut drei Stunden lang – sicherlich nicht das, was man sich unter einem erholsamen Feiertag vorstellt, weder für die Einkaufstouristen noch für die Bewohner Bad Zurzachs.» Haus vermutet, dass sich die Brückensperrung nicht sehr stark auf die Umsätze des einheimischen Gewerbes ausgewirkt hat: «Wer über die Grenze fährt zum Einkaufen, der lässt sich von einer Sperrung nicht davon abbringen.»

Die Zollbrücke ist wieder offen.
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Die Gitter werden entfernt.
Die ersten Fahrzeuge erhalten viel Aufmerksamkeit.
Der neue Belag hat eine gelbliche Farbe.
Von links: Dieter Bollinger vom Regierungspräsidium Freiburg, Heidi Wanner, Gemeindeammann Koblenz, Kantonsingenieur Rolf Meier, Martin Gruner, Erster Beigeordneter der Großen Kreisstadt Waldshut-Tiengen.
Die Verkehrsführung am Zoll in Waldshut nach Sanierung der Zollbrücke nach Koblenz

Die Zollbrücke ist wieder offen.

Emanuel Freudiger

Aufs Velo umgestiegen

Man habe mit finanziellen Einbussen rechnen müssen, sagt Haus: «Wenn im Flecken wegen des Staus gar nichts mehr ging, versuchten die Bewohner jeweils, dem Ganzen aus dem Weg zu gehen.» Vielleicht sei deshalb der eine oder andere Bewohner eines Aussenquartiers aufs Velo umgestiegen, «was ja auch begrüssenswert ist». Bei der Mauchle GmbH habe man an diesen Stau-Tagen so gut wie keine Kundschaft gehabt – laut Haus kommen 95 Prozent der Kunden mit dem Auto und hätten aufgrund der Lage des Abholmarktes gegenüber dem Bad Zurzacher Campingplatz zweimal im Stau stehen müssen.

«Deshalb ist das Ausbleiben der Kunden auch kein Wunder – schliesslich dauerte eine einfache Fahrt, zum Beispiel aus der Tannengasse, schon mal 30 Minuten.» Es habe aber sicherlich vereinzelt neue Kundschaft gegeben, schliesslich habe die Umleitung potenzielle Neukunden mitten durch Bad Zurzach geführt. «Allerdings war dieser Zuwachs sehr bescheiden.»

Für eine abschliessende Bilanz sei es aber noch zu früh, sagt Haus. Es bleibe abzuwarten, ob die paar neuen Kunden auch weiterhin den Weg nach Bad Zurzach finden. «Wir wünschen es uns natürlich. Schliesslich hat Bad Zurzach in allen möglichen Bereichen enorm viel zu bieten!»

Die Zufahrt zur Brücke auf Schweizer Seite.

Die Zufahrt zur Brücke auf Schweizer Seite.

Emanuel Freudiger

Das sagen die Deutschen:

Vor rund einem Jahr wurde bekannt, dass die Zollbrücke für die Sanierungsarbeiten drei Monate lang gesperrt wird. Im grenznahen Deutschland rechnete man mit fatalen Folgen für den Einkaufstourismus, man fürchtete gar ein Jahrhundert-Sommerloch. «Das Waldshuter Gewerbe ist in Alarmbereitschaft», sagte Oberbürgermeister Martin Albers im Oktober 2013.

Heue ist klar: Die Beeinträchtigungen fielen in Waldshut-Tiengen geringer aus, als befürchtet. Dies betrifft sowohl den Verkehr als auch den Einzelhandel. «Waldshut ist so attraktiv, dass die Stammkunden den Umweg in Kauf genommen haben» – so lautet die Einschätzung von Jochen Seipp, Sprecher des Werbe- und Förderungskreises. Auffallend sei, dass überdurchschnittlich viele Besucher aus der Schweiz die Bahn sowie die eigens erweiterten Fährverbindungen von Full nach Waldshut genutzt hätten.

Für die meisten Geschäfte keine Auswirkungen

Auch für den Einzelhandel im Stadtteil Tiengen, wo der Anteil der Schweizer Einkaufstouristen geringer ist, verlief die Brückensperrung ohne gravierende Einschnitte. Aktionsgemeinschafts-Sprecherin Nikola Kögel: «Für die meisten Geschäfte in der Innenstadt hatte die Brückensperrung keine Auswirkungen. Nur vereinzelt wurde über einen Rückgang bei Schweizer Kunden berichtet.»

Das Umleitungskonzept für Autos und Lastwagen in der Region hat offenbar funktioniert. Michael Hauck, Sprecher des Hauptzollamts Singen: «Der private und gewerbliche Verkehr ist reibungslos gelaufen.» Beim Ausweich-Grenzübergang Küssaberg-Rheinheim hatte sich das Verkehrsaufkommen jedoch massiv erhöht. Bürgermeister Manfred Weber ist entsprechend erleichtert: «Für Küssaberg geht eine ganz besondere Zeit mit deutlichen Mehrbelastungen zu Ende.»

Leichte Behinderungen gab es immer wieder bei der B34-Baustelle in der Waldshuter Schmittenau. Dort wurde die Brückensperrung genutzt, um die Zollkreuzung zu optimieren. Die Neugestaltung ist weitgehend abgeschlossen. Jetzt fehlt nur noch der zweite Fahrstreifen Richtung Innenstadt zwischen der Abzweigung Schweiz und der Tankstelle. Laut Auskunft des Regierungspräsidiums soll das Planfeststellungsverfahren dazu Ende dieses Jahres beginnen. Nach wie vor unklar ist, wann der Bau der dritten B34-Spur zwischen dem Grenzübergang und dem Gewerbepark mit dem Zollhof starten kann. Erst dieses Projekt macht das Massnahmenpaket zur Verkehrsoptimierung im Bereich Schmittenau komplett.

Mitarbeit: Roland Gerard (Südkurier) und Philipp Zimmermann.