Böttstein
Böttstemer: «Ich bin hässig – Gemeinderat ist doch auch ein Ehrenamt»

Böttstein lehnt an der Gemeindeversammlung die Lohnerhöhung für Ammann Gosteli hochkant ab. Voraus ging eine lange und intensive, aber stets anständig geführte Diskussion.

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Soll der Ammann mehr Lohn erhalten? Die Gemeindeversammlung Böttstein war mit 333 Stimmberechtigten sehr gut besucht.

Soll der Ammann mehr Lohn erhalten? Die Gemeindeversammlung Böttstein war mit 333 Stimmberechtigten sehr gut besucht.

AZ

«Vier Dörfer, eine Gemeinde» stand auf einem am Gemeinderatstisch befestigten Plakat.

«Vier Dörfer, eine Gemeinde, eine Meinung» kann man nach der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend in der bis auf den letzten Platz besetzten Mehrzweckhalle in Kleindöttingen sagen. Kleindöttingen bildet zusammen mit den Dörfern Böttstein, Eien und Burlen die politische Gemeinde Böttstein.

Nach langer und intensiver, aber stets in anständigem Ton geführter Diskussion wiesen die 333 Stimmberechtigten den Antrag des Gemeinderates auf Anhebung der Besoldung zurück und hiessen einen Rückweisungsantrag von Grossrat Theo Voegtli mit nur gerade drei Gegenstimmen gut.

Akzeptable Lösung suchen

Mit der Rückweisung hat der Gemeinderat den Auftrag gefasst, sich mit der Finanzkommission an einen Tisch zu setzten und nach einer neuen, für die Stimmberechtigten akzeptablen Lösung zu suchen. Diese soll an der Sommergemeinde nächsten Jahres zur Abstimmung vorgelegt werden.

Mit der Annahme des Rückweisungsantrags wurden alle anderen Anträge hinfällig. Lukas Jäggi hatte namens der Finanzkommission einen Kompromiss vorgeschlagen: Der Ammann sollte 70 000 Franken jährlich inklusive 5000 Franken Pauschalspesen erhalten (Pensum 50 Prozent), der Vizeammann 28 000 Franken inklusive 3000 Franken Pauschalspesen (20 Prozent) sowie die Gemeinderäte je 25 000 jährlich inklusive 2500 Franken Pauschalspesen (20 Prozent).

Nicht mehr abgestimmt werden musste auch über den Antrag von Robert Rüegsegger, die Spesenregelung sei gleich zu handhaben wie in der Nachbargemeinde Döttingen.

In der von Vizeammann Bruno Rigo geführten Diskussion gaben einige Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihrem Befremden über die beantrage Erhöhung des Stellenpensums von Gemeindeammann Patrick Gosteli Ausdruck.

Niemand bestritt, dass der Ammann wie der gesamte Gemeinderat gute Arbeit leistet.

Es war aber auch die Meinung zu hören, die Gemeinde Böttstein verfüge über eine gut funktionierende Verwaltung und der Gemeindeammann müsse sich nicht um jedes Detail kümmern.

Ein Stimmbürger sagte, er sei «hässig» geworden, als er die vom Gemeinderat vorgelegten Zahlen betrachtet habe.

«Erhöhung unverhältnismässig»

«Ich bin nicht neidisch. Aber eine solche Erhöhung für den Ammann ist unverhältnismässig. Zugegeben, Gemeindeammann oder Gemeinderat zu sein ist kein Schleck. Aber bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dass Gemeinderat auch ein Ehrenamt ist – auch wenn die Arbeit anständig entlöhnt werden soll.»

Eine Stimmbürgerin entrüstete sich, dass mit den neuen Besoldungsansätzen die Gemeindekasse gleich mit Mehrausgaben von rund 100 000 Franken belastet werden sollte.

Sie erinnerte Ammann Gosteli daran, dass er an einer der letzten Gemeindeversammlungen damit gedroht habe, die Einführung der Schulsozialarbeit, die in der gleichen Grössenordnung lag, führe zu einer Steuerfusserhöhung von 15 Prozent.

Nach dem Verdikt der Stimmbürger schlug Vizeammann Bruno Rigo versöhnliche Töne an: Er versicherte, dass der Gemeinderat auch nach der Ablehnung der höheren Besoldungssätze weiterarbeiten werde wie bisher. «Wir werden deswegen sicher nicht teubele», sagte Rigo.