Böttstein
Ambitiöses Projekt nimmt nächste Hürde: Verein kauft Grundstück mit dem grössten Wasserrad seiner Art in Europa

Bald wechselt das Grundstück mit der historischen Mühle und dem Wasserrad neben dem Schloss Böttstein den Besitzer. Bis Anfang März soll der noch fehlende Betrag zusammenkommen.

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Das Wasserrad befindet sich zurzeit noch in einem desolaten Zustand.

Das Wasserrad befindet sich zurzeit noch in einem desolaten Zustand.

Alex Spichale

Zwar fehlen noch rund 56'000 Franken. Dennoch hat der Verein Kultur am Mühlebach das Kaufrecht für die 5000 Quadratmeter grosse Parzelle 709 in Böttstein ausgeübt, teilt er ein einem Newsletter mit.

Auf dem Grundstück befinden sich eine Mühle aus dem Jahr 1607 mit zwei Wohnungen darüber, ein Ökonomiegebäude mit Stall, Scheune sowie Heustock, ein Wochenendhaus, ein Backhaus und das heute mutmasslich grösste Wasserrad seiner Art: aus Holz, in einem Gebäude und oberschlächtig, also durch von oben herabfallendes Wasser angetrieben.

In einer ersten Etappe soll das altershalber sehr desolate Wasserrad originalgetreu nachgebaut werden.
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Mit einem Generator will der Verein Kultur am Mühlebach Böttstein in Zukunft zudem Strom erzeugen.
Vereinspräsident Peter Ming und Vorstandsmitglied Edi Wiederkehr stehen neben dem imposanten Wasserrad mit zehn Metern Durchmesser.
Die Holztüre rechts führt hinunter zum Wasserrad. Links befand sich früher die Mahlstube, die über eine kleine Tür mit dem Wasserrad verbunden ist. Darüber sind zwei Wohnungen. Die heute umgenutzte Mahlstube möchte der Verein wieder zum Leben erwecken.
In einer zweiten Etappe sollen Stall, Scheune und Heustock im Ökonomiegebäude Wohnungen, Ateliers und Werkräumen weichen.
Peter Ming (rechts) sagt: «Wir haben dort die grosse Chance, einen Kulturraum zu schaffen.» Ein bewilligungsfähiges Vorprojekt erstellte der Verein bereits. Als Kurslokal dienen soll zu einem späteren Zeitpunkt auch das sogenannte Wochenendhaus, in dem ein naher Verwandte der Besitzerin während einiger Jahrzehnte die Wochenenden mit seiner Familie verbrachte.
Die dritte Etappe umfasst die Sanierung und Umnutzung des Backhauses zu einer «Schau-Bio-Bäckerei». Auch die Bäckerei gehörte ursprünglich zum Schloss, später wohnten dort Gehilfen des Müllers. Der Grossvater der heutigen Besitzerin übernahm die Mühle samt Backhaus und Stall um 1900. Der intakte Gewölbekeller könnte künftig als Informationsraum genutzt werden. «Backen mit Mehl, das mit Wasserkraft frisch gemahlen wurde, ist eine weitere Vision», sagt Edi Wiederkehr.
Der rund 800 Jahre alte, künstlich angelegte Mühlebach versorgt gleich drei Wasserräder mit Wasser.
Die Obere Mühle mit dem obersten Wasserrad existiert nicht mehr. Das zweite Wasserrad mit einem Durchmesser von fünf Metern treibt die Ölmühle und die sogenannte Gattersäge an. Danach fliesst das Wasser durch einen Kanal (im Bild) zum nächsten Gebäude – der Unteren Mühle (Hauptgebäude mit dem Wasserrad, der Mahlstube und zwei Wohnungen).

In einer ersten Etappe soll das altershalber sehr desolate Wasserrad originalgetreu nachgebaut werden.

Alex Spichale

Der Kaufpreis beträgt 1,04 Millionen Franken. Aus dem Swisslos-Fonds erhält der Verein dafür 190'000 Franken und von der Gemeinde Böttstein 150'000 Franken. Auch, so der Verein, sei bereits ein Bankkredit über 400'000 Franken zugesichert worden. Die restlichen 300'000 Franken sollen über Spenden finanziert werden. Dank zahlreicher Gönnerinnen und Gönnern kamen dafür bereits über 244'000 Franken zusammen.

Weitere 600'000 Franken will der Verein in Erneuerungen und Renovationen investieren. Dafür sprach der Swisslos-Fonds bereits 310'000 Franken und die Stiftung Barzmühle 25'000 Franken. Die noch fehlenden 56'000 Franken für den Grundstückskauf möchte der Verein bis zur Generalversammlung von Anfang März noch beschaffen.

An der Versammlung entscheiden die Vereinsmitglieder über den Kaufentscheid. Stimmen sie zu, soll der Vertrag bis Ende März unterschrieben werden. Der 2017 gegründete Verein möchte mit dem Kauf des Grundstücks die kulturhistorischen Schätze für die Nachwelt erhalten und als kulturhistorisches, überregionales Zentrum für die Öffentlichkeit innovativ erlebbar machen. (sga)

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