Zurzibiet
Böbikon sagte Nein zum Finanzausgleich – und doch sahnt die Gemeinde am meisten ab

Nur 4 Gemeinden müssen in den Finanzausgleich zahlen, 19 bekommen Geld. Die az hat die Zahlen ausgewertet.

Andreas Fretz
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In Böbikon sagten im Februar 2017 nur 2,2 Prozent Ja zum neuen Finanzausgleich. Doch nun erhalten die Einwohner pro Kopf den höchsten Betrag. dws

In Böbikon sagten im Februar 2017 nur 2,2 Prozent Ja zum neuen Finanzausgleich. Doch nun erhalten die Einwohner pro Kopf den höchsten Betrag. dws

Nachdem die Aargauer Stimmbevölkerung im Februar dem neuen Finanz- und Lastenausgleich zugestimmt hatte, haben die Gemeinden auf diese Zahlen gewartet: Der Kanton hat ihnen in diesen Tagen mitgeteilt, wie viel Geld sie 2018 aus dem neuen Finanzausgleich zwischen den Gemeinden erhalten – oder wie viel sie in den Topf einzahlen müssen. 19 der 23 Zurzibieter Gemeinden gehören zu den Profiteuren: Sie erhalten Geld. Nur 4 zahlen ein.

Erstaunlich ist das Beispiel Böbikon: Die Einwohner erhalten pro Kopf 2213 Franken – am meisten im ganzen Aargau. Doch nirgends im Kanton fand der neue Finanz- und Lastenausgleich weniger Zustimmung. Gerade mal 2 der 90 stimmenden Böbiker warfen Anfang Jahr ein Ja in die Urne. Beim zweiten Blick erstaunt dieser Widerspruch indes weniger, denn so rosig sind die Aussichten nicht: 2017 erhielt Böbikon noch 316 000 Franken aus dem Finanzausgleich. Neu sind es 127 000. Nur dank des Übergangsbeitrags von 247 000 Franken fliessen netto 374 000 Franken in die 169-Seelen-Gemeinde.

Den Übergangsbeitrag erhalten jene Gemeinden während vier Jahren, deren Finanzhaushalt durch den auf 2018 vollzogenen Systemwechsel um mehr als zwei Steuerfussprozente belastet wird. Der Betrag nimmt in den Folgejahren jedes Jahr um 25 Prozentpunkte ab. Dieser Übergangsbeitrag ist gerade für kleinere und finanzschwächere Kommunen essenziell. Denn Böbikon droht unter dem neuen System in Zukunft eine Steuererhöhung um 12 Prozentpunkte auf 127 Prozent.

7,4 Mio. fliessen ins Zurzibiet

In der Pro-Kopf-Rangliste sind die Zurzibieter Gemeinden die grossen Profiteure des Finanzausgleichs: In den Top 14, angeführt von Böbikon, befinden sich sieben Gemeinden aus dem Bezirk. Unter dem Strich fliessen netto 7,397 Millionen Franken ins Zurzibiet. Am meisten erhält Rietheim mit insgesamt 949 000 Franken. Kantonsweit am meisten Finanzausgleich bekommt Aarburg mit 4,732 Millionen Franken.

Nur vier Gemeinden aus der Region zahlen Geld ein. Den grössten Batzen liefert der Bezirkshauptort Bad Zurzach mit 286 000 Franken. Ohne den Übergangsbeitrag vom Kanton über 106 000 Franken wären es gar 392 000 Franken. Bad Zurzach muss im neuen System stärker bluten: 2017 zahlte die Gemeinde noch 146 000 Franken. Doch die neuen Zahlen sind mit denen des Vorjahres nicht direkt vergleichbar, weil die Aufgaben zwischen Kanton und Gemeinden anders verteilt werden.

Pro Kopf steuern die Einwohner von Leibstadt mit 149 Franken am meisten zum Finanzausgleich bei. Kantonaler Spitzenreiter in dieser Kategorie ist Oberwil-Lieli mit 927 Franken.