Neue Details
Bluttat in Würenlingen: Erschossener Nachbar war definitiv ein Zufallsopfer

Bei der Bluttat in Würenlingen hat die Aargauer Staatsanwaltschaft weitere Details veröffentlicht. Nun ist klar, dass der erschossene Nachbar definitiv ein Zufallsopfer war. Der Täter hat insgesamt 14 Schüsse abgegeben.

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Schüsse in Wohnquartier in Würenlingen – Mehrere Tote
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In diesem Haus erschoss der Täter seine Verwandten.
Das Haus befindet sich am Langackerweg: Anwohner hörten an jenem Samstagabend gegen 23 Uhr Schüsse.
Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Markus Gisin, Chef Aargauer Kriminalpolizei, an der Medienkonferenz am Tag nach der Tat: «Es sind relativ viele Schüsse gefallen.»
Der Familienvater mit türkischer Abstammung war zehn Tage vor der Bluttat von Würenlingen aus der psychiatrischen Behandlung entlassen worden.
Der Täter, Semun A., war der Polizei bereits bekannt.
Wegen häuslicher Gewalt war er ab April 2015 in der Psychiatrie.
Daniel von Däniken von der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft.
Polizeikommandant Michael Leupold.

Schüsse in Wohnquartier in Würenlingen – Mehrere Tote

Keystone

Neue Details zur Bluttat mit fünf Toten in Würenlingen AG: Der 36-jährige Täter erschoss mit insgesamt 14 Schüssen seine Schwiegereltern, seinen Schwager und einen Nachbarn. Die Tötung des Nachbarn war gemäss Aargauer Staatsanwaltschaft nicht geplant. Das Motiv ist vorerst unklar.

Insgesamt zehn Schüsse hatte der 36-jährige Familienvater aus dem Kanton Schwyz im Haus der Schwiegereltern abgefeuert, wie die Aargauer Staatsanwaltschaft am Freitag mitteilte. Er tötete am Samstagabend zuerst seinen 57-jährigen Schwiegervater. Dieser hatte ihm die Türe geöffnet.

Danach erschoss er seinen 31-jährigen Schwager und seine 59-jährige Schwiegermutter. Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei diesem Tatablauf auf die Erkenntnisse des kriminaltechnischen Dienstes.

Der Mann tötete das vierte Opfer, einen 45-jährigen Nachbarn, vor dem Haus. Dieser war im Garten gestanden. Die Vermutung, dass diese Tötung nicht geplant und der Täter seinem Opfer zufällig begegnet war, erhärtete sich, wie die Staatsanwaltschaft festhält.

Der Täter habe auf dem Kiesweg kurz innegehalten, auf den im Garten stehenden Nachbarn geschossen und sei ein paar Schritte weiter gegangen, bevor er sich selbst gerichtet habe. Nicht alle Schüsse trafen ihr Ziel. Man könne aber davon ausgehen, dass die Opfer sofort tot waren, so Staatsanwaltssprecherin Fiona Strebel auf Anfrage.

Herkunft der Waffe unklar

Wie und wann der Täter an die nicht registrierte Tatwaffe kam, weiss die Staatsanwaltschaft vorerst nicht. Am Wohnort des Täters im Kanton Schwyz wurden viele Unterlagen beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft erhofft sich mehr Erkenntnisse aus den Auswertungen.

Aufgrund der bisherigen Ermittlungen gesichert ist gemäss Staatsanwaltschaft lediglich, dass dem Tötungsdelikt Erbschaftsstreitigkeiten um einen grösseren Geldbetrag vorausgegangen waren. Auf Anfrage sprach Strebel von einem sechsstelligen Betrag.

Es sei noch "überhaupt nichts erhärtet", sagte Strebel. Möglicherweise werde das Motiv nie restlos klar sein, weil man den Täter nicht mehr befragen könne.

Unterlagen werden ausgewertet

Die Ermittlungen zur Bluttat dauern an. Am Wohnort des Täters im Kanton Schwyz wurden bei einer Hausdurchsuchung Laptop, diverse Datenträger wie USB-Sticks sowie umfangreiche Korrespondenz sichergestellt. Die Auswertung der Unterlagen wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Staatsanwaltschaft erhofft sich von der Auswertung dieser Unterlagen weitere Erkenntnisse über das Tatmotiv. Offen sei die Frage, ob es vor der Tat Drohungen gegeben habe. Es sei davon auszugehen, dass der Täter seit längerem an einer psychischen Erkrankung gelitten habe.

Verfahren wird wohl eingestellt

Der 36-jähriger Schweizer mit türkischer Abstammung war neun Tage vor der Bluttat aus einer psychiatrischen Klinik im Kanton Thurgau entlassen worden. Er war am 24. März in die Klinik mit einer fürsorgerischen Unterbringung wegen Selbst- und Fremdgefährdung eingewiesen worden.

Die Kantonspolizei Schwyz hatte am 24. März in der Wohnung des Täters eine Hausdurchsuchung gemacht. Es wurden keine Waffen sichergestellt. Auch bei einer Durchsuchung im März 2012 waren keine Waffen gefunden worden.

Die Aargauer Staatsanwaltschaft führt ein Strafverfahren wegen mehrfacher Tötung. Sie geht davon aus, dass das Verfahren letztlich eingestellt werden dürfte, weil der Täter nicht mehr lebt.

Beamte in Zivil laden beschlagnahmte Gegenstände in ein Fahrzeug mit Aargauer Kennziffer.
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Zeri Dinic steht vor der amtlich versiegelten Tür der Wohnung von A. Er litt sehr unter seinem Nachbarn und ist froh, dass er weg ist.
Die Polizei hat die Wohnungstür versiegelt.
Hier wohnte der Täter von Würenlingen
Semun B. hatte vor seiner Wohnungstür eine Kamera installiert.

Beamte in Zivil laden beschlagnahmte Gegenstände in ein Fahrzeug mit Aargauer Kennziffer.

Alex Spichale

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