Region
Binnen 24 Stunden steigen die Steuern in drei Gemeinden um 17 Prozentpunkte

In Leibstadt, Würenlingen und Klingnau sollen heute und morgen die Steuern rauf.

Andreas Fretz
Drucken
Teilen
Höhere Steuern bedeuten weniger Geld im Portemonnaie: Darüber muss die Bevölkerung in Leibstadt, Würenlingen und Klingnau befinden. (Symbolbild)

Höhere Steuern bedeuten weniger Geld im Portemonnaie: Darüber muss die Bevölkerung in Leibstadt, Würenlingen und Klingnau befinden. (Symbolbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Im November und Dezember reiht sich im Zurzibiet Gmeind an Gmeind. In allen 23 Ortschaften der Region befinden die Stimmbürger über den zukünftigen Steuerfuss. Eine Senkung ist nirgends in Sicht. Dreimal ist eine Erhöhung traktandiert: in Leibstadt, Würenlingen und Klingnau. Wie es der Zufall will, finden diese drei Gemeindeversammlungen in einem Zeitraum von nur 24 Stunden statt. In Klingnau und Würenlingen versammeln sich die Bürger heute Abend, in Leibstadt am Freitag. Sagen sie dreimal Ja, erhöht sich der Steuerfuss in der Region an einem Tag um addierte 17 Prozentpunkte.

Der Trend ist klar: In den letzten Jahren bewegten sich die Gemeindesteuern nach oben. Im letzten Jahr erhöhten Döttingen und Endingen ihren Steuerfuss. Das einstige Steuerparadies Döttingen von 95 auf 110, Endingen von 108 auf 111 Prozent. Lengnaus Stimmbürger hingegen schickten die vom Gemeinderat beantragte Erhöhung um 2 Prozentpunkte bachab. Die letzte Steuersenkung liegt ein Weilchen zurück: Sie wurde 2014 in Wislikofen beschlossen (von 117 auf 110 Prozent).

Leibstadt: von 95 auf 102

Leibstadt ist aktuell die einzige Gemeinde im Bezirk Zurzach mit einem Steuerfuss unter 100 Prozent. Dies soll sich morgen ändern. Ein Anstieg von 95 auf 102 Prozent ist angedacht. «Dass wir den Status ‹einzige Zurzibieter Gemeinde mit einem Steuersatz unter 100 Prozent› verlieren, ist nebensächlich», sagt Gemeindeammann Hanspeter Erne. Bei einer Annahme wäre der Steuerfuss immer noch vergleichsweise attraktiv.

«Wir wollen ja nicht hoch auf 120», sagt Erne. Die Gemeinde hat in den letzten Jahren ihre Schulden abbauen können. Schon vor drei Jahren wurde informiert, dass bei anstehenden Investitionen die letzte Steuersenkung rückgängig gemacht wird. Mit der Erschliessung Furlänge und den Sanierungen Bossenhausstrasse und Oberdorfstrasse/Dorfbach kommen nun Ausgaben auf die Gemeinde zu. Andererseits musste Leibstadt grössere Einbussen in Kauf nehmen, beispielsweise durch die Reduzierung der Aktiensteuer bei juristischen Personen und dem Verlust der Realschule. Diese beiden Ausfälle verursachen ein Minus von 260 000 Franken, was rund 11 Steuerprozenten entspricht. So gesehen ist eine Erhöhung um 7 Prozentpunkte fast schon moderat. «Die geplante Steuererhöhung wird in der Bevölkerung kritisch hinterfragt», sagt Erne, «ich bin dennoch zuversichtlich, dass sie ohne grössere Widerstände angenommen wird.»

Würenlingen: Von 95 auf 103

Auch die Gemeinde Würenlingen im Bezirk Baden plant, die psychologisch wichtige Grenze von 100 Prozent zu überschreiten. «Ich hoffe, wir können die Bürger überzeugen», sagt Ammann André Zoppi. Vorarbeit hat er bereits geleistet. Seit der Sommergmeind 2015 hat er bei jeder Versammlung auf das Klumpenrisiko beim Steuerertrag von juristischen Personen hingewiesen. Machte dieser vor einigen Jahren noch 25 Prozent der Steuereinnahmen aus, ist er auf 10 gesunken. «Wir beobachten diese Entwicklung seit drei bis vier Jahren», sagt Zoppi, «jetzt ist Zeit, um zu reagieren.» Es gebe genügend Beispiele, wo zu lange gewartet wurde. Die Erfolgsrechnung bezeichnet Zoppi als «Katastrophe». Ohne die beantragte Erhöhung, sie wird die Steuerzahler rund 660 000 Franken kosten, könnten die laufenden Ausgaben nicht gedeckt werden, der Aufwandüberschuss läge bei 1,1 Millionen Franken. «Eine Steuererhöhung um 8 Prozent ist mutig», sagt Zoppi, «aber sie wird den Einzelnen nicht so viel kosten, dafür der Gemeinde viel bringen.»

Klingnau: Von 103 auf 105

«Eine offene Kommunikation ist wichtig, wenn man die Steuern erhöhen will», sagt Klingnaus Ammann Oliver Brun. Obwohl die Gemeinde eine Infoveranstaltung durchgeführt hat, wagt Brun keine Prognose zum Traktandum Steuern. «Das wäre wie ein Blick in die Glaskugel.» Jedenfalls verlief die Diskussion ruhig und sachlich. Weil Klingnau das Steuersoll 2016 bei natürlichen Personen wohl nicht erreicht und bei den juristischen Personen mit sinkenden Erträgen rechnet, soll die Steuer um zwei Prozentpunkte auf 105 erhöht werden. «Das ist kein Steuerschock», sagt Brun. Es sei eine massvolle, verträgliche Steuererhöhung, um die Finanzen ins Lot zu bringen. Der Blick in die Zukunft zeigt jedoch, dass weitere Erhöhungen geplant sind. Für die bevorstehende Sanierung der Schulliegenschaft Schützenmatt ist dies unausweichlich. Auch diese Vorankündigung sieht Brun als Zeichen der Transparenz.