Kaiserstuhl
Besitzerin kann Miete nicht bezahlen: Stadtlädeli kämpft ums Überleben

Mena Stupan steht vor einer Herausforderung, die sie einzig mit Leidenschaft nicht mehr meistern kann. Sie will ihr Dorflädeli retten. Ein Komitee will dem letzten Laden im Städtchen helfen.

Pirmin Kramer
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Mena Stupan will weiter um ihr Stadtlädeli kämpfen. AZ-Archiv/KUS

Mena Stupan will weiter um ihr Stadtlädeli kämpfen. AZ-Archiv/KUS

Seit fünf Jahren führt Mena Stupan auf eigene Rechnung das Stadtlädeli, das einzige Lebensmittelgeschäft im 403-Seelen-Städtchen Kaiserstuhl. «Dies macht sie mit sichtlicher Freude – und ohne Aufwand und Ertrag gegeneinander aufzurechnen», heisst es in einem Schreiben, das im Mitteilungsblatt der Gemeinden Kaiserstuhl und Fisibach publiziert worden ist.

Nun steht Stupan vor einer Herausforderung, die sie mit Leidenschaft alleine nicht mehr meistern kann.

«Der Eigentümer der Liegenschaft hat das Lädeli stets stark gefördert und den Raum in den ersten Jahren fast gratis zur Verfügung gestellt», sagt Valentin Egloff, der das Schreiben zusammen mit weiteren Kaiserstuhlern verfasst hat.

«Jetzt ist die Liegenschaft an der Hauptgasse renoviert worden, und Stupan müsste erstmals einen Mietzins bezahlen.» Der Mietzins würde mit Nebenkosten zwar verhältnismässig tiefe 700 Franken kosten, aber ohne Unterstützung wird der Laden in die roten Zahlen fallen», sagt Egloff.

«Die Zukunft unseres einzigen Ladens wird damit unsicher.»

«Mehr als nur ein Geschäft»

Am Montagabend haben sich 25 Kaiserstuhler versammelt, um über die Zukunft des Stadtlädelis zu sprechen. «Die Bevölkerung und auch der am Anlass vertretene Stadtrat würden eine Schliessung sehr bedauern», sagt Egloff.

«Es geht nicht nur darum, dass man hier Gipfeli, Milch und Joghurt besorgen kann und damit eine Einkaufsmöglichkeit verschwinden würde», sagt Egloff. «Das Lädeli ist viel mehr als nur ein Geschäft – es ist der Lebensnerv unseres Städtchens.»

Als Begegnungsort sei das Stadtlädeli von grosser Bedeutung. «Wir möchten Sponsoren finden, die es Mena Stupan ermöglichen, dass sie den Mietzins nicht bezahlen muss», erklärt Egloff. «Pro Jahr müssten wir 8000 bis 10 000 Franken generieren, damit sie das Lädeli über die Runden bringt», schätzt Egloff.

«Im Idealfall können wir vielleicht sogar einen Teil der Stromrechnung bezahlen.»

Das Treffen sei positiv verlaufen, sagt Egloff. «Bereits haben sich einige Personen bereit erklärt, für einen halben oder gar für einen ganzen Monatszins aufzukommen.»

Der Frauenverein prüfe, ob ein Teil des Erlöses des Basars dem Stadtlädeli zugute kommen soll, und auch der Verein «Pro Kaiserstuhl» sowie das Organisationskomitee des Mittelalterfests prüften eine Beteiligung.

Mena Stupan sagt: «Die Solidarität freut mich. Ich gebe nicht auf, ich will weitermachen. Die Leute in Kaiserstuhl würden sich ohne Laden nicht mehr sehen. Das wäre schade.»

Bis 1993 hatte es in Kaiserstuhl eine Einkaufsmöglichkeit im ehemaligen Kutterladen gegeben. Nach der Schliessung des Ladens schaffte es eine Interessengruppe, den Volg ins Städtli zu locken.

Eine Filiale eröffnete an der Rheingasse. Mit drei bis vier Steuerprozenten wurde er von der Gemeinde subventioniert, und doch rentierte er nicht. Ende 2006 ging auch der Volg zu, ehe Stupan ihr Lädeli eröffnete.

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