Franken-Effekt
Benzintouristen bleiben aus, Aargauer Tankwarten drohen hohe Verluste

Das Ende des Euro-Mindestkurses ist für die Tankstellenbesitzer im Grenzgebiet ein Schock. Die deutsche Konkurrenz senkt zudem die Preise.

Angelo Zambelli
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Er tankt trotz Kurssturz noch in Bad Zurzach: Autofahrer aus Waldshut.

Er tankt trotz Kurssturz noch in Bad Zurzach: Autofahrer aus Waldshut.

Angelo Zambelli

«Das war ein rabenschwarzer Tag», sagt Arnold Mühlebach, Inhaber der Kreiseltankstelle in Tegerfelden. Er meint den letzten Donnerstag, als der Euro auf das Niveau des Schweizer Frankens absackte. «Ich habe den Computer zweimal abgeschaltet, weil ich zuerst glaubte, es sei eine Falschmeldung. Schliesslich musste ich aus den Nachrichten aber doch erfahren, dass die Meldung stimmt, dass die Nationalbank den Franken nicht weiter stützt. Das war ein richtiger Schock.»

Jahrelang haben die Tankstellenbesitzer in der Grenzregion zu Deutschland vom starken Franken und von den hohen Treibstoffpreisen in Deutschland profitiert. Das Geschäft lief wie geschmiert. Doch damit ist es nun vorbei. Die deutschen Autofahrer haben keinen Anlass mehr, in die Schweiz zu fahren und ihre Tanks mit Diesel oder Benzin zu füllen.

Deutsche senken Preise

Am Freitag fiel nicht nur der Euro unter einen Franken: Zum Leidwesen der Schweizer Tankstellenbesitzer am Rhein reagierten ihre deutschen Kollegen sofort und senkten die Preise massiv, was den Druck auf die Schweizer Anbieter zusätzlich erhöhte. Während an den freien Tankstellen in der Schweiz für einen Liter Benzin noch Fr. 1.34 berappt werden mussten, waren es in Waldshut-Tiengen – aber auch im einige Kilometer von der Grenze entfernten Stühlingen-Birkendorf – nur noch 1.21 Euro. Noch dramatischer präsentierte sich die Situation beim Diesel: Ein Liter Diesel war in Deutschland für 1.06 Euro zu haben; in der Schweiz für Fr. 1.46. Das wirkte sich sofort auf die Besucherzahlen an den Schweizer Zapfsäulen aus, obwohl die Meldung vom Frankenzerfall in Deutschland noch nicht überall durchgedrungen war.

An der Migrol-Tankstelle ausgangs Bad Zurzach, wo sich vor Wochen noch Kolonnen von deutschen Autofahren gebildet hatten, fuhren einzelne Deutsche vor, allerdings nicht, um zu tanken, sondern, um ihren Schweizer Lottoschein abzugeben wie Franziskus Azebdu aus Waldshut-Tiengen oder einen Tankgutschein einzulösen, wie Edmunda von Roit aus Stühlingen-Birkendorf. «Ich habe jahrelang in Bad Zurzach getankt. Jetzt ist es für uns überhaupt nicht mehr interessant», sagt von Roit und zeigt einen Anflug von Mitleid mit ihren Nachbarn: «Für die Schweizer Wirtschaft und die Schweizer Konjunktur ist der Kurszerfall eine ganz schlechte Sache.»

Trost: Auch Dollar hat an Wert verloren

Das ist es in der Tat: Arnold Mühlebach befürchtet, alle deutschen Kunden zu verlieren. Diese haben in der Vergangenheit immerhin für 50 bis 60 Prozent seines Umsatzes gesorgt. Einziger Trost ist, dass auch der Dollar an Wert verloren hat und die Tankstellenbesitzer das Desaster mit einem tieferen Einkaufspreis etwas mildern können. Für Mühlebach wäre es schon eine Erleichterung, wenn sich der Eurokurs gegenüber dem Franken bei 1.10 einpendeln würde. «Damit könnte ich leben», sagt er. Bei Gleichstand der Währung hätten er und seine Tankstellenkollegen entlang der Grenze ganz schlechte Karten. Gegensteuer zu geben, sei schwierig, sagt Mühlebach. «Wir sind den Währungsschwankungen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.»

Ähnlich beurteilt Josef Senn von der Tankstelle Senn AG in Döttingen die Situation: «Im Moment ist die Lage nicht dramatisch, da die Tankstelle für uns ein Nebengeschäft ist. Sie könnte es aber in den nächsten Wochen und Monaten noch werden.» Im Moment liege der Verkaufspreis für Benzin und Diesel unter dem Einkaufspreis von vor zwei Monaten. «Im Moment betreiben wir ein Minusgeschäft», bilanziert Senn. «Ein Weltuntergang ist das allerdings nicht. Wir sind uns gewohnt, zu kämpfen.»