Wislikofen
Benedikt von Nursia hätte am neuen Saal seine Freude gehabt

Im Seminarhotel und Bildungshaus Propstei Wislikofen ist der neue Benediktsaal eingeweiht worden. Der nach Benedikt von Nursia benannte Saal bildet gewissermassen den Mittelpunkt des neuen Seminarbereichs der Propstei.

Louis Probst
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Blick auf den modern gestalteten Anbau mit dem Benediktsaal.

Blick auf den modern gestalteten Anbau mit dem Benediktsaal.

«Es ist eine Riesenfreude», stellt Claudia Mennen, die Leiterin des Seminarhotels und Bildungshauses Propstei Wislikofen der römisch-katholischen Landeskirche, zum neuen Saal fest. Der 60 Quadratmeter grosse Saal, der nach dem Gründer des Benediktinerordens, Benedikt von Nursia, benannt ist, bildet gewissermassen den Mittelpunkt des neuen Seminarbereiches der Propstei. Der Saal, bei dessen Bau hochwertige Materialien verwendet wurden, bietet eine willkommene Ergänzung zum bestehenden Konferenz- und Speisesaal.

Verlottert und gerettet

1137 hiess Papst Innozenz II. das gemeinschaftliche Mönchsleben in Wislikofen gut und bestätigte die Rechte der Abtei St. Blasien am Klösterchen. 1812 erwarb der Kanton Aargau die Propstei und überliess die Kirche der Pfarrgemeinde Wislikofen. Im Laufe der Jahrzehnte gerieten die Bauten in einen derart desolaten Zustand, dass der Grosse Rat 1962 beschloss, die Gebäude bis auf die Kirche abzubrechen. Dank einer Arbeitsgemeinschaft der römisch-katholischen Landeskirche und mit Unterstützung von Denkmalpflege und Heimatschutz konnte die Propstei gerettet und Mitte der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts restauriert sowie zu einem Bildungs- und Erholungszentrum umgebaut werden. (Quelle: Peter Honegger: «Ehemalige Propstei Wislikofen», Basel 1980). (LP)

«Im Seminarbereich», erklärt Mennen, «bildet sich das Profil der Propstei deutlich ab: die Verbindung von Natur, Klosterkultur, Geschichte und benediktinischer Gastfreundschaft. Der Benediktsaal soll ein Raum sein, in dem man Mensch sein und zu sich finden kann.» Und in Anlehnung an Jakobs Traum von der Himmelsleiter im Buch Genesis gibt sie zu bedenken: «Wir können nur den Rahmen bieten. Das Wunder muss so geschehen.»

Saal stösst auf Interesse

Den Weg freigemacht für den neuen Seminarbereich der Propstei – und damit auch für den Benediktsaal – hatte die Synode der Römisch-katholischen Landeskirche 2012, indem sie einen Kredit in der Höhe von 1,4 Millionen Franken bewilligte. Aus einem Wettbewerb ging dann das Projekt der Aarauer Architekten Schneider und Schneider siegreich hervor. Und zu Anfang dieses Jahres konnte der neue Seminarbereich, der in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege realisiert worden ist, fertiggestellt werden. «Wir haben bereits viele Gruppen, die sich für den Saal interessieren», sagt Claudia Mennen. «Es ist schön, dass sie sich im Saal wohlfühlen.»

Am Wochenende ist der Benediktsaal im Rahmen des «Frühlingserwachens» eingeweiht worden. Am Samstag liessen sich an einem Tag der offenen Türen zahlreiche Besucherinnen und Besucher durch die Propstei und natürlich auch durch den Benediktsaal führen. Kunsthandwerkerinnen stellten ihre Arbeiten aus. Im Abt-Zimmer zeigte Brigitte Laube ihre Installation «In Dankbarkeit für das Leben». Und Thomas Markus Meier gab mit Exponaten aus seiner Sammlung von Bibeln und Bibel-Faksimile-Drucken sowie einem Referat einen interessanten Einblick in die Entwicklungsgeschichte des Buches der Bücher.

Am offiziellen Teil mit vielen geladenen Gästen am Sonntag sprach Luc Humbel, der Präsident des Kirchenrates der römisch-katholischen Landeskirche Aargau, und der Philosoph Ludwig Hasler befasste sich mit dem Thema «Was erwarten Menschen von einem Bildungshaus und Seminarhotel in kirchlicher Trägerschaft?»

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