Klingnau
Bei der Arbeit werde ich jetzt ständig gefragt: «Bist wieder auf Goldsuche?»

Jean-Marc Wenger, Leiter des Bauamts Klingnau, hat Gold im Wert von 120000 Franken gefunden. Sollte es dereinst ihm gehören, will er nach Neuseeland oder Australien. Er wäre fantastisch, wenn diese Träume dank dem Gold möglich würden, sagt er.

Angelo Zambelli
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Goldfund in Klingnau: Fundort und Fundgegenstand.

Goldfund in Klingnau: Fundort und Fundgegenstand.

TeleM1/Kapo AG

Davon träumen alle Menschen: Einmal im Leben einen Goldschatz zu finden. Für Jean-Marc Wenger, Leiter des Bauamts Klingnau, ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Beim Mähen einer Naturwiese zwischen dem Bahndamm und der Umfahrungsstrasse entdeckte er zusammen mit seinem Lehrling Timo Metzger hinter einem Strauch einen Plastiksack mit Goldbarren im Wert von rund 120 000 Franken. Noch ist nicht klar, wem das Gold gehört. Ein Gespräch mit dem Goldfinder.

Sie haben zusammen mit Ihrem Lehrling 2,5 Kilo Gold gefunden. Haben Sie nie mit dem Gedanken gespielt, das Gold für sich zu behalten?
Nein, nie. Ich bin eine durch und durch ehrliche Haut und es hätte überhaupt nicht meinem Naturell entsprochen, das Gold verschwinden zu lassen. Ich bin auch hundertprozentig sicher, dass ich das Gold zur Polizei gebracht hätte, wenn ich allein gewesen wäre. Ich lebe nach dem Grundsatz: Nur was ich mir selbst erarbeitet habe, kann ich geniessen.

Kindern wird erzählt, dass sich am Ende eines Regenbogens ein Goldschatz befindet. Haben Sie einen Regenbogen gesehen?
Nein, habe ich nicht. Beim Öffnen des Päckchens habe ich allerdings für ein paar Sekunden Sterne gesehen, so gross war die Überraschung.

War das Ihr erster grosser Fund oder geschieht dies öfters?
Auf unseren Touren durch die Gemeinde Klingnau finden wir funktionstüchtige Velos oder Handys. Aber auf Goldbarren stossen auch wir nicht alle Tage. In der Mehrzahl finden und entsorgen wir weggeworfene Abfallsäcke, leere Bierflaschen und Aludosen. Ganz unangenehm wird es, wenn tote Tiere weggeräumt werden müssen.

Haben Sie eine Vermutung, woher das Gold stammen könnte?
Es wird spekuliert, dass das Gold Deliktsgut ist und an dieser Stelle zwischengelagert wurde oder von einer anderen Person abgeholt werden sollte. Möglich auch, dass das Gold geschmuggelt wurde und die Grenzwache hinter den Schmugglern her war. Am meisten freuen würde mich, wenn die Goldbarren dem rechtmässigen Besitzer zurückgegeben werden könnten. Aber diese Variante ist eher unwahrscheinlich.

Wie haben Sie den Rummel um Ihre Person erlebt? Am Donnerstag hat sich wohl die halbe Schweiz bei Ihnen gemeldet. . .
Was da abgegangen ist, war erstaunlich und spannend zugleich. Gerne im Mittelpunkt stehe ich nur, wenn ich Schülern zeigen kann, wie man korrekt entsorgt. Wegen des Goldfundes im Mittelpunkt zu stehen, ist mir unangenehm. Jedenfalls werde ich jetzt während der Arbeit ständig gefragt, ob ich mich wieder auf Goldsuche befinde. Aber das nehme ich mit Humor.

Gesetzt den Fall, der rechtmässige Besitzer des Goldes kann nicht ausfindig gemacht werden. Dann dürfen Sie und Ihr Lehrling das Gold behalten: Was machen Sie damit?
Ich habe Träume - wie jeder Mensch. Australien und Neuseeland haben mich schon immer fasziniert. Es wäre fantastisch, wenn diese Reiseträume dank des Goldfunds in Erfüllung gehen könnten.

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