Full
Begegnung mit Achilles, Hannibal und Cäsar im Militärmuseum

Das Schweizerische Militärmuseum in Full eröffnet die Ausstellung «Weltgeschichte in Zinn gegossen». Fast 100'000 Zinnsoldaten, in 28 Vitrinen verteilt, lassen sich im Militärmuseum bestaunen. Besitzer der Sammlung ist der Verleger Erich Reber.

barbara Scherer
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Zinnfigurensammlung des Basler Verlegers Erich Reber im Militärmuseum in Full
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Zinnfigurensammlung des Basler Verlegers Erich Reber im Militärmuseum in Full

Mathias Marx

Die Speere nach vorn gerichtet, das Bajonett fest umklammert, die Kanonen einsatzbereit – so stehen sie stramm und regungslos da. Fast 100'000 Zinnsoldaten, in 28 Vitrinen verteilt, lassen sich im Militärmuseum Full bestaunen. Flach, farbig und detailgetreu erzählen sie die Kriegsgeschichte in Miniatur.

Besitzer der Sammlung ist der Verleger Erich Reber. «Meine erste Zinnfigur habe ich wohl mit sechs Jahren bekommen, aber so genau weiss ich das nicht mehr», sagt Reber. Früher waren Zinnfiguren ein beliebtes Kinderspielzeug.

Reber erinnerte sich erst im Erwachsenenalter wieder an seine Zinnsoldaten. Dabei erwachte sein Sammeltrieb. Besonders intensiv sammelte Reber erst nach der Pensionierung.

Achilles, Hannibal, Cäsar und Karl der Grosse, die grössten Krieger der Menschheitsgeschichte haben alle eine Vitrine. Angefangen bei den Sumerern, die auch als die Erfinder des Rades gelten, über das Mittelalter bis hin zur Schweizer Armee von 1945 erzählen die Zinnfiguren Geschichten aus jeder Epoche.

Da Reber anfangs die militärischen Zinnfiguren bevorzugte, überwiegen kriegerische Szenerien die Ausstellung. Später jedoch interessierte er sich auch für kulturhistorische Figuren. So kann man auch die griechische Obrigkeit beim Gaumenschmaus beobachten oder ein wildes Piratenfest miterleben. Sogar die Dinosaurier haben einen Platz in der Ausstellung gefunden.

Früher hiess es Mann gegen Mann

Begleitet und vorgestellt hat die Sammlung Jürg Stüssi-Lauterburg, Bezirksrichter und Schweizer Militärhistoriker. Dass ein Karree (eine quadratische Gefechtsformation) ein wirkungsvoller Schutz gegen Kavallerieangriffe war, oder dass die Griechen bereits demokratisch waren, erklärte Stüssi den Besuchern anhand der Zinnfigurendarstellungen.

Natürlich wusste er, wie man bei den meisten Szenerien einen Bezug zur Schweiz machen kann. Warum die Darstellungen nur bis zur Schweizer Armee in den Vierzigerjahren geht, hängt laut Stüssi mit der veränderten Einstellung zum Krieg zusammen.

«Der Totalitarismus eignete sich nicht mehr. Es fehlte diesen Szenerien das ritterliche Ideal», sagt Stüssi und betont dabei, dass er nicht militaristisch klingen möchte. Kriege seien früher Mann gegen Mann ausgetragen worden. Spätere Kriegsführungen, wie im Zweiten Weltkrieg, passten einfach nicht mehr in dieses Schema.

Zinnfiguren waren Spielzeuge

Zinnfiguren sind ein sehr altes Produkt: Bereits die alten Griechen und Römer kannten sie. Die bekannte älteste deutsche Zinnfigur stammt aus dem 13. Jahrhundert. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts marschierten die Zinnsoldaten dann grossflächig in die Kinderzimmer ein. Sie dienten zu Beginn als Lernspielzeug, sie zeigten den Kindern die grosse weite Welt.