Mellikon
Bedrohte Arten im Steinbruch: Auch eine Sprengung bringt die Kreuzkröte nicht aus der Ruhe

Der Tag der offenen Tür im Steinbruch in Mellikon beeindruckte vor allem die Naturfreunde. Ihnen wurde aufgezeigt, wie sich im Kieswerk Ökonomie und Ökologie ergänzen können.

Hubert Keller
Drucken
Teilen
Tag der offenen Tür im Steinbruch
3 Bilder
Im Steinbruch Mellikon werden pro Jahr rund 150 000 Tonnen Kalkstein abgebaut.
«Damals hatten wir gelinde gesagt wenig Verständnis dafür, dass sich Naturschützer in unser Geschäft einmischten.» – Werner Kalt, Delegierter im Verwaltungsrat

Tag der offenen Tür im Steinbruch

zvg

Fünf lange Hornsignale, dann drei kurze, ein dumpfes Grollen und Poltern, aus der Felswand lösen sich 5000 Tonnen Gestein und stürzen, eingehüllt in eine mächtige Staubwolke, in die Tiefe. Es ist dies der spektakuläre Auftakt zum Rundgang durch die Kiesgrube Mellikon, auf dem Dominik Bohnenblust die beeindruckten Zuschauer begleitet.

Mit Sprengungen hat Dominik Bohnenblust allerdings nicht viel am Hut. Der Biologe ist Projektleiter der Abteilung Natur und Boden beim Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie FSKB und dafür verantwortlich, dass beim Kiesabbau nicht nur die Wertschöpfung für die Wirtschaft, sondern auch für die Natur stimmt.

Aufzuzeigen, wie sich im Steinbruch Ökonomie und Ökologie ergänzen können, war mitunter das erklärte Ziel des Verbandes der Kies – und Betonproduzenten VKB Aargau, der dieses Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert und am Samstag zum Tag der offenen Aargauer Kiesgruben eingeladen hatte.

Vor 30 Jahren gegründet

Die Steinbruch Mellikon AG ist vor 30 Jahren – auch dies ein Jubiläum – von der Kalt Kies- und Betonwerk AG (Kleindöttingen) und der Umbricht AG, Strassen- und Tiefbau (Turgi) gegründet worden. «Damals hatten wir gelinde gesagt wenig Verständnis dafür, dass sich Naturschützer in unser Geschäft einmischten», sagt Werner Kalt, Delegierter im Verwaltungsrat. Heute spricht er von einer Win-win-Situation für die Natur und das Kieswerk. Beide profitierten.

Während oben in der mächtigen Felswand der tonnenschwere Raupenbagger seine Arbeit verrichtet, führt Dominik Bohnenblust seine Gäste zu einer Magerwiese, dann zu einer ganzen Reihe von Tümpeln.

«Um Land zu gewinnen und die Siedlungen und Felder vor Hochwasser zu schützen, sind unsere Flüsse begradigt worden», erklärt der Biologe, «die Auenlandschaften gingen verloren und mit ihnen der Lebensraum für viele Arten.» Deshalb finde sich die Uferschwalbe, die diesen Namen nicht umsonst bekommen hat, nur noch in Steinbrüchen und Kiesgruben statt in Auen. In der Blumenwiese im rekultivierten Areal entdecken die Kinder sogar einen Bläuling. Der Schmetterling sei, wie Bohnenblust ihnen erklärt, ein Zeichen für die hohe Qualität der Wiese.

Geburtshelferkröte oder Ringelnatter, auch viele Reptilien haben im Steinbruch einen Ersatzlebensraum gefunden. Dass das Wasserrückhaltebecken nicht unbedingt der Vorstellung eines naturnahen Lebensraumes entspricht, stört die Kreuzkröte überhaupt nicht, sie fühlt sich darin offensichtlich wohl. Genauso wie die Ente, welche von den Kindern – «Mami, schau mal» - als Naturereignis gefeiert wird.

«Wir sind längst nicht mehr nur Steinbruch», sagt André Schärer, seit bald zehn Jahren Geschäftsführer der Steinbruch Mellikon AG. Der Steinbruch dient nach dem Abbau auch als Deponie für sauberes Aushubmaterial und leistet einen wertvollen Beitrag zur Sicherung der Biodiversität. Dass diesem letzteren Unternehmensziel mit der nötigen Umsicht nachgegangen wird, dafür sorgt eine Begleitkommission, der Vertreter der Gemeinde, des Kantons, von Pro Natura und der Unternehmung angehören.

Im Steinbruch Mellikon werden im Jahr 150 000 bis 200 000 Tonnen Kalkstein gewonnen. Mit Sprengungen wird der Fels gelockert, damit der 100 Tonnen schwere Raupenbagger den Kalkstein auf den bis 30 Meter breiten Pisten Schicht um Schicht abbauen kann. Ob Lärmschutzkörbe, Bodenplatten, Natursteintische, im Schaugarten zeigen sich die Naturfreunde auch von der vielfältigen Produktepalette beeindruckt. Naturschutz und Wirtschaft, das geht offensichtlich auch zusammen.

Aktuelle Nachrichten