Klingnau
Baschi kam, sah und sorgte für den Höhepunkt am Schloss-Open-Air

«Ich habe immer noch Lampenfieber», gesteht der 29-jährige Baschi. Trotz allem begeisterte der Sänger das ganze Publikum am Klingnauer Schloss-Open-Air.

Ursula Burgherr
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Baschi Klingnauer Schloss-Open-Air
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Baschi begeistert am Klingnauer Schloss-Open-Air
«Ich habe immer noch Lampenfieber», gesteht der 29-jährige Baschi.

Baschi Klingnauer Schloss-Open-Air

Baschi sitzt mit seinen Musikern im Garten von Schloss Klingnau und raucht eine Zigarette nach der anderen. «Ich habe immer noch Lampenfieber», gesteht der 29-Jährige, «auch bei einem kleinen Konzert wie diesem.» Im Juni stand er beim Argovia-Fäscht vor 40 000 Leuten, in Klingnau sind es gerade mal 300. «Die Grösse der Location spielt für mich keine Rolle. Ich gebe immer alles», behauptet der Sänger, während er Autogramme für ein paar Mädchen schreibt. Die Teenies warten schon seit Stunden, um ihrem Idol möglichst nahe zu kommen.

Um 21 Uhr geht es dann los. Zwischen Rauchschwaden und Lichtblitzen steigen Gitarrist Philippe Merk, Schlagzeuger Matthias Kräutli, Keyboarder Christian Riesen und Bassist Géza Burghardt auf die Bühne. Dann schnellt plötzlich Baschi vors Publikum und ruft ins Mikrofon: «Chraftwärk Klingnau, wie gahts?» Alle Hände gehen in die Höhe. Zum Auftakt gibt’s «Hashtag» um die Ohren, einen eingängigen Song mit treibenden Beats aus dem neuen Album «Zwische Dir und Mir».

Sein «reifstes Werk»

Sebastian Bürgin alias Baschi ist stolz auf seinen siebten Tonträger, der von Kritikern als sein bisher «reifstes Werk» bezeichnet wird. Daraus zu hören gibt es unter anderem «Schweinehund», in dem der Popsänger seine Trägheit kritisiert. «Statussymbol» ist ein Plädoyer für den Ausbruch aus sozialen Zwängen und «Wie schad» eine bittersüsse Ballade über das zerrende Hin und Her in einer Romanze.

Auch wenn die Stimme von Baschi keine vier Oktaven umfasst und vor allen in den Höhen schwächelt, ist sie doch unverkennbar durch den kratzigen Touch und ihren mal rebellischen, dann wieder sehnsuchtsvoll flehenden Ausdruck. Mit Songzeilen wie «Ha Di nit vergässe, s ganze Bett schmöckt no vo Dir, vo letschter Nacht» gibt er dem Publikum Zucker und bringt die Herzen der jungen Mädchen zuvorderst an der Bühne zum Schmelzen. Ekstatisch tanzt er während den schnellen Nummern zwischen seinen Musikern herum und liefert Hits mit Mitsingpotenzial. Seine Fussballhymne «Bring en hei» fungierte 100 Wochen in der Schweizer Single-Hitparade.

«Kennsch mi no oder liebsch mi scho», beschreibe ihn als Person am besten, erzählt er vor dem Konzert. Da heisst es «Hey, ich bliib eso, wien i be», und das sei Tatsache: «Ob Du mich privat auf der Strasse triffst oder an einem Konzert: ich bin immer der Gleiche», so der Baselbieter. Seine Moderationen zwischen den Songs wirken allerdings unbeholfen, und er verliert gelegentlich das Publikum, das er gerade noch voll im Griff hatte. «Ich labere Scheisse», sagt er sogar selber, und man fragt sich, warum er es nicht einfach bleiben lässt. Er habe nicht gewusst, was ihn im von Atomkraftwerken umgebenen Klingnau erwarte, brabbelt er beispielsweise ins Mikrofon und versucht zu witzeln: «Aber ihr habt ja gar keine drei Köpfe, ihr seid alle normal!» Ach, Baschi!