Baden
«Wir waren alle wie im Koma»: Beliebte Konzertreihe feiert nach der Coronapause ihren Neustart

Jeden Donnerstag lockt die Konzertreihe «Afterwork» viel Publikum in den Club Joy, der zum Grandcasino Baden gehört. Nicht so in den vergangenen Monaten. Nach der Coronapause geht es am kommenden Donnerstag mit vielen bekannten Künstlerinnen und Künstlern endlich wieder los.

Ursula Burgherr
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Nic Niedermann und Toni Donadio (l.) aka Tonic Strings geben im Juli wieder ein Konzert auf der Terrasse des Joy mit Blick in den Badener Kurpark.

Nic Niedermann und Toni Donadio (l.) aka Tonic Strings geben im Juli wieder ein Konzert auf der Terrasse des Joy mit Blick in den Badener Kurpark.

Christine Zenz

«Es war eine emotionale Achterbahnfahrt», sagt Konzertveranstalter Nic Niedermann im Rückblick auf das vergangene achtmonatigen Aus seiner Konzertreihe «Afterwork», die über die vergangenen Jahre jeden Donnerstag viel Stammpublikum in den zum Grandcasino Baden gehörigen Club Joy gebracht hatte.

Diese Woche soll es nun definitiv wieder weitergehen mit der Veranstaltungsserie, an der regional aber auch international bekannte Musikerinnen und Musiker zur Feierabendzeit zwischen 18 und 21 Uhr in intimem Rahmen aufspielen. Niedermann meint:

«Wir waren alle wie im Koma und haben uns in einem traumatischen Zustand befunden. Jetzt müssten wir uns wieder in die Realität zurückbewegen.»

Natürlich sind sämtliche Künstler nach der langen Zwangspause hungrig, wieder auf einer Bühne zu stehen. Niedermann favorisierte für den Auftakt die Formationen, denen er – Corona geschuldet – vergangenes Jahr eine Absage erteilen musste. Manchen sogar zweimal.

Pop-Duo Santa Monica startet die Konzertreihe

Dazu gehört das Pop-Duo Santa Monica, das nun am 10. Juni den Auftakt macht. Es bezeichnet seinen Stil vielsagend als «Rockabilly meets 80s Synth-Pop meets Alternative meets the Beatles». Den 17. Juni bestreiten dann Michael Sokoll und Marc Reinhard von AZ-Ton, die in Baden zu den absoluten Publikumslieblingen gehören und im vergangenen Jahr ebenfalls auf ihren Auftritt im Joy verzichten mussten. Am 24. Juni ist schlussendlich Sandra Rippstein angesagt, die Niedermann als eine der besten Stimmen der Schweiz bezeichnet.

Nic Niedermann (2.v.r.) und Band bei einem früheren Konzert im Joy.

Nic Niedermann (2.v.r.) und Band bei einem früheren Konzert im Joy.

Christine Zenz

Gewisse Kriterien sind ihm für die Durchführung der Konzerte besonders wichtig: «Wir werden natürlich alle nötigen Sicherheitsauflagen rigoros erfüllen; mit Registrierung, Maskentragepflicht beim Stehen drinnen und draussen oder 1,5 Meter Abstand, etc.», sagt der Mann, der vor längerer Zeit selbst an Corona erkrankte und heute noch an den Folgen leidet. «Ich fühle mich immer noch 10 bis 20 Prozent reduziert», bekundet er und fügt hinzu:

«Ich kenne viele schlimme Schicksale und nehme diese Krankheit sehr ernst. Das ist nicht einfach eine Grippe.»

Obwohl er selbst unter den restriktiven Lockdown-Massnahmen zu leiden hatte, findet er, dass die Schweiz die Krise gut gemeistert hat. «Natürlich wurden auch Fehler gemacht. Vor allem, weil man vieles nicht besser wusste.» Die Unterstützung der Musikbranche war Niedermanns Meinung nach zufriedenstellend. Dennoch gibt es viele freie Kunstschaffende, die keinerlei Subventionen erhalten haben.

Veranstalter haben gelitten – und drücken die Gagen

«Das grosse Problem ist, dass jetzt alle wieder loslegen wollen. Und so manche unter ihrem Wert spielen», sagt Niedermann. «Denn die Veranstalter haben finanziell auch gelitten und setzen nun teilweise die Gagen runter. Dank der Unterstützung des Grand Casino Baden bleibt mir das bei den Konzerten im Joy Gott sei dank erspart.»

Nic Niedermann, Veranstalter der Konzertreihe «Afterwork »im Joy, spielt selbst in einigen Formationen mit.

Nic Niedermann, Veranstalter der Konzertreihe «Afterwork »im Joy, spielt selbst in einigen Formationen mit.

Christine Zenz

Künstlerinnen und Künstler anständig zu bezahlen, gehörte schon immer zu Niedermanns obersten Prämissen. Aber auch er habe in der Zwischenzeit schon Konzerte gegeben, die er früher nicht angenommen hätte. «Einfac,h weil ich wieder raus und vor Publikum spielen wollte.» Ein persönliches Highlight findet für Niedermann im Juli statt. Dann wird er seit langer Zeit wieder einmal mit Gitarren-Kollege Toni Donadio im Duo «Tonic Strings» das Joy beehren. Auch der erfolgreiche Sänger Pascal Camenzind aka Camen mit seiner magischen Soulstimme steht auf dem Juli-Programm.

Noch ein Jahr wird es gemäss Nic Niedermann dauern, bis sich die ganze Szene wieder einigermassen von der Pandemie erholt hat. «Bei kleineren Konzerten wie denjenigen im Joy wird es sogar schneller vorwärtsgehen. Sofern sich alle strikte an die geltenden Vorsichtsmassnahmen halten», ist sich Niedermann gewiss.

Die Konzertreihe «Afterwork» im Joy findet jeden Donnerstag von 18 bis 21 Uhr statt. 10.6.: Santa Monicas; 17.6. Marc Reinhard und Michael Sokoll; 24.6. Sandra Rippstein. Weitere Daten siehe www.clubjoybaden.ch